Main Data
Author: Shelley Read
Title: So weit der Fluss uns trägt Roman. Der SPIEGEL-Bestseller
Publisher: C. Bertelsmann
ISBN/ISSN: 9783641304614
Edition: 1
Price: CHF 18.00
Publication date: 06/28/2023
Content
Category: Narrative literature
Language: German
Technical Data
Pages: 368
Copy protection: Wasserzeichen
Devices: PC/MAC/eReader/Tablet
Formate: ePUB
Table of contents
»Erschütternd, Mut machend und absolut unvergesslich. Ein Roman wie eine Naturgewalt.« Bonnie Garmus
»Niemand wird den Geschmack der süßen Pfirsiche aus Colorado je wieder vergessen, der diesen beeindruckenden Debütroman gelesen hat.« Denis Scheck, Tagesspiegel

Am Fuße der Berge Colorados strömt der Gunnison River an einer alten Pfirsichfarm vorbei. Hier lebt in den 1940ern die 17-jährige Victoria mit ihrem Vater und ihrem Bruder in rauer Abgeschiedenheit. Doch der Tag, an dem sie dem freiheitsliebenden Wil begegnet, verändert alles. Bald ist Victoria gezwungen, das Leben, das sie kennt, aufzugeben und in die Wildnis zu fliehen. Dort muss sie ums Überleben kämpfen - um ihr eigenes und um das ihres ungeborenen Kindes. Als sie endlich die Kraft findet, neu anzufangen, droht der Fluss, alles zu zerstören, was ihrer Familie seit Generationen ein Zuhause war.

Ein lebenskluger Roman über unsere Verbindung zur Natur, über Familie und die Stärke einer Frau, die Unglaubliches erlebt und doch niemals den Mut verliert.

Shelley Read lebt in fünfter Generation mit ihrer Familie mitten in den rauen Elk Mountains in Colorado. Sie ist tief verwurzelt in dieser Gegend und ihrer Natur, die auch ihren Debütroman inspiriert und geprägt hat. »So weit der Fluss uns trägt« hat weltweit für großes Aufsehen gesorgt und erscheint in über 30 Ländern.

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1


1948


Er sah nicht besonders gut aus.

Zumindest nicht auf den ersten Blick.

»Verzeihung«, sagte der junge Mann und zupfte mit schmutzigem Daumen und Zeigefinger am Schirm seiner abgewetzten roten Baseballkappe. »Geht’s hier zur Schlafstelle?«

Einfach so. Eine gewöhnliche Frage von einem schmutzigen Fremden, der die Main Street heraufkam, als ich gerade die Kreuzung mit der North Laura Street erreichte.

Sein Overall und seine Hände waren schwarz von Kohle. Ich nahm damals an, dass es Schmiere war oder Dreck von der Feldarbeit, obwohl die Farbe für beides zu dunkel war. Er hatte Schmutzspuren auf den Wangen. Braune Haut schimmerte unter herabrinnendem Schweiß. Unter seiner Kappe schauten glatte schwarze Haare hervor, viel dunkler als meines, das ein sehr gewöhnliches Braun hatte.

Der Herbsttag hatte so unspektakulär begonnen wie das Porridge und die Spiegeleier, die ich den Männern zum Frühstück vorgesetzt hatte. Ich bemerkte nichts Ungewöhnliches, als ich mich danach dem Haushalt und den sanftmütigen Tieren in ihren Ställen zuwandte, in der kühlen Morgenluft zwei Körbe Pfirsiche pflückte und meine tägliche Auslieferung machte, indem ich den klapprigen Anhänger hinter meinem Fahrrad herzog, um dann nach meiner Rückkehr das Mittagessen zu kochen. Aber mittlerweile weiß ich, dass das Außergewöhnliche immer unter dem Gewöhnlichen lauert, so wie die tiefe und geheimnisvolle Welt unter der Meeresoberfläche.

»Da geht’s nach überallhin«, erwiderte ich.

Ich hatte gar nicht versucht, witzig zu sein oder irgendwie Aufmerksamkeit zu erregen, aber an der Art, wie er innehielt, und an dem leichten Lächeln auf seinen Lippen erkannte ich, dass meine Antwort ihn amüsierte. Er schaute mich auf eine Weise an, die meine Eingeweide Purzelbäume schlagen ließ.

»Ich meine – es ist eine ziemlich kleine Stadt.« Ich versuchte, die Dinge klarzustellen, deutlich zu machen, dass ich nicht die Art von Mädchen war, die den Jungs besonders ins Auge fiel oder der man auf der Straße nachpfiff.

Die Augen des Fremden waren dunkel und glänzten wie Rabenflügel. Und freundlich – das ist meine stärkste Erinnerung an diese Augen, freundlich vom ersten Blick bis zum letzten Starren –, da war eine Sanftheit, die aus seiner Mitte zu entspringen schien und sich verströmte wie ein überfließender Brunnen. Er musterte mich einen Augenblick, immer noch grinsend, dann tippte er wieder an den Schirm seiner Kappe und ging weiter in Richtung Dunlap’s Pension am Ende der Main Street.

Es war nicht gelogen, dass dieser eine löchrige Gehweg überallhin führte. Neben Dunlap’s hatten wir noch das Iola Hotel für die feinen Leute und die Taverne an seiner Rückseite für die Trinker, Jernigan’s Standard Station, den Eisenwarenladen, der gleichzeitig als Post diente, das Café, das immer nach Kaffee und Speck roch, und Chapman’s Big Little Store mit Lebensmitteln und einer Feinkosttheke und Klatsch ohne Ende. Am westlichen Ende der Straße stand der hohe Fahnenmast zwischen der Schule, die ich früher besucht hatte, und der Kirche aus weißen Holzbrettern, in der unsere Familie jeden Sonntag saß, auf Hochglanz gestriegelt und in unseren besten Sachen, damals, als Mutter noch lebte. Dahinter verschwand die Main Street abrupt in den Hügeln wie ein Punkt nach einem kurzen Satz.

Ich musste in dieselbe Richtung wie der Fremde – um meinen Bruder aus dem Pokerschuppen hinter Jernigan’s zu holen – aber ich wollte nicht unbedingt direkt hinter ihm hergehen. Also blieb

 
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