Main Data
Author: Lisa Wingate
Title: Die Glasperlenmädchen Roman
Publisher: Limes
ISBN/ISSN: 9783641268916
Edition: 1
Price: CHF 15.90
Publication date: 01/01/2021
Content
Category: Contemporary literature (from 1945)
Language: German
Technical Data
Pages: 528
Copy protection: DRM
Devices: PC/MAC/eReader/Tablet
Formate: ePUB
Table of contents
»Blau ist die Farbe der Treue. Diese Perlen bedeuten, dass wir immer zusammenhalten, egal, wo wir sind ...«
1875: Nachdem der Amerikanische Bürgerkrieg das Land in Chaos gestürzt hat, werden drei Frauen auf ihrer Reise nach Texas zu unfreiwilligen Weggefährtinnen: Lavinia, die Tochter weißer Plantagenbesitzer, ihre Halbschwester Juneau Jane sowie Hannie, eine ehemalige Sklavin. Jede der drei ist in eigener Mission unterwegs, während es Lavinia und Juneau jedoch um ihr Erbe geht, sehnt sich Hannie nach ihrer Familie, die von Sklavenhändlern verschleppt wurde. Einzig drei blaue Glasperlen sind Hannie als Andenken geblieben - und als Erkennungsmerkmal, sollte sie ihre Liebsten je wiedersehen ...
1987: Als die frischgebackene Lehrerin Benedetta Silva das erste Mal die Schule in Augustine, Louisiana, betritt, ist nichts wie erwartet: Statt moderner Klassenzimmer und lernfreudiger Schüler begegnen ihr Armut sowie Skepsis gegenüber Fremden und jeder Art von Fortschritt. Eines Tages kommt ihr eine Idee: Wenn die Schüler Neuem gegenüber so unaufgeschlossen sind, wie verhält es sich dann mit der Vergangenheit? Kurz darauf ruft sie ein Ahnenforschungsprojekt ins Leben - und stößt dabei auf eine alte Geschichte, die alles verändert ...

Nach »Libellenschwestern« endlich der neue bewegende Roman von SPIEGEL-Bestsellerautorin Lisa Wingate - inspiriert von einer wahren Begebenheit!


Lisa Wingate, geboren im rheinischen Landstuhl, ist Journalistin und Autorin mehrerer preisgekrönter Romane. Ihren großen Durchbruch feierte sie mit »Die Libellenschwestern«. Der Roman führte nicht nur die »New York Times«-Bestsellerliste über ein Jahr hinweg an, er eroberte auch die SPIEGEL-Bestsellerliste sowie Tausende Leserherzen im Sturm. Die Autorin lebt in den Ouachita Mountains in Arkansas, USA.

Table of contents

KAPITEL1


Hannie Gossett


LOUISIANA, 1875

Der Traum kommt mitten im seelenruhigen Schlaf, wie so viele Male zuvor, erfasst mich wie ein Staubwedel die Flusen in vergessenen Ecken. Schon schwebe ich dahin, zwölf Jahre in die Vergangenheit, aus dem Körper einer fast erwachsenen Frau in den einer Sechsjährigen, sehe das Bild, das sich in meine Augen damals eingebrannt hat.

Käufer versammeln sich auf dem Hof des Sklavenmarkts, als ich durch die Lücken im Staketenzaun des Verschlags spähe. Der Boden unter mir ist eiskalt, festgetrampelt von zahllosen Füßen, die vor mir hier gestanden haben – große Füße wie die von meiner Mama, aber auch kleine wie meine eigenen und die von Mary Angel. Zehen und Hacken, die tiefe Dellen und Furchen im Matsch hinterlassen haben.

Wie viele haben hier schon vor mir gestanden?, überlege ich.Wie viele Menschen, mit hämmernden Herzen und angespannten Muskeln, aber ohne die Chance zu entkommen?

Hundert könnten es gewesen sein, vielleicht sogar noch mal hundert oder Hunderte mehr. Überall Fußabdrücke, paarweise Fersen, zehnerweise Zehen. So weit kann ich noch gar nicht zählen. Erst vor wenigen Monaten bin ich sechs geworden. Jetzt istFeb-Feb-u-bah-bah, ein Wort, das ich nicht richtig aussprechen kann, deshalb hört es sich an wie das Blöken eines Schafs. Meine Geschwister ärgern mich ständig damit, alle acht, sogar die jüngeren. Meistens haben wir miteinander gerangelt, wenn Mama bei der Arbeit auf dem Feld oder im Spinnhaus war, wo sie die Wolle verzwirnen und weben. Dann hat jedes Mal unsere ganze Holzhütte gewackelt und gebebt, bis einer durchs Fenster oder zur Tür rausgefallen ist und zu weinen angefangen hat. Worauf natürlich Ol’Tati mit dem Rohrstock angelaufen gekommen ist und geschimpft hat: »Wenn ihr elenden Bälger nicht gleich Ruhe gebt, setzt es ’ne anständige Tracht Prügel.« Sie hat uns spielerisch Klapse auf den Hintern und die Beine verpasst, und wir sind weggerannt und dabei übereinander drüber gefallen wie eine Horde kleiner Ziegen, die durchs Tor drängeln. Wir haben uns unter den Betten versteckt, aber es hat nichts genützt, weil hier ein Ellbogen, da ein Knie vorgelugt hat.

Aber damit ist längst Schluss. Alle von Mamas Kindern wurden fortgebracht, einzeln oder zu zweit. Jenny Angel und drei ihrer vier Mädchen sind auch weg, verkauft auf Sklavenmärkten wie diesem hier, von Süd-Louisiana bis fast rüber nach Texas. Ich muss mich anstrengen, um mich zu erinnern, wohin es uns alle verschlagen hat. Jeden Tag ist unsere Familie weiter geschrumpft, während wir hinter Jep Loachs Karren herschlurfen mussten – die erwachsenen Sklaven mit Ketten um die Handgelenke, während uns Kindern nichts anderes übrig blieb, als ihnen zu folgen.

Am schlimmsten sind die Nächte. Wir können bloß hoffen, dass Jep Loach schnell einschläft, weil er müde vom Whiskey und der langen Reise ist. Denn dann passieren die schlimmen Sachen nicht, anfangs Mama und Tante Jenny, aber jetzt nur noch Mama allein, weil Jenny weg ist. Bloß Mama und ich sind übrig. Und Aunt Jennys Jüngste, die kleine Mary Angel.

Wann immer sie kann, flüstert Mama mir die Worte ins Ohr – wem sie uns weggenommen haben, wie die Männer heißen, die sie vom Versteigerungspodest heruntergekauft und wohin sie sie gebracht haben – zuerst Aunt Jenny und ihre drei älteren Mädchen, dann meine Brüder und Schwestern, dem Alter nach sortiert.Hardy in Big Creek verkauft an einen Mann namens LeBas aus Woodville. Het in Jatt gekauft von einem Mann namens Palmer aus Big Woods …

Prat, Epheme, Addie, Easter, Ike und Baby Rose. Sie alle wurden meiner Mutter in einer Stadt namens Bethany aus den Armen gerissen. Baby Ros

 
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