KAPITEL 1
DAS ERWACHEN
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Schmerz war das Erste, was Thea spürte, als das Bewusstsein sie zurück in die Wachwelt riss – eine erdrückende, unerbittliche Qual, die sich in ihrer Brust konzentrierte, als würde ihr Herz von innen heraus zerrissen.
Sie bekam keine Luft. Nicht richtig. Jeder Versuch, Luft zu holen, verursachte ein reißendes Gefühl, das sie nach Luft schnappen ließ, sie scheiterte und es immer wieder verzweifelt und vergeblich versuchte. Ihr Körper schmerzte, als wäre sie tagelang geschlagen worden, jeder Muskel protestierte lautstark bei jeder Bewegung. Schwäche durchfuhr ihre Glieder. Sie schaffte es, eine Hand zu heben, kaum merklich, und sie zitterte, bevor sie zurück auf die Matratze fiel.
Etwas stimmte nicht. Etwas stimmte zutiefst, grundlegend nicht.
Thea zwang sich, die Augen zu öffnen. Eine ihr unbekannte Blockhüttendecke empfing sie, grob behauene Balken kreuzten sich über ihr. Blassgoldenes Licht fiel schräg durch ein Fenster zu ihrer Linken und ließ tanzende Staubpartikel erstrahlen. Der Duft passte überhaupt nicht zu ihrem Zuhause – Heilkräuter statt ihres gewohnten Raumes, Lavendel, Salbei und etwas Bitteres, das sie nicht identifizieren konnte. Kiefernharz. Alter Holzrauch. Saubere Wäsche, die nach Bergluft duftete.
Wo war sie?
Sie versuchte, sich an ihre letzte Erinnerung zu erinnern. Östliche Gebiete. Sie war auf einer diplomatischen Mission gewesen, um Lord Casimir wegen Grenzstreitigkeiten zu treffen. Ein einfacher Auftrag. Hätte in einer Woche wieder zu Hause sein sollen. Das war … wie lange ist das her? Drei Wochen? Vier?
Doch nachdem man sich zu Verhandlungen zusammengesetzt hatte, herrschte Leere.
Die Erkenntnis ließ Panik in ihr aufsteigen. Sie versuchte, sich aufzusetzen, und ein stechender Schmerz durchfuhr ihre Brust wie ein Faustschlag, der ihren Brustkorb zermalmte. Keuchend sank sie zurück in die Kissen, ihre Sicht verschwamm. Sterne tanzten vor ihren Augen.
Ihre Lykanische Heilkraft sollte wirken. Sollte jegliche Verletzungen heilen, diesen Schmerz lindern. Doch sie fühlte sich schwach, kraftlos, als ob ihr Wolf tief in ihrem Inneren klein und verängstigt zusammengekauert wäre, anstatt ihr zu helfen.
Thea griff vorsichtig nach ihrem Wolf, so wie sie es schon seit ihrer Kindheit getan hatte, als sie zum ersten Mal die Verwandlung lernte.Ich bin hier,„Das dachte sie sich“, flüsterte sie innerlich.Was ist los?
Die Antwort war ein Wimmern.Schmerz. Etwas fehlt. Bedürfnis –
Was brauchst du?
Die Tür öffnete sich.
Theas Kopf drehte sichSie wandte sich – selbst diese kleinste Bewegung verursachte neuen Schmerz – dem Geräusch zu. Der Duft traf sie zuerst. Uralte Lykanerin, weibliche Heilermagie, die in ihrem Blut sang. Mächtig, aber nicht bedrohlich. Ihr Wolf entspannte sich einen Augenblick lang, während Thea selbst sich anspannte.
Die Frau war vielleicht Ende fünfzig, alterslos wie die alten Lykaner, mit silbernem Haar, das zu einem langen Zopf geflochten war, in dem noch Strähnen ihres ursprünglichen Schwarz zu sehen waren. Warme braune Augen blickten Thea aus einem Gesicht an, das von Lachfalten und strenger Erfahrung gezeichnet war. Sie trug praktische Kleidung, eine Leinentunika über einer Lederweste und abgetragene Stiefel, und bewegte sich mit der ruhigen Autorität einer Frau, die genau wusste, was sie tat.
„Gut“, sagte die Frau mit freundlicher, aber bestimmter Stimme. „Sie sind wach.“ Sie durchquerte den Raum mit drei Schritten, zog einen Stuhl ans Bett und setzte sich. Kühle, kompetente Finger tasteten Theas Handgelenk und prüften ihren Puls. „Ich bin Isolde Grey. Sie befinden sich in meinem Heilhaus.“
Thea versuchte, ihren Arm wegzuziehen. Isolde ließ es zu, aber ihr Gesichtsausdruck sagte mehr als tausend Worte.törichtes Kind.
„Wie stark sind die Schmerzen?“ fragte Isolde. „Eine Skala von eins bis zehn.“
„Acht.“ Theas Stimme klang heiser. „Vielleicht neun. Was ist mit mir passiert?“
Isoldes Finger wanderten zu Theas anderem Handgelenk, um etwas zu prüfen – erneut den Puls, vielleicht um ihre Lykanische Magie zu lesen. Ihr Gesichtsausdruck wurde ernst. „Du warst eine Woche lang bewusstlos. Davor bist du umhergeirrt. Mal bewusstlos, mal nicht. Fieber ohne Ende. Die Schmerzen haben dich in den Wahnsinn