Großklopfenbach, das fing schon falsch an. Mittelklopfenbach oder besser noch Kleinklopfenbach wäre passender gewesen. Oder Kaumzusehen- klopfenbach. Weil groß kann man diese Ansammlung von Häusern sicher nicht nennen, in der ich aufgewachsen bin. Klar, es geht noch kleiner. Das Nachbardorf hatte nur 75 Einwohner, wir kamen immerhin auf 180. Über 350 kam keines der Dörfer in der Umgebung hinaus. Die nächste Stadt – 13000 - war unbeschreibliche 25 Kilometer entfernt, für ein Kind sehr weit weg. Ein überzeugendes Argument für das Gymnasium, dessen Besuch uns täglich für viele Stunden aus dieser Enge befreite. 180 Einwohner sind für das durchschnittliche menschliche Fassungsvermögen machbar, das kann man verwalten. Da weiß so ungefähr jeder über jeden alles. Natürlich ist das so absolut nie zutreffend, und ich beglückwünsche nachträglich alle, die es geschafft haben, ein Geheimnis vor der Dorfgemeinschaft zu bewahren, aber im Grunde stimmt es schon. Alles ist bekannt, natürlich ist noch viel mehr bekannt als tatsächlich zutreffend ist, aber das ist halt so. Wenn wenig los ist, und es war wenig los, müssen auch kleine Dinge groß gemacht werden, und manchmal, wenn auch keine kleinen Dinge passieren, muss man halt kreativ werden. Und alle diese Dörfer hatten solche Kreativposten. Irgendwie waren auch alle sehr sensibilisiert, von wegen Dorftrottel, nein wir waren echte Feingeister, wenn es darum ging, einen Skandal aufzudecken. Auch wir Kinder waren da sehr geschult. Wie wären wir sonst auf die Idee gekommen, dass es interessant sein könnte, wenn Josef abends zur Schneider-Hedwig geht. Dass er nicht über die Haupt