: Sabine Kauffeld
: Katzenweisheiten - Das Revier ohne Netz Ein Roman über Katzen, Menschen und eine Welt im Ausnahmezustand
: Books on Demand
: 9783695783755
: Katzenweisheiten
: 1
: CHF 7.00
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 212
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Als das Internet plötzlich verschwindet, bleibt die Welt nicht stehen, sie kippt. Für Sabine beginnt der Ausnahmezustand nicht mit Panik, sondern mit Stille. Kein Netz. Keine Nachrichten. Keine Aufträge. Nur ihr Haus, ihr Garten und ein Rudel Katzen, das schneller begreift als jeder Mensch, dass sich etwas Grundlegendes verändert hat. Während draußen Unsicherheit, Misstrauen und Versorgungsengpässe wachsen, entsteht drinnen etwas anderes: Ordnung, Zusammenhalt und eine neue Form von Gemeinschaft. Angeführt von Max, dem stoischen Kater mit Führungsqualitäten, und umgeben von klugen, eigenwilligen und manchmal herrlich chaotischen Gefährten, beginnt Sabine zu verstehen, was wirklich zählt, wenn gewohnte Strukturen wegbrechen. Ein leiser, berührender Roman über Zusammenhalt, Menschlichkeit und darüber, wie viel wir von denen lernen können, die schon immer ohne Netz gelebt haben.

Sabine Kauffeld lebt und arbeitet in Potsdam, gemeinsam mit einem Rudel Katzen, das ihr Leben ebenso prägt wie ihr Schreiben. Was als liebevolle Beobachtung ihres Alltags begann, entwickelte sich nach und nach zu einem eigenen erzählerischen Kosmos. In ihren Texten verbindet sie Humor, feine Zwischentöne und einen besonderen Blick auf die leisen Momente zwischen Mensch und Tier. Ihre Katzen sind dabei weit mehr als Begleiter, sie sind Persönlichkeiten, Vertraute und manchmal die klareren Beobachter einer Welt, die aus dem Gleichgewicht gerät. Mit der Reihe Katzenweisheiten hat sie eine unverwechselbare Stimme geschaffen. Der erste Band,"Gespräche aus dem Revier", versammelt humorvolle und zugleich berührende Dialoge aus dem Zusammenleben mit ihrem Katzenrudel, ehrlich, pointiert und mit einem Augenzwinkern. Der Roman"Das Revier ohne Netz" knüpft an diese besondere Perspektive an und führt sie weiter: als ruhige, nachdenkliche Geschichte über eine Welt im Wandel und darüber, was uns Halt gibt, wenn Vertrautes ins Wanken gerät. Neben dem Schreiben arbeitet Sabine Kauffeld als virtuelle Assistentin und im Marketing. Ihre Erfahrungen aus beiden Welten fließen ebenso in ihre Texte ein wie ihr Engagement im Tierschutz und die tiefe Verbundenheit zu den Tieren, die sie begleiten.

Tag 1


Es war wie immer, wie jeder Dienstag. Wenn ich ehrlich war, unterschied sich kein Dienstag wirklich von einem Mittwoch, einem Sonntag oder irgendeinem anderen Tag der Woche. Meine Zeitstruktur hatte sich im Laufe der Jahre so sehr an die Bedürfnisse meiner sechs Fellbewohner angepasst, dass sie eher einem sich selbst fortschreibenden Tagebuch glich als einem menschlichen Lebensplan.

Ich wachte auf, weil Max sich, wie jeden Morgen, mit der Präzision eines schweigsamen, aber sehr übergewichtigen Weckers auf meinen Brustkorb setzte. Neun haarige Kilo norwegischer Autorität drückten mir die Luft aus den Lungen.

Max war mit seinen vierzehn Jahren der selbsternannte Häuptling unseres Katzenrudels, ein norwegischer Waldkater mit imposantem Format und einem nicht zu leugnenden Hang zum Übergewicht. Er war nicht bösartig, aber zielstrebig, und wenn er Hunger hatte, war ich für ihn der einzige Schalter zwischen „Ich sterbe gleich“ und „Ich bin satt genug, um wieder Häuptling zu sein“.

Ich lebte mit Katzen, weil ich mich irgendwann bewusst dafür entschieden hatte, nicht länger gegen das Chaos anzukämpfen, sondern es mir ins Haus zu holen. Sechs Katzen waren kein Zufall, sondern das Ergebnis vieler Jahre, in denen ich immer wieder nur „vorübergehend“ helfen wollte. Hier ein verletztes Tier, das ich aus dem Straßengraben aufgesammelt hatte, dann eine Katze die zu mir als Pflegestelle kam, da ein Blick, der ein wenig zu lange hängen blieb. Irgendwann war aus dem Plan, nur kurz zu helfen, ein Rudel geworden. Mein Rudel.

Ich hatte keine Kinder, keinen Partner, keine klassische Familie mehr, dafür aber sechs Persönlichkeiten auf vier Pfoten, jede mit eigenen Macken, Eigenheiten und Ansprüchen. Seltsamerweise fühlte sich das für mich richtiger an als alles, was ich zuvor gehabt hatte. Katzen stellten keine Fragen nach Lebensentwürfen, verlangten keine Erklärungen und keine Rechtfertigungen; sie wollten Präsenz, Verlässlichkeit, Futter, und manchmal einfach nur, dass jemand da war, wenn die Welt draußen zu laut wurde.

Vielleicht hatte ich mich deshalb so gut in dieses Leben eingefügt, oder es hatte sich in mich eingefügt; die Grenzen waren fließend geworden. Meine Tage richteten sich nicht nach Terminen, sondern nach Futterzeiten, Schlafplätzen und den unausgesprochenen Gesetzen eines kleinen, eigenwilligen Staates namens „Revier“. Ich war darin weniger Chefin als Versorgerin, Verwalterin, geduldete Mitbewohnerin mit Dosenöffnern, Händen, warmem Schoß und der Fähigkeit, im Notfall Entscheidungen zu treffen – oder zumindest so zu tun.

So begann auch dieser Dienstag. Er glich all