Siobhán O'Leary stellt erschöpft den kleinen Rollkoffer auf den Gehweg. Die junge Irin ist zum ersten Mal in Italien – und für ihre Reise hat sie sich ausgerechnet den Süden ausgesucht, genauer gesagt das unter der glühenden Sommersonne liegende Neapel. Gleich am Flughafen hatte sie sich einen großen, gelben Strohhut gekauft. Den trägt sie nun zu ihrem leichten Sommerkleid. Mit gerunzelter Stirn muss Siobhán erkennen, dass die Vorstellung eines 'leichten Sommerkleides' bei irischen Modehändlern sich offensichtlich stark von den luftigen Kleidern unterscheidet, die italienische Designer für ihre Kundinnen entworfen haben. So steht sie nun an der Bushaltestelle irgendwo in der Innenstadt und leidet erbärmlich unter der Mittagshitze.
Schon als ihr Flugzeug auf dem Flughafen Neapel „Ugo Niutta“ gelandet war und sie die Boeing über die Gangway auf das glühend heiße Vorfeld verlassen hatte, ahnte sie, dass dieser Besuch ihre Vorstellung von 'warmer Witterung' gründlich verändern würde. Um die Wartezeit am Kofferband zu überbrücken, hatte sie in der leidlich gekühlten Halle auf ihrem Smartphone recherchiert, wer der Namensgeber des Flughafens war: ein im Einsatz verstorbener Luftfahrtpionier, postum mit einer Goldmedaille für Tapferkeit ausgezeichnet. Seufzend hatte sie den euphorischen Artikel auf der Homepage des Flughafens