Wer heute über Adoleszenz spricht, spricht weiterhin über ein Labor - über jene Übergangsphase, in der Identität nicht gefunden, sondern gebaut wird: aus Bindung und Abgrenzung, aus Nachahmung und Widerspruch, aus Risiko und Selbstregierung. Nur findet dieses Labor inzwischen in einer Umwelt statt, die nicht mehr bloß „neu“ ist, sondern anders gebaut: Daueransprechbarkeit, Aufmerksamkeitsmärkte, Plattform-Sozialität, metrische Rückmeldung, algorithmische Auswahl, eine jederzeit griffbereite Ausweichspur aus jedem inneren Leerlauf. Was bedeutet es, ein Selbst zu werden, wenn jede Regung sofort als Mitteilung denkbar ist, jede Pause als Störung gilt, jedes Alleinsein wie ein Defekt wirkt, den man - höflich, diskret, sekundenschnell - durch Scrollen behandelt?
Donald Winnicott hat die Sache lange vor dem Smartphone so knapp wie unerbittlich formu