Die Sonne brannte heiß auf die trockene Erde. Das war außergewöhnlich, für diese Jahreszeit. Die Eisheiligen hatten ausnahmsweise keinen Kälteeinbruch gebracht. Auf einer Anhöhe, die den Blick weit über das Land freigab, saß Lysander, ein junger Sandbauer und wischte sich mit einem bestickten, weißen Leinentuch den Schweiß von der Stirn. Wehmütig betrachtete er für einen kurzen Augenblick die feinen Stiche der Stickerei in seinen Händen – Kirschen, rot und saftig. Fast glaubte er, ihre Süße auf seiner Zunge zu spüren. Verträumt sah er in die Ferne, ließ sich von der harmonisch wirkenden Stille aber nicht täuschen. Er spürte eine leichte Unruhe in sich aufsteigen und wusste, dass etwas in der Luft lag – verborgen von der flirrenden Hitze des Bonifatius, des vierten Eisheiligen, der ihn höhnisch auszulachen schien. Nachdenklich blickte er weiterhin ins Tal und suchte nach dem Haus mit dem weißen Türmchen – seinem Zuhause. Am Morgen hatte er sich heftig mit seiner Mutter gestritten, wieder einmal, bis er mit vor Zorn gerötetem Gesicht das Haus verlassen hatte. Wie ein kleiner Junge hatte er sich benommen, das ärgerte ihn am meisten. Er hätte schon vor Monaten seinen eigenen Weg gehen sollen, anstatt sich an ein Versprechen zu halten, das er einem Toten gegeben hatte. Schmerzlich wurde ihm in diesem Moment bewusst, dass er bald schon eine Entscheidung treffen musste. Im Haus seiner Mutter würde es für ihn keine Zukunft geben, zumindest keine glückliche. Mit Mutter allein war er ja immer zurechtgekommen, dachte er, doch seit sie sich mit dies