: Thomas Schröter
: Zwischen Dampf und Krone
: Books on Demand
: 9783695793686
: 1
: CHF 7.90
:
: Romanhafte Biographien
: German
: 156
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Mit großer erzählerischer Dichte schildert der Roman den Aufstieg der Industrie in Berlin und die sozialen Verwerfungen, die dieser Fortschritt nach sich zieht. Fabriken werden zu Orten der Hoffnung und der Ausbeutung zugleich, Maschinen zu Symbolen von Macht und Entmenschlichung. Während Arbeiter unter unmenschlichen Bedingungen um ihre Existenz kämpfen, planen Unternehmer Expansion und Profit, gestützt von politischen Interessen. Parallel dazu wächst eine junge Generation heran, die sich nicht länger mit Stillstand und Unterdrückung abfinden will. Die Revolution von 1848 bildet einen zentralen Wendepunkt der Geschichte und macht deutlich, wie eng persönliche Schicksale und historische Ereignisse miteinander verwoben sind. Der Roman verbindet individuelle Lebensgeschichten mit präziser historischer Atmosphäre und macht gesellschaftliche Umbrüche emotional erfahrbar.

Thomas Schröter ist Schriftsteller und Philosoph, der sich intensiv mit den komplexen Zusammenhängen zwischen Technik, Gesellschaft und menschlichem Denken beschäftigt. In seinen Werken erforscht er die Grenzen der Freiheit, die Macht der Überwachung und die Verbindung zwischen Individuum und Gesellschaft. Mit scharfsinnigen Analysen und fesselnden Geschichten entwirft Schröter dystopische Welten, die beunruhigend real wirken, und stellt grundlegende Fragen über die Zukunft der Menschheit.

Kapitel 1: Ankunft in Berlin (1840)


Der Himmel über Berlin war von grauen Wolken verhangen, als der alte Karren langsam in die Stadt einrollte. Johann und Emilia Weber saßen eng beieinander auf der hölzernen Bank, ihre wenigen Habseligkeiten auf dem Karren gestapelt. Die Reise aus ihrem kleinen Dorf in Preußen war lang und beschwerlich gewesen, doch nun lagen die letzten Meilen hinter ihnen. Vor ihnen breitete sich das gewaltige Stadtbild Berlins aus – eine Stadt, die vor Leben, aber auch vor Dreck und Lärm strotzte.

Johann blickte mit großen Augen auf die Gebäude, die sich links und rechts der Straße erhoben."Das ist also Berlin," murmelte er, mehr zu sich selbst als zu Emilia."So groß... und laut."

Emilia nickte, sagte aber nichts. Ihre Hände lagen fest im Schoß gefaltet, die Finger umklammerten das grobe Leinen ihrer Schürze. Ihr einfaches, ausgeblichenes Kleid, das sie während der gesamten Reise getragen hatte, hing locker an ihrem schmalen Körper. Auf ihrem Kopf trug sie ein dunkles Tuch, das ihr Gesicht gegen den Wind und den Staub schützen sollte. Ihre Augen huschten nervös von einem Punkt zum nächsten. Die Stadt war so anders als alles, was sie je gekannt hatte.

Die Straßen waren belebt. Arbeiter, die wie Johann einfache, schmutzige Wollhemden und weite Hosen tr