Links ist ein Wort, das in Debatten oft wie ein Etikett benutzt wird und doch im Alltag von Institutionen, Gesetzen und Gewohnheiten lebt. Wer links sagt, meint selten nur eine Partei oder eine historische Tradition, sondern verweist auf ein Bündel an Zielen, Maßstäben und Methoden. In diesem Buch verwenden wir links nicht als Glaubensbekenntnis und nicht als Abgrenzungsmarke, sondern als Beschreibung einer politischen Praxis. Diese Praxis lässt sich beobachten, messen, kritisieren und verbessern. Sie beginnt im Konkreten und bleibt dort verwurzelt, wo Menschen wohnen, lernen, arbeiten, pflegen, streiten und entscheiden. Damit Lesende die folgenden Kapitel einordnen können, klärt dieses erste Kapitel den Begriff im erzählerischen, aber präzisen Sinn. Es bietet eine Arbeitsdefinition, die auf Werten, Institutionen und überprüfbaren Ergebnissen basiert, und unterscheidet links von benachbarten, teils verwandten, teils gegensätzlichen Konzepten.
Werte statt Etiketten die vier Säulen
Links ist zunächst eine Antwort auf die Frage, wie Freiheit, Gleichheit, Solidarität und Demokratie zusammengedacht werden können, ohne dass eine dieser Säulen die anderen verschlingt. Freiheit meint dabei nicht nur die Abwesenheit von Zwang, sondern die reale Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen, die das eigene Leben tragen. Diese Möglichkeit entsteht selten im luftleeren Raum. Sie braucht Einkommen, Zeit, Bildung, Gesundheitsversorgung, Schutz vor Willkür, Schutz vor Diskriminierung. Gleichheit ist in diesem Verständnis keine Gleichmacherei, sondern die bewusste Korrektur jener Zufälle der Geburt und jener Ungleichheiten der Märkte, die Menschen systema