: Thomas Schröter
: Kriegsrecht 2.0 Regeln für eine Welt, die keinen Krieg mehr will
: Books on Demand
: 9783695181117
: 1
: CHF 5.00
:
: Familie
: German
: 310
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Dieses Buch dreht die Logik klassischer Sicherheitspolitik um. Nicht Sieg, sondern Schutz wird zur Metrik: Menschen, Lebensadern, Verfahren. Kriegsrecht 2.0 bündelt Recht, Technik, Kultur und Politik zu einer belastbaren Architektur, die Töten unattraktiv, unpraktisch und unglaubwürdig macht. Herzstück ist die Null-Tötung-Norm mit nur einer engen Ausnahme: individueller Notwehr. Daraus folgen das Verbot von Zwangsdienst und menschentödlicher KI, absolute Zonen des Friedens (Medizin, Wasser, Energie, Notruf, Daten), Ex antePrüfungen, Abbruchvorrang, Live Compliance und Beweis byDesign. Der Entwurf reicht von Gerichtsbarkeit (universelle Zuständigkeit, Kette der Verantwortung und Beweise) über Technikaufsicht (Zertifizierung, Red-Teams, Atteste) und Schutzkräfte statt Kampfverbände bis zu Kulturwandel (Anti-Gamifizierung, Sprache ohne Euphemismen) und nichtletaler Abschreckung durch Regeln, Transparenz und sichtbare Kosten. Industriehaftung, Exportregeln und schwarze Listen verleihen der Ordnung Zähne. Eine internationale Behörde betreibt das Blue Lantern Ledger für Schutzräume, führt Inspektionen durch und löst automatische, nichtmilitärische Sanktionen aus. Kriegsrecht 2.0 ist kein Manifest, sondern Handbuch: mit Checklisten, Metriken (PIF, PITech, PDI, NQI, IPI, PPI), Musterartikeln und Szenarien. Wer Sicherheit ernst meint, findet hier ein System, das Unterlassen belohnt, bevor Leben verloren geht.

Thomas Schröter ist Schriftsteller und Philosoph, der sich intensiv mit den komplexen Zusammenhängen zwischen Technik, Gesellschaft und menschlichem Denken beschäftigt. In seinen Werken erforscht er die Grenzen der Freiheit, die Macht der Überwachung und die Verbindung zwischen Individuum und Gesellschaft. Mit scharfsinnigen Analysen und fesselnden Geschichten entwirft Schröter dystopische Welten, die beunruhigend real wirken, und stellt grundlegende Fragen über die Zukunft der Menschheit.

Kapitel 1 – Was heute gilt: Vom Gewaltverbot zur Schutzpflicht


Krieg ist die gewaltsame Unterbrechung der Zivilisation. Das geltende Recht versucht, diese Unterbrechung zu verhindern, und wo sie dennoch geschieht, ihre schlimmsten Folgen zu begrenzen. Wer Kriegsrecht 2.0 verstehen will, muss den Boden kennen, auf dem es steht. Dieses Kapitel zeichnet die Linien des bestehenden Völkerrechts nach und zeigt, an welchen Stellen bereits heute Schutz gedacht ist und wo der Schritt von der Regulierung des Tötens zur Priorität des Lebens beginnt.

Das moderne System beruht auf drei Säulen. Erstens das Gewaltverbot, das Staaten untersagt, in ihren internationalen Beziehungen Gewalt anzuwenden oder mit Gewalt zu drohen. Zweitens das humanitäre Kriegsrecht, das Regeln für den Fall aufstellt, dass Gewalt dennoch eskaliert, und dabei vor allem Zivilpersonen, Verwundete, Kranke, Schiffbrüchige und Gefangene schützt. Drittens die internationale und nationale Strafverfolgung, die Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord ahnden kann. Daneben wirken Menschenrechte in bewaffneten Konflikten fort, sie werden nicht abgeschaltet, sondern nur im Rahmen des rechtlich Zulässigen eingeschränkt. Zusammengenommen bilden diese Normen eine Ordnung, die den Krieg nicht legitimiert, sondern zähmt. Genau diese Zähmung reicht heute nicht mehr aus. Aber bevor der neue Entwurf kommt, hält dieses Kapitel fest, was gilt.

Das Gewaltverbot steht am Anfang. Es ist die radikalste zivilisatorische Vereinbarung der Nachkriegszeit. Staaten dürfen einander nicht angreifen. Nur zwei eng gefasste Ausnahmen sind anerkannt. Verteidigung gegen einen bewaffneten Angriff und Maßnahmen eines kollektiven Sicherheitssystems. Der Grundgedanke ist schlicht. Sicherheit entsteht nicht durch das Recht des Stärkeren, sondern durch die Stärkung des Rechts. Diese Spitze der Ordnung ist bewusst abstrakt formuliert, damit sie für alle gilt. Sie ist aber nicht blind. Sie sieht, dass es Situationen gibt, in denen Gewalt nicht mehr abgewendet werden kann. Dann greift die zweite Säule.

Das humanitäre Kriegsrecht beginnt, wenn die Politik scheitert. Es fragt nicht, wer recht hat. Es fragt, wie Menschen inmitten von Feindseligkeiten geschützt werden. Es verlangt Unterscheidung zwischen Zivilpersonen und Kombattanten. Es ve