Kapitel 1
Es regnete am Tag von Lexis Beerdigung.
Natürlich tat es das.
Denn etwas anderes als das fahle Grau der Wolkenschleier hätte gar nicht gepasst. Der trübe Nebel, der von außen an die Fensterscheiben der Friedhofskapelle drückte, ergänzte das Bild im Innern der Kirche um die letzte Nuance, die noch gefehlt hatte – ebenjenes unaufdringliche, langweilige Grau.
Alle anderen Farben waren bereits vorhanden, wenn auch in unterschiedlichen Mengenverhältnissen.
Schwarz war zweifellos dominant an diesem regnerischen Morgen Anfang April. Alle Gäste, die in der Kapelle Platz genommen hatten, waren in dunkler Trauerkleidung erschienen. Und natürlich hatte auch der Pfarrer, der in diesem Moment mit seiner Ansprache begann, den schwarzen Talar übergezogen.
Als Gegenpol zu so viel Düsterkeit glänzten die Steinmauern der kleinen Kirche in kaltem Weiß. Sarg und Bänke waren aus blankpoliertem braunen Holz gefertigt, und die unzähligen Blumensträuße und Kränze leuchteten in sattem Gelb, Grün, Blau und Rot.
Somit ergab sich ein perfektes Bild voller Kontraste. Lexi wäre begeistert gewesen.
Sie, die leidenschaftliche und erfolgreiche Malerin, hatte immer streng darauf geachtet, dass ihre Werke die gesamte Farbpalette enthielten. Jeder noch so kleine, unscheinbare Ton war ihr wichtig gewesen, und sei es auch nur als Tüpfelchen am Bildrand.
»Das Leben ist wie ein Zeichenblock und jeder neue Abschnitt wie ein leeres Blatt Papier. Es liegt ganz allein an uns, es bunt und leuchtend zu gestalten«, war ihr Leitspruch gewesen, den sie oft und gern zitiert hatte.
Ach, Lexi!
An ihrem eigenen Zeichenblock war jetzt kein Blatt mehr übrig. Sie würde nie wieder eine neue Seite aufschlagen können. Nie wieder Farbtupfer setzen, zuerst noch zögerlich, dann aber immer bestimmter. Nie wieder wie eine Besessene malen. Und auch nie wieder ein Werk mit zufriedenem Lächeln beenden.
Christine Lindners Augen füllten sich mit Tränen. Ihr Blick wanderte langsam vom Kirchenfenster zurück zum Altar, wo der blumengeschmückte Sarg ihrer besten Freundin stand. Durch die Tränen wirkte der Anblick verschwommen und unscharf. Trotzdem: Ein Sarg blieb ein Sarg, daran änderte auch ein verheulter Blickwinkel nichts. Zum wiederholten Mal versuchte Christine, sich vorzustellen, dass Lexi jetzt tatsächlich in dieser Holzkiste lag.
Es gelang ihr nicht.
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