: Nicole C. Vosseler
: Im Land der Teegärten - oder: Der englische Botaniker Roman
: dotbooks
: 9783989526532
: 1
: CHF 8.90
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: Hauptwerk vor 1945
: German
: 526
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der Duft von Tee und Lilien ... 1843 gilt Tee in London als das »grüne Gold«. Deshalb erhält der englische Botaniker Robert Fortune den Auftrag, ihn für die Horticultural Society aus China in die westliche Welt zu bringen. Niemals hätte der verschlossene Wissenschaftler damit gerechnet, im Reich der Mitte noch einmal sein Herz zu verlieren: an das ebenso mutige und kämpferische wie zerbrechliche Schwertmädchen Lian, das ihn lehrt, Pflanzen und Tee zu kategorisieren. Doch es ist eine Liebe, die nicht sein darf, denn nicht nur trennen die beiden Welten voneinander - auf den Botaniker warten zuhause auch Ehefrau und Kinder ... »Mit akribischer Genauigkeit und atmosphärischer Dichte entführt Nicole C. Vosseler ihre Leser in eine ebenso exotische wie faszinierende Welt. Eine Menge historisches Wissen fügt sich nahtlos ein in einen mit überzeugendem Geschick entfalteten Handlungsbogen.« Rheinische Post - London, China, 19. Jahrhundert - Ein Love-and-Landscape-Roman über einen Botaniker, der in der exotischen Farbenpracht Chinas der Stimme seines Herzens folgt - Für Fans von Tara Haigh und Linda Holeman »Ein unvergleichliches, tiefgründiges Buch von hoher Qualität!« Amazon-Leserin

Nicole C. Vosseler, geboren 1972 am Rand des Schwarzwalds, finanzierte sich ihr Studium der Literaturwissenschaften und der Psychologie mit einer Reihe von Nebenjobs. Bereits früh für ihre Kurzprosa, für Essays und Lyrik ausgezeichnet, wandte sie sich später dem Schreiben von Romanen zu. Nicole C. Vosseler lebt in Konstanz, in einem Stadtteil, der ganz offiziell Paradies heißt. Wenn sie nicht an einem ihrer Romane arbeitet, reist sie mit der Kamera um die Welt, wo sie sich als selbsternannte Food-Ethnologin betätigt, trotz ihrer Höhenangst auch mal einen Vulkan besteigt und auch sonst das Abenteuer sucht. Die Website der Autorin: nicole-vosseler.de Die Autorin bei Facebook: facebook.com/Nicole-C-Vossele Die Autorin auf Instagram: instagram.com/nicolecvosseler Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin »Das Geheimnis des Perlenohrrings« und »Die Hüterin der verlorenen Dinge«.

Prolog


Geschichten keimen aus Körnchen von Tatsachen.

Geschichten wachsen und gedeihen unter den Elementen der Möglichkeit, im weiten Feld grenzenloser Vorstellungskraft. Treiben fantastisch anmutende Blüten und tragen Früchte von eigener Wahrhaftigkeit.

Wie diese Geschichte, die sich zugetragen und doch nicht zugetragen hat.

Damals.

Queen Victoria ist eine noch junge Königin, und die Daguerreotypie hat es gerade erst möglich gemacht, die Zeit in Grautönen und Sepia einzufrieren.

Eine Zeit, in der die bunten Flächen auf den Weltkarten noch weiß gefleckt sind.

Alexander Gordon Laing hat als erster Europäer die sagenhafte Stadt Timbuktu erreicht; zwei Jahre später ist René Caillié der erste Europäer, der lebend von dort zurückkehrt. Schon bald wird Johannes Rebmann der erste Weiße sein, der den Kilimanjaro erblickt, und nach David Livingstone werden sich auch Richard Francis Burton und John Hanning Speke aufmachen, die Quellen des Nils zu finden.

Terra incognita.

In Afrika. Amerika. Asien.

Unterdessen schwärmen die Untertanen Queen Victorias in die Wälder und Wiesen aus und fangen Schmetterlinge und Käfer; pressen Gräser und Blumen, um sie in ein Herbarium zu kleben. An den Küsten klauben sie Muscheln und Fossilien auf und versammeln sich abends im heimeligen Wohnzimmer um ein Mikroskop, das für wenig Geld zu haben ist.

Die Londoner Royal Botanical Gardens in Kew sind soeben erst für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden und werden innerhalb kurzer Zeit Hunderttausende Besucher im Jahr anlocken, mehr als Windsor Castle oder der Tower of London.

Es ist die große Stunde der Leidenschaft für die Natur, der unterhaltsamen und lehrreichen Lobpreisung ihres Schöpfers.

Während Charles Darwin in der Grafschaft Kent noch an seiner Theorie der Entstehung der Arten schreibt, ziehen Pflanzenjäger in die Welt hinaus, um die Sehnsüchte dieser Ära zu stillen und gleichzeitig neu zu entfachen.

Das Orchideendelirium und den Rosenwahn. Die Päonienmanie, das Palmenfieber und diePteridomania – die Besessenheit von Farnen jedweder Gestalt.

Die Botanik ist zur Schatzsuche geworden.

Als im Namen zweier Pflanzen sogar Imperien in den Krieg ziehen, werden die Karten der Welt neu gezeichnet. Eine Tür öffnet sich, nur einen Spalt breit, doch weit genug, um einen Fuß hineinzusetzen.

In ein fernes, verbotenes Reich.

Irgendwo zwischen Legende und Wirklichkeit.

***

Hier sterben.

Im Bauch dieses Schiffs.

Ein Treibhaus, nicht aus Eisen und Glas und Sonnenlicht, sondern aus feuchtem Holz und Dunkelheit. In dem der Geruch von Bilgewasser und verrottendem Fisch wucherte. Das Fieberschweiß gären ließ und Atemdampf zu klebrigem Harz verdickte.

Dieser Lastkahn war ein elender Ort, um zu sterben. Als Fremder in einem noch fremderen Land, sechstausend Meilen fern von zu Hause.

Seine langen Beine hatten keinen Platz mehr in der Koje gefunden, die für Männer von niedrigerem Wuchs gebaut worden war. Nicht für einen Körper wie seinen, der von schottisch schroffer Grobknochigkeit war. Robust wie Unkraut nach einer Kindheit auf dem offenen Feld, der Lehrzeit in herrschaftlichen Gärten. Unter freiem Himmel und der Sonne, in frischer Luft, Wind und Regen abgehärtet, war er in dreißig Jahren nicht einen Tag krank gewesen.

Bis das Fieber kam.

Die Saat dafür musste er in Hongkong aufgelesen haben, in dieser kochenden Hitze, die aus der Luft zähes Gelee machte. An manchen Tagen hatte sein Thermometer vierundneunzig Grad Fahrenheit angezeigt, und nie war das Quecksilber unter die Marke von achtzig Grad gefallen, selbst in den Nächten nicht.

Ein Paradies für Fäulnis und Verfall, Fieber und Cholera.

Erst vor zweieinhalb Jahren, während des Krieges, war Hongkong für die Krone beschlagnahmt worden, und schon war der kleine englische Friedhof überfüllt, die Erde rot und frisch nach den jüngsten Begräbnissen: Major Pottinger. The Honourable J. R. Morrison. Mr Dyer, der lange in den Tropen, in Penang und Malacca, gelebt hatte, und Mr Stronach, die beide in Singapur an Bord derEmu gekommen waren.

Fremde hier wie er selbst und allzu flüchtige Bekanntschaften: heute gesund, morgen vom Fieber ergriffen und innerhalb weniger Tage dahingerafft. Hastig beerdigt unter einer Sonne, deren Gewalt von keinem noch so schmale