: Nicole Schneider
: Der Märchengarten und die Rückkehr der Königin
: novum Verlag
: 9783711602749
: 1
: CHF 15.30
:
: Erzählende Literatur
: German
: 134
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Märchen verbergen weit mehr, als es auf den ersten Blick scheint. Sie eröffnen Wege zu verborgenen Kräften und tiefgründigen Einsichten, die uns auf unerwartete Weise berühren. Hier entfalten sich 15 Volksmärchen aus aller Welt, die verschiedenste Themen und zeitlose Botschaften enthüllen. Es gibt Erzählungen für Kinder wie auch für Erwachsene, voller Symbolik und Bedeutung. Es wird dazu eingeladen, die Magie hinter den Geschichten neu zu entdecken, verborgene Botschaften zu entschlüsseln und wertvolle Impulse für das Leben und pädagogisches Arbeiten zu gewinnen. Eine Reise in die geheimnisvolle Welt der Märchen beginnt - reich an Weisheit, Fantasie und Menschlichkeit.

Ein Märchen über die Dankbarkeit


Von dem Fischer und seiner Frau


ES WAR EINMAL ein Fischer und seine Frau, die wohnten zusammen in einem alten Topfe, dicht an der See und der Fischer ging alle Tage hin und angelte; und er angelte und angelte. So saß er auch einst bei der Angel und sah immer in das klare Wasser hinein; und er saß und saß.

Da ging die Angel auf den Grund tief hinunter und als er sie heraufholte, zog er einen großen Butt heraus.

Da sagte der Fisch zu ihm: „Höreinmal, Fischer, ich bitte dich, lass mich leben, ich bin kein rechter Fisch, ich bin ein verwünschter Prinz. Was hilft es dir, wenn du mich totmachst? Ich würde dir doch nicht recht schmecken; setze mich wieder ins Wasser und lass mich schwimmen.“

„Nun“, sagte der Mann, „du brauchst nicht so viele Worte zu machen; einen Fisch, der sprechen kann, hätte ich so schon schwimmen lassen.“

Damit setzte er ihn wieder ins klare Wasser; da ging der Fisch auf den Grund und zog einen langen Streifen Blut nach sich. Nun stand der Fischer auf und ging zu seiner Frau in den Topf.

„Mann“, sagte die Frau, „hast du heute nichts gefangen?“

„Nein“, sagte der Mann, „ich fing einen Fisch, der sagte, er wäre ein verwünschter Prinz, da habich ihn wieder schwimmen lassen.“

„Hast du dir denn nichts gewünscht?“, fragte die Frau.

„Nein“, sagte der Mann, „was solltich mir wünschen?“

„Ach“, sagte die Frau, „das ist doch schlimm, hier immer so im Topfe zu wohnen; es ist eklig und stinkt. Du hättest uns doch eine kleine Hütte wünschen können. Gehnoch einmal hin und rufe ihn; sag’ ihm, wir möchten gern eine kleine Hütte haben, er tut es gewiss.“

„Ach“, sagte der Mann, „was sollt’ ich noch einmal hingehen?“

„Ei“, sagte die Frau, „du hattest ihn doch gefangen und hast ihn wieder schwimmen lassen, er tut es gewiss. Geh’ gleich. hin.“

Der Mann wollte noch nicht recht, wollte aber seiner Frau nicht zuwider sein und ging hin an die See. Als er dort ankam, war die See ganz grün und gelb und gar nicht mehr so klar. So stellte er sich hin und sagte:

„Manntje’ Manntje, Timpe Te,

Buttje’ Buttje in der See,

Meine Frau, die Ilsebill,

Will nicht so, wie ich gern will.“

Da kam der Fisch angeschwommen und sagte: „Na, was will sie denn?“

„Ach“, sagte der Mann, „ich hatte dich doch gefangen gehabt, und meine Frau sagt, ich hätte mir auch