: Peter Abrahams
: Blacked Out - Gefährliche Erinnerung Thriller
: dotbooks
: 9783989525887
: 1
: CHF 3.60
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 410
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wenn die Suche nach dem Täter im eigenen Spiegel beginnt ... Nick Petrov, Ex-Cop und Privatdetektiv, erwacht ohne Erinnerungen an die letzten zwei Wochen in einem Krankenhaus. Laut der Ärzte ist der Grund für seinen Gedächtnisschwund schnell geklärt: ein aggressiver Tumor und ein brutaler Übergriff, der ein Gehirntrauma auslöste. Doch Nick stellt die schwerwiegende Diagnose vor einen Abgrund aus Fragen: Wer ist sein Peiniger und was passierte während der verlorenen Zeit? Zurück in seiner Wohnung stößt er auf ein mysteriöses Foto auf dem er keinen einzigen der abgelichteten Menschen erkennt. Als Nick kurz darauf einen Dieb stellt, der eben dieses Foto entwenden will, und ihm dann auch noch aus anonymer Quelle eine horrende Geldsumme überwiesen wird, beginnt er zu ermitteln. Doch mit jedem neuen Fetzen der Erinnerung rückt ein Täter in den Fokus, der Nick nur allzu vertraut ist ... »Ein Thriller erster Klasse.« Publishers WeeklyUnvorhersehbar und hochspannend bis zum Ende: Ein fesselnder Pageturner des amerikanischen Bestsellerautors für die Fans von Michael Connelly und Mark Dawson

Peter Abrahams ist ein renommierter amerikanischer Autor zu dessen weltweiter Leserschaft auch Stephen King gehört, der ihn als seinen »liebsten amerikanischen Spannungsromanautor« bezeichnet. Einige seiner Werke wurden mit hochkarätigen Stars wie Robert De Niro für die große Leinwand adaptiert. Die Website des Autors: www.peterabrahams.com/peter-a rahams/ Bei dotbooks veröffentlichte der Autor seine Standalone-Thriller »Der Nachhilfelehrer«, »Der ideale Ehemann«, »Der Häftling«, »Das Wunschkind«, »Dear Wife«, »Blacked Out - Gefährliche Erinnerung«, »Missing Code - Verlorene Spur« und »Hard Rain - Schleier aus Angst«.

Kapitel 1


Nick Petrov wartete im Zeugenstand auf die nächste Frage. Der Verteidiger sah von seinen Notizen auf und richtete seinen – Millionen von Talkshow-Zuschauern bestens bekannten – skeptischen Blick auf Petrovs Gesicht. Die Augenbrauen des Verteidigers glichen denen Einsteins, er ähnelte ihm überhaupt, fand Petrov, nur hatte er einen besseren Haarschnitt. Das Parfüm der vorherigen Zeugin hing noch in der Luft.

»Tolle Karriere«, sagte der Verteidiger. »Nicht wahr, Mr. Petrov? Bisher.«

Einen besseren Haarschnitt und einen mieseren Charakter.

»Dazu kann ich nichts sagen«, erwiderte Petrov. Er befand sich jetzt seit achtundzwanzig Minuten im Zeugenstand, lange genug, um zu dem Schluss gelangt zu sein, dass nur eine der Geschworenen Anlass zur Sorge bot – eine Frau mittleren Alters in der hinteren Reihe, mit einer Schmetterlingsbrosche am Revers. Die übrigen elf Mienen sagten schuldig, wenigstens ihm; aber auf dem Gesicht dieser Frau, weich, hübsch, ungeschminkt, stand in Großbuchstaben BARMHERZIGKEIT. Der Angeklagte Ty Canning, der gerade seine Brille mit dem Ende seiner Krawatte polierte, hatte keine gezeigt.

»Aber Sie denken es«, sagte der Verteidiger. »Sie halten sich für das schärfste Werkzeug im Schuppen.«

»Ist das eine Frage?«, erkundigte sich Petrov.

»Aber sicher«, sagte der Verteidiger.

»Muss ich darauf antworten, Euer Ehren?«

»Der Zeuge wird die Frage beantworten«, wies die Richterin an.

»Ich bin eher so etwas wie ein Laubbläser«, sagte Petrov. Einige Leute lachten, aber nicht die Schmetterlingsfrau.

»Finden Sie das komisch?«, fragte der Verteidiger. Petrov schwieg, und der Verteidiger, vielleicht ein wenig aus dem Konzept geraten, verlangte keine Antwort. Er blätterte verärgert in seinen Notizen. Petrov, der gewohnheitsmäßig auf Kleinigkeiten achtete, bemerkte, dass seine Augen sich nicht bewegten, was bedeutete, dass er nicht las. Handelte es sich um eine theatralische Pause, oder hatte er den Faden verloren? »Euer Ehren«, bat der Verteidiger, »ich möchte, dass die Jury die letzte Frage und Antwort noch einmal hört.« Er hatte den Faden verloren; der selbstbewusste, aber unbegabtere jüngere Bruder, der niemals geboren worden war, um die Einstein’sche Familiendynamik zu stören. Petrov wartete auf eine Blöße.

»Frage«, rief der Gerichtsstenograph. »Was sagte der Gefangene auf dem Rückweg aus Mexiko? Antwort: ›Sie haben mich.‹«

»›Sie haben mich‹«, wandte sich der Verteidiger direkt an die Geschworenen. »Klingt eindeutig. Praktisch ein Geständnis.« Er wirbelte zu Petrov herum. »Aber in Ihrer Aussage vom 11. Juni geben Sie die Worte des Angeklagten folgendermaßen wieder: ›Wieso glauben Sie, dass ich es war?‹ Kein Schuldeingeständnis, eher die verletzte Reaktion eines Unschuldigen.« Er schwieg einen Moment. »Nun, angesichts der Tatsache, dass Sie unter Eid stehen, welche Ihrer Antworten sollen die Geschworenen glauben?«

Petrov spürte den Blick der Schmetterlingsfrau auf seinem Gesicht, er wusste, dass diese Floskel – die verletzte Reaktion eines Unschuldigen – tief in ihrem Inneren an etwas rührte. Die Geschworenen, die mittlerweile hellwach waren, lehnten sich erwartungsvoll nach vorn. »Beide«, sagte Petrov.

»Beide?« Jene Augenbrauen, so lebendig und beredt, hoben sich ungläubig. »Sind Sie sich darüber im Klaren, was mit Ihrer Zulassung geschieht, wenn Sie sich selbst der Falschaussage bezichtigen?«

»Durchaus«, sagte Petrov. Endlich erwiderte er den Blick des Anwalts. »Als ich die Aussage machte, wurde ich nur nach den ersten Worten des Angeklagten gefragt – ›Wieso glauben Sie, dass ich es war?‹. Die zweite Bemerkung – ›Sie haben mich‹ – machte er erst, nachdem ich ihm beschrieben hatte, welchen Spuren ich gefolgt war. Außerdem äußerte er sich noch ein drittes Mal, kurz bevor ich ihn auslieferte.«

Schweige