Kapitel 1
Übermütig riss Lilly die Balkontür auf und sprang mit ausgebreiteten Armen hinaus.
»Sonne, ich komme!«
Sie lehnte sich über die Brüstung und genoss das Kribbeln der warmen Sonne auf ihren nackten Armen. War das zu fassen? Sie trug ein T-Shirt und fror nicht. Ganz im Gegenteil, während in Deutschland schon der Herbst mit grauem Matsch und kaltem Regen eingezogen war, herrschte hier noch Sommer. Ja, sie musste sogar hoffen, dass es in Rom nicht allzu heiß wurde. Stadtbesichtigungen und Spaziergänge auf dem Forum Romanum waren bei mehr als 30 Grad im Schatten keine Freude.
Lächelnd schloss Lilly die Augen und atmete mehrmals tief ein. Wenn Hitze im September ihre größte Sorge wäre, sollte es ihr recht sein. Eigentlich war es ihr fast egal, welche Temperaturen sie in Rom erwarteten, Hauptsache, sie konnte in der schönsten Stadt der Welt sein.
Eine Weile genoss sie es, einfach auf dem Balkon zu stehen und ihren Blick über den Hotelgarten und die fernen Ausläufer der Alpen schweifen zu lassen. Das war vorläufig ihre letzte Tour nach Italien, die Saison war vorüber. Leider. In solchen Momenten fragte sie sich, ob ihre Entscheidung, an die Uni zu gehen und Eventmanagement zu studieren, richtig war. Die Touren im Winter in die Großstädte und Skigebiete waren zwar nicht ihre favorisierten Trips, aber sie würde sie sicherlich vermissen.
Umso mehr nahm sie sich vor, diese letzte Fahrt nach Rom in vollen Zügen zu genießen.
Lilly drückte sich von der Brüstung ab und verließ ihr einfach eingerichtetes Zimmer. Sie war kein Mensch, der länger als irgendwie nötig allein bleiben wollte. Und dann konnte sie das mit dem Genießen auch gleich in die Tat umsetzen. Energisch klopfte sie an der Tür des Nachbarzimmers.
Sie wartete, doch niemand öffnete. Wo war denn Jack abgeblieben? Der Busfahrer ihres Vertrauens joggte zwar morgens, doch er war nicht der Typ, der sich nach Stunden auf der Autobahn auf einen Spaziergang begab.
Sie verließ das Hotel nahe dem Örtchen Rovereto, in dem die Reisegruppen vonBest Travels schon seit Jahren einen Zwischenstopp einlegten. Draußen im Innenhof war es sogar noch wärmer, die Luft durchtränkt von schwerem Blütenduft. Unwillkürlich lächelte Lilly. Sie war ein Sommermensch, durch und durch.
Sie mied die Bar, denn dort würden vermutlich die ersten Reisegäste sitzen und einen Aperitivo trinken, während sie auf das Abendessen warteten. Stattdessen schlenderte sie durch einen mit violetten Glyzinien überwucherten Torbogen über den Parkplatz des Hotels. Ganz in der Ecke stand der Reisebus, umgeben von Oleanderbüschen. Als Lilly sich näherte, stellte sie fest, dass der Motor noch Wärme abstrahlte, und der vertraute Geruch von Diesel mischte sich mit den Gerüchen des Abendessens aus der Hotelküche. Und richtig, die Klappe zum Gepäckraum stand offen. Ein wohlgeformter Hintern reckte sich ihr entgegen, der Oberkörper des Mannes, dem er gehörte, steckte irgendwo zwischen Koffern und Reisetaschen.
Lautlos schlich Lilly heran. Jack bemerkte sie nicht, bis sie direkt hinter ihm stand und ihm mit dem Zeigefinger ganz sacht über den schmalen Streifen Haut zwischen Hosenbund und T-Shirt strich.
Jack fuhr zusammen und richtete sich auf, wobei er mit dem Kopf gegen die Klappe knallte. »Verdammt, Lilly! Du hast mich erschreckt!«
»Das hätte auch eine Mücke sein können.« Lilly grinste breit.
Jack zog eine schmerzverzerrte Grimasse und rieb sich den Hinterkopf. Seine Augen funkelten wütend. Plötzlich packte er Lilly grob an der Schulter und riss sie an sich. »Das wirst du mir büßen.« Er presste die Lippen auf ihren Mund und ließ seine Zunge vorschnellen.
»Das will ich doch hoffen.« Lilly lächelte unter seinem Kuss, während sie ihre Hände auf seinen Hintern legte und wie zuvor spielerisch über seinen Hosenbund gleiten ließ.
Jack drängte in ihren Mund, zog sie dabei noch näher und wanderte seinerseits mit den Händen über ihre Pobacken. »Du