Kapitel 01
-Victoria-
Ich stand an einem Baum in einem dunklen, nebligen Wald und wartete genervt auf den Mann, der uns etwas bringen sollte. Die dichten Bäume um mich herum schirmten das schwache Licht des späten Nachmittags ab und tauchten die Umgebung in ein geheimnisvolles Dämmerlicht.
Meine Cousine Blair stand an einem anderen Baum und beobachtete mich aufmerksam aus der Ferne. Sie hatte den Auftrag erhalten, mich zu beschatten, nachdem sie von ihren eigentlichen Aufgaben entbunden worden war, um mir zur Seite zu stehen. Als ob ich verschwinden würde, jetzt, wo ich endlich frei war. Frei von meiner nie endenden Qual, dank meiner Mutter, die mich aus meinem Leid erlöst hatte.
Ich erinnerte mich an die unzähligen Nächte, in denen ich wach lag, während die Dunkelheit draußen den Raum durchdrang. Es war, als wäre ich in einem endlosen Tunnel gefangen gewesen, ohne Aussicht auf Licht oder Erlösung.
Jetzt konnte ich endlich meiner wahren Natur nachgehen, ohne mir Gedanken darüber machen zu müssen, was andere dachten. Die Last meiner Vergangenheit war von mir genommen worden, und ich atmete tief durch, während ich an meine neue Freiheit dachte. Meine Erinnerungen waren wie ein schwaches, verschwommenes Bild, das nur noch gelegentlich durch meine Gedanken schimmerte. Es war besser, mich nicht zurückzuerinnern, denn sie hatte gesagt, es würde mich nur wieder verletzen. Noch einmal konnte sie mich nicht retten. Warum sollte ich mich an etwas erinnern wollen, das so schmerzhaft war, dass ich mich umbringen wollte?
Die schneidende Kälte der Brücke, der beängstigende Abgrund darunter, all das kam mir wieder in den Sinn. In einem letzten Moment, als ich schon das kalte, eisige Geländer losgelassen hatte, hatte sie meine Hand ergriffen und mich vor dem Tod bewahrt. Diese Erinnerung brannte sich tief in mein Gedächtnis ein, wie ein flüchtiger, aber lebendiger Lichtstrahl in der Dunkelheit. Das war eine der wenigen klaren Erinnerungen, die ich an die Vergangenheit habe. Im R