Jonas Poschinger war aus dem Bus gestiegen, der mit einiger Verspätung aus der Kreisstadt, in der er zur Schule ging, in seinem abgelegenen Heimatdorf angelangt war. Unterwegs hatte es so stark zu schneien begonnen, dass die Sicht weitgehend eingeschränkt war und sie nur sehr langsam vorwärtsgekommen waren.
Nun sanken nur noch vereinzelte Flocken vom Himmel, und Jonas ging die Dorfstraße entlang. Die Häuser waren hoch eingeschneit, Dachlawinen waren herabgestürzt und bildeten mit dem Schnee, den die Dorfbewohner bereits weggeschaufelt hatten, rechts und links Wälle. Es war eine stille, gedämpfte Welt, jeder Schritt wurde aufgesogen, kaum jemand ging vor die Tür.
Die Häuser waren schon adventlich geschmückt, dicke Kerzen in Gläsern standen in den Fenstern, die Simse waren mit Tannenreisig bedeckt, und an den Türen hingen weihnachtliche Kränze.
Während die anderen Kinder sich beeilten, nach Hause zu kommen, wo ihre Mütter schon auf sie warteten und sie sich an einen gedeckten Tisch setzen konnten, wurden Jonas’ Schritte immer zögerlicher. Schließlich bog er in einen kleinen Seitenweg kurz vor dem Dorfausgang ein, der halb eingeschneit war.
Wie immer, wenn Jonas das kleine Anwesen erblickte, in dem er mit seiner Familie wohnte, befiel ihn tiefe Niedergeschlagenheit. Es schien, als sei das kleine Gehöft mutwillig dem völligen Niedergang preisgegeben worden. Die einstigen Stallungen und die Wirtschaftsgebäude, die schon lange nicht mehr genutzt wurden, waren verfallen. Die Holzlatten der Scheune waren zersplittert und bogen sich teilweise nach außen, davor lagen verrostete landwirtschaftliche Geräte und ein altes Fahrrad herum.
Auch das Wohnhaus, aus dessen Schornstein sich ein dünner Rauchfaden schlängelte, sah verwahrlost aus. Die Fensterläden waren schadhaft, eine Scheibe im Obergeschoss war nachlässig mit einem Brett zugenagelt. Rechts und links von der Eingangstür waren Holzstöße aufgeschichtet, und es war zu hoffen, dass sie ausreichten, um das untere Stockwerk bis ins Frühjahr hinein zu beheizen.
Die kleine Wiese hinter dem Haus ging in Latschengestrüpp und schließlich in einen dunklen Bergwald über. Dahinter erhoben sich schroff die Felswände eines Gebirgsmassivs, das beide Seiten des Dorfs begrenzte. Heute hingen die Wolken tief herab, was noch dazu beitrug, die bedrückende Atmosphäre, die von dem Anwesen ausging, zu erhöhen.
Schon von Weitem hörte Jonas die streitenden Stimmen seiner Eltern. Offensichtlich war es seinem Vater zu viel gewesen, bei diesem Winterwetter aufzustehen und irgendeiner Arbeit nachzugehen. Auch seine Mutter, die gelegentlich in Lokalen in der Umgebung aushalf, schien heute zu Hause geblieben zu sein, was unweigerlich zu Streitigkeiten führte. Ver