: Trine Angelsen
: Verführerisches Spiel Der große Erfolg aus Skandinavien
: Adrian& Wimmelbuchverlag
: 9783985852840
: Die Geheimnisse von Engeløya
: 1
: CHF 0.90
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: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 114
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Norwegen | Insel Engeløya - Haus Breidablikk: Im Doktorhaus stehen große Veränderungen an: Truls geht auf den Lofoten angeln, während sowohl Bera als auch Dina sich auf ihre Konfirmation vorbereiten. Agnete setzt währenddessen alle daran, ihre Rivalin Marie aus dem Rennen um Gabriels Herz zu drängen, bevor dieser merkt, was vor sich geht. Bera gefällt jedoch überhaupt nicht, wie sich die Tochter des Amtsmannes im Haus des Arztes breitmacht. Ein Muss für alle Fans von Skandinavien, Familiensagas und großen Gefühlen.

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Engeløya, Dezember 1862

Bera ging zum Fenster und blickte in den Garten hinunter, drehte sich um und nahm den Weg durch den Salon ins Büro. Von dort hatte sie einen Blick auf die Vorderseite des Hauses und konnte sehen, wenn Gabriel zurückkam. Sie rückte einige Bücher zurecht, wippte ein wenig mit dem Stuhl und ließ ihn mit einem Knall zurückfallen. Da kam er!

Im Nu war sie im Flur und empfing ihn.

»Wie ist es gelaufen?«, erkundigte sie sich.

Er antwortete ihr zunächst nicht, sondern hängte seine Überbekleidung auf und eilte ins Büro. Dort begann er, in einem Regal nach einem Buch zu suchen. Aber Bera bemerkte, dass er nervös wirkte. Sein Blick folgte nicht den Bewegungen seiner Hände.

»Wie ist es gelaufen?«, wiederholte sie.

»Bera, ich möchte gerne eine Weile allein sein«, sagte er bestimmt und ließ das Regal in Ruhe. Einen Moment lang sah er sich um, als suche er nach einem Fluchtweg oder nach etwas zu tun.

»Ich werde gehen, sobald du es mir gesagt hast. Nicht früher.«

Er drehte sich zu ihr um, starrte mit einer tiefen Falte zwischen den Augenbrauen. Dann sank er hinter dem Schreibtisch auf seinen Stuhl und strich sich müde übers Gesicht. »Ich habe die Verlobung mit Marie gelöst.« Er schwieg einen Moment, holte Luft und sah sie wieder an. »Du erinnerst dich, dass du, als du die Patientenakten für mich ins Reine geschrieben hast, auch eine Schweigepflicht unterschrieben hast?«

Sie nickte.

»Ich vertraue darauf, dass du auch nicht über andere Angelegenheiten hier im Haus sprichst.«

»Ich verbreite keinen Klatsch«, antwortete sie gekränkt.

»Nein, ich weiß. Das hier wird mit der Zeit herauskommen, aber es soll nicht von uns ausgehen. Marie ist krank, aber ich sah keine Anzeichen von Diphtherie. Also hoffen wir, es geht vorübergeht, ohne dass es sich zu anderen Leiden entwickelt.«

»Die Arme.« Bera wandte sich ab, als ihre Augen sich mit Tränen füllten. Eine Weile stand sie zum Fenster gewandt, bis sie ihre Stimme wieder unter Kontrolle hatte. Vielleicht war alles in letzter Zeit zu viel gewesen; und sie deshalb Maries Krankheit so schwer nahm. Die meisten wurden ja wieder gesund, und wie Gabriel meinte, war es weder Diphtherie noch etwas anderes Ernstes. »Glaubst du, sie wird wieder gesund?«, fragte sie. Sie wusste, dass die Frage töricht war, denn wer konnte das s