Mir ist schrecklich warm in meiner Jeans. Wie bin ich nur auf die blöde Idee gekommen, auf der Reise eine lange Hose anzuziehen? Schon im Bus vom Flughafen hatte ich das Gefühl, dass alle Leute das viel zu blasse, sommersprossige Mädchen mit dem roten Kopf angucken!
Jetzt stehe ich vor der Haustür meiner Gastfamilie, auf der Mittelmeerinsel Malta. Anstatt gemütlich mit Oma und Opa, Mama und meinen kleinen Schwestern an der Ostsee Ferien zu machen, hat Papa in letzter Minute für mich Sprachferien organisiert. Und so werde ich nun schön vier Wochen lang bei irgendeinem entfernten Bekannten wohnen und Englisch lernen! Die Sache war ziemlich schnell entschieden, und so richtig Mitspracherecht hatte ich dabei gefühlt gar nicht.
In meiner Hosentasche piept es leise. Eine Nachricht von Mila:Bist du schon da? Wie sind deine Gastschwestern? Foto bitte! Ich stecke das Handy weg, gehe die drei Stufen vorm Haus hoch und recke mich zum Klingelknopf des schmalen Reihenhauses. Ich klingle und warte. Ziemlich lange.
»Hello?«, eine Stimme von drinnen, die nicht wirklich nach Gastschwester klingt.
»Hello«, meine Stimme, wie immer viel zu piepsig. Die Tür geht auf, und da steht ein Junge in meinem Alter.
»Hi«, sagt er, setzt sich die Kopfhörer wieder auf die Ohren und verschwindet ins Haus. Braune Augen, kurze Haare, ich hatte gar keine Zeit, ihn richtig anzusehen, da ist er schon wieder weg. Ich gehe hinein und bleibe im angenehm kühlen Flur stehen. Hinter mir fällt die Tür ins Schloss. Stille. Als ich ein Stück weitergehe, rattert mein Koffer über den hellen Fliesenboden. An der Wand sehe ich Familienfotos, was mir sehr stark das Gefühl gibt, ein ungewollter Eindringling in diesem Haus zu sein.
Was ist jetzt der nächste Schritt? Ich greife aus Reflex zum Handy in meiner Hosentasche, aber Mila kann mir jetzt genauso wenig helfen wie irgendjemand anderes.ICH kann mir nur helfen, sonst keiner. Aber … wo fange ich an? Wo bitte ist überhaupt die Familie hier? Genau in dem Moment klingelt mein Telefon, ich sehe Papas Nummer und – werde ganz sicher nicht drangehen. Er hat mir das hier eingebrockt, da kann ich ihn ruhig ein wenig zappeln lassen. Das Handy hallt im stillen Flur. Ich lasse es klingeln, bis …
»Hey! Liz? You arrived!«
Ich gucke mich um. Über mir auf der Treppe steht ein älterer Junge. Im Gegensatz zu dem von eben hat er sehr viel dunklere, etwas längere Haare. Er steht da in Shorts und T-Shirt und lächelt mit auffallend geraden, sehr weißen Zähnen. Dann springt er die paar Stufen herunter und nimmt mich in den Arm, als würden wir uns schon ewig kennen. »Hello, I am Jack!«, er redet auf Englisch weiter, und ich wundere mich, dass ich ihn verstehe. Dann war es wohl doch nicht umsonst, dass ich mich jahrelang durch englische Serien mit Untertiteln gequält habe. Und dass ich jed