Kapitel 1
Ich bin kein Vogel – noch nicht jedenfalls – und doch hat Dante mich in einen verfluchten Käfig gesperrt.
Ich klammere mich an die goldenen Stäbe meiner neuesten Unterkunft – ein Weinkeller, höher als mein zweistöckiges Haus in Tarelexo – und schreie Obszönitäten aus voller Kehle. Ich bin erstaunlich wortgewandt, was vulgäre Sprache angeht. Wenn man bedenkt, dass Sybille und Phoebus mich für die Sittsame halten. Die Kinnladen meiner besten Freunde würden herabfallen angesichts der Menge an Schmutz, die ich meinen Wärtern entgegengeschleudert habe, als ich aus meinem magisch verursachten Schlummer erwachte.
Und Lore … wie würde er über meinen Gebrauch von Schimpfwörtern knurren.
Was würde ich nicht dafür geben, ihn sich beschweren zu hören.
Was würde ich nicht dafür geben, ihn atmen zu hören.
Ich presse eine Hand auf meine Brust und massiere den schmerzenden Muskel darin. Der Schmerz zwischen meinen Rippen ist so scharf, dass er das dumpfe Pochen in meinem Hinterkopf übertönt, wo mein Schädel auf Fels und dann auf Knochen prallte.
Sobald ich meine Trauer in Wut verwandelt habe, umklammere ich die Stäbe meines Gefängnisses und beginne erneut zu toben, meine Schreie hallen wider von den Glasböden staubiger Jahrgänge, die sich an den Wänden dieses Obsidiankellers auftürmen.
Ich versuche mich zu erinnern, wie lange ich schon eingesperrt bin, aber alles, was mir einfällt, ist die Erinnerung daran, wie Dante mich den dunklen Tunnel hinunterstieß, auf eine weitere Obsidianwand zu, und Justus dort auf uns wartete – Soldaten und Aoife waren nirgends zu sehen.
Ich erinnere mich, wie ich meine Zähne in Dantes fleischiger Hand versenkte, was ihm ein befriedigendes Knurren entlockte, aber unglücklicherweise seinen Griff um meinen Hals verstärkte.
Ich erinnere mich, wie Justus mit dem Daumen über meine Lider fuhr und den Geruch von Kupfer in der dunklen Luft verteilte. Mein Magen rebellierte, als mein schwindender Blick den scharlachroten Blutstreifen auf der Fingerkuppe des Fae-Generals erfasste.
Kurz bevor mein Bewusstsein schwand, fragte ich mich, wie es möglich war, dass ein Fae, noch dazu ein Mann, Blutmagie wirken konnte – eine Macht, die den Shabbin-Frauen vorbehalten war.
„Hey, Fae“, rufe ich den Soldaten zu, die wie steinerne Galionsfiguren an den Wänden meines Gefängnisses verharren. „Wo, sagt mir, sind die verfluchte Ratte und ihr treuer Maulwurf hin? Graben sie noch mehr kleine Tunnel, um sich vor den Crows zu verstecken?“
Die vier uniformierten Wandgemälde tun weiterhin so, als wären sie eins mit dem Stein in ihrem Rücken.
Ja, vier. Anscheinend braucht es, obwohl ich unter Verschluss bin und in der Luft hänge, so viele reinblütige Männer, um mich am Entkommen zu hindern. Ich sollte mich wohl geschmeichelt fühlen, aber das tue ich nicht; ich bin wütend. Besonders da Stunden – Tage sogar – vergangen sind und weder Justus noch Dante es für nötig befunden haben, mir einen Besuch abzustatten.
Ich recke den Hals,