Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn
Und Jakob stand auf in der Nacht und nahm seine beiden Frauen und die beiden Mägde und seine elf Söhne und zog durch die Furt des Jabbok.
Er nahm sie und führte sie durch den Fluss, sodass hinüberkam, was er hatte. Jakob aber blieb allein zurück. Da rang einer mit ihm, bis die Morgenröte anbrach. Und als er sah, dass er ihn nicht übermochte, rührte er an das Gelenk seiner Hüfte, und das Gelenk der Hüfte Jakobs wurde über dem Ringen mit ihm verrenkt. Und er sprach: Lass mich gehen, denn die Morgenröte bricht an. Aber Jakob antwortete: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. Er sprach: Wie heißt du? Er antwortete: Jakob. Er sprach: Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel; denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast gewonnen. Und Jakob fragte ihn und sprach: Sage doch, wie heißt du? Er aber sprach: Warum fragst du, wie ich heiße? Und er segnete ihn daselbst. Und Jakob nannte die Stätte Pnuël: Denn ich habe Gott von Angesicht gesehen, und doch wurde mein Leben gerettet. Und als er an Pnuël vorüberkam, ging ihm die
Sonne auf; und er hinkte an seiner Hüfte.
1. Mose 32,23-32
In den Onlinemeldungen eines christlichen Medienmagazins las ich neulich die Meldung, dass Arno Backhaus mittlerweile fünfzig Jahre glücklich mit seiner Frau verheiratet ist. Fünfzig Jahre? Wow, eine lange Zeit. Die christliche Welt freut sich über so eine Nachricht ganz besonders. Wer will, kann auch Kommentare unter dem Artikel posten wie »Ihr seid so gesegnet« oder »Halleluja, der Herr ist treu«. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Nichts gegen Arno Backhaus und seine Ehe. Und auch von mir: Herzlichen Glückwunsch! Aber mich frustriert so etwas. Es stößt mich ab. Die Kommentare stoßen mich ab.
Sicher, vielleicht werden ja manche Menschen durch so ein Vorbild tief inspiriert, doch mich macht es – mit all meinem Versagen – eher traurig, solche Meldungen zu lesen. Warum wird so etwas überhaupt gepostet? Welcher Wert liegt darin? Es klingt doch ganz nach dem Motto: »Sieh dir dieses vorbildliche christliche Leben an. Sieh dir das Leben der Menschen an, die sich so treu Jesus hingeben. Das kannst du auch haben, wenn du nur fest an Jesus glaubst und die richtigen Prioritäten setzt. Wenn du ihm ganz echt und hingegeben folgst.« Und wie zur Bestätigung postet eine christliche Facebook-Freundin eine Meldung aus einem christlichen Onlinemagazin. Wieder Arno Backhaus mit seiner Frau. Darunter die Schlagzeile: »Der Glaube ist die tiefe Grundlage unserer Ehe«2. Vorbilder, die wir vorzeigen. Das Leben gelingt, wenn wir Gottes Maßstäbe in unserem Leben umsetzen. Und die frommen Aushängeschilder beweisen es. Ich halte mich da lieber an Paulus: »Darum, wer meint, er stehe, soll zusehen, dass er nicht falle« (1. Korinther 10,12).
Ich habe auch die richtigen Prioritäten gesetzt. Ich habe es zumindest versucht. Und dennoch gab es in meinem Leben viel Zerbruch und viele schwierige Wege. Zumindest in der zweiten Lebenshälfte.
Lange habe ich nicht gewusst, dass mir Bindungsängste zu schaffen machen. Als mir das in einer Therapie wie Schuppen von den Augen fiel, konnte ich endlich so manches schmerzhafte Erlebnis in meinem Leben besser einordnen.
Den unerkannten Ängsten zum Trotz gelang es mir dennoch, eine stabile Beziehung zu führen. Ich habe sogar geheirat