: Thomas Neumeier
: Die Toten von Oberbayern - oder: Tatzelwurm Kriminalroman
: dotbooks
: 9783989528581
: 1
: CHF 2.70
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 291
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein rätselhafter Todesfall vor unberührter Bergkulisse Die sommerliche Idylle in den bayerischen Alpen wird empfindlich getrübt, als in einem Gebirgspass an der Grenze zu Tirol zwei Männer verschwinden. Treibt zwischen den steilen Berghängen etwa der legendäre Tatzelwurm sein Unwesen? Davon jedenfalls ist eine junge Frau überzeugt, deren Freund dem Fabeltier zum Opfer gefallen sein soll. Als die erste Leiche gefunden wird, stehen Hauptkommissar Eduard Lachermeier und sein notorisch schlecht gelaunter Kollege Wankel vor einem Rätsel: Offenbar geht in den dunklen Bergwäldern tatsächlich ein gefährliches Raubtier um. Doch auch andere zwielichtige Gestalten streifen an der Landesgrenze umher. Das Ermittlerduo muss schnellstmöglich Licht ins Dunkel bringen, bevor noch mehr Menschen verschwinden?... Ein genauso spannender wie humorvoller Bayern-Krimi für alle Fans von Andreas Föhr und Lenz Koppelstätter.

Thomas Neumeier, geboren 1979 in Neumarkt, ist gelernter Bürokaufmann, Verwaltungswirt und Hobbywinzer. Die Schriftstellerei begleitet ihn seit seiner Kindheit. Ein Abendstudium hat ihn 2007 auf den Literaturbetrieb losgelassen. Die bevorzugten Genres des Autors sind gefühlsbetonte Spannungsromane und Krimis. Thomas Neumeier ist verheiratet und Familienvater. Bei dotbooks veröffentlichte der Autor seine Regiokrimis »Die Toten von Oberbayern« und »Mord im Altmühltal«.

Mittwoch


Eduard Lachermeier hasste seinen Wecker. An jedem Morgen fragte er sich, nachdem er ihn zum Schweigen gebracht hatte, einige Sekunden lang, warum er ein derart nervtötendes Gerät auf seinem Nachttisch stehen hatte. Nur zögerlich reifte dann stets die Erkenntnis in ihm, dass es einen Grund gab, weshalb er dem Ding tagtäglich erlaubte, ihn so unsanft aus dem Reich der Träume zu holen.

Seine Hand glitt zu Trudis Bettseite hinüber. Der weiche Bettüberzug und das sommerdünne Laken waren noch warm, doch Trudis Hintern war unauffindbar. Lachermeier schlug die Augen auf. Sonnengeschwängertes Morgenlicht fiel durch die Ritzen des nicht vollständig heruntergelassenen Rollos.

Irn nächsten Augenblick wurde die Schlafzimmertür aufgestoßen.

»Alles Gute zum Geburtstag, Papi!«, stieß Michaela aus und blies zum Sturmangriff auf das elterliche Ehebett.

Lachermeier grunzte und nahm seine Jüngste in Empfang, die ihm beide Wangen und dann seine übergroße Nase abschmatzte.

»Oh, wie ich dich lieb hab, Spätzchen«, brummte er in ihr Ohr und drückte sie an sich.

»Ich habe dich auch lieb, Papi«, erwiderte Michaela.

Mittlerweile waren auch Trudi und Martha im Zimmer, wie sich Lachermeier vergegenwärtigte. Martha beugte sich zu ihrem Vater hinab und küsste ihm die Stirn – die einzige noch freie Stelle, die nicht von den Haaren ihrer kleinen Schwester bedeckt war.

»Happy Birthday, Papa.«

»Danke, Schätzchen«, entgegnete Lachermeier und befreite seinen linken Arm aus Michaelas Umklammerung, um auch seine nicht immer pflegeleichte Teenagertochter zu sich zu holen.

Nun kam Trudi zu Wort: »Na, wie fühlst du dich, alter Mann?«

Michaela fuhr zu ihrer Mami herum, wobei sie Lachermeiers Nase mit ihrem Hinterkopf attackierte. »Papi ist doch nicht alt, Mami«, wies sie sie vorwurfsvoll zurecht.

»Da hast du absolut recht, Süße«, bestätigte Lachermeier.

»Mami hat einfach keine Ahnung von solchen Dingen.«

Ihr kleiner Nachzügler schmiegte sich daraufhin glücklich an seine Brust.

»Na, der Papi wird’s schon wissen«, meinte Trudi und holte die angebrachte Herzlichkeit nach, indem sie ihm die Glückwünsche zärtlich ins Ohr wisperte.

Lachermeier drückte seine drei Mädchen an sich und vergaß dabei sogar seinen inbrünstigen Hass auf den Wecker.

Nach der morgendlichen Rasur sah sich Lachermeier nach Jahren erstmals wieder veranlasst, sein Gesicht im Badezimmerspiegel nach Alterserscheinungen zu überprüfen. Vage Andeutungen von Krähenfußen, beidseitig ausgeprägte Lachfalten und geringfügige Ansätze von Grau in seinen dunklen Haaren, mehr war da noch nicht. Nun ja, fünfzig ist ja auch noch kein Alter, redete er sich beruhigend ins Gewissen.

Er legte seinen Nassrasierer beiseite, ließ seinen Bizeps spielen und kam zu dem Schluss, dass er sich vor keinem Fünfunddreißigjährigen zu verstecken brauchte. Aus Gründen, die er nicht näher hinterfragte, dachte er in dem Moment an die junge Staatsanwältin Großrausch, die ihm vergangenen Sonntag am Badestrand des Hödenauer Sees über den Weg gelaufen war.

An seinem Stammplatz am Esstisch in der Küche warteten eine Tasse duftender Kaffee und ein opulentes Stück Tiramisu auf ihn. Lachermeier war über den Anblick hocherfreut. Üblicherweise gab es neben Kaffee nur eine Schüssel Vollkornmüsli – Trudis täglicher Beitrag, ihn fit zu halten.

»Tiramisu am Morgen«, bemerkte er skeptisch. »Verstößt das nicht ziemlich grob gegen meinen Ernährungsplan?«