Tod
Sophie ist tot. Ich sitze im Zug zu ihrer Beerdigung. Die Welt um mich verschwindet hinter einer grinsenden Grimasse. Ich brauche ein Bier, um es auszuhalten. Ich spüre meinen Arm nicht, obwohl er dick umwickelt ist. Irgendwie ist es schon eigenartig. Sie war schneller. Dann beginne ich wieder zu weinen.
Mir gegenüber sitzt eine alte Frau. Sie strickt. Als sie mich so in Tränen versunken dasitzen sieht, legt sie ihre Beschäftigung zur Seite. „Was ist los?“ Ich überlege kurz, ob oder was meiner Geschichte ich ihr erzählen soll. „Meine Freundin hat sich umgebracht.“ Und ich fühle, ich lüge nicht. Die alte Frau setzt sich neben mich und nimmt mich in ihre Hände, worauf ich nur noch mehr weinen muss.
Sophie! Meine Freundin Sophie! Habe ich sie vergessen in all meinem großartigen Egoismus? Es ist über ein Jahr her, dass ich sie zuletzt gesehen habe, erlebt habe, bewundern durfte, Sophies Haare, ihre Hand, ihr Gesicht, ihre Lippen, die ich nicht ein einziges Mal geküsst habe. Ein Jahr ohne Sophie, ein verlorenes Jahr. Jetzt ist es aus. Ich fahre zu ihr in den Tod.
„Ich fahre zu meiner platonischen Liebe!“ Philipp lacht. Es ist vor einem Jahr und ich sitze gleich jetzt im Zug. Mein Ziel ist Innsbruck. Ich trinke Bier und lese ein Buch. Ganz einfach.
Irgendwann werde ich sie heiraten, denke ich vier Tage später, als ich wieder zurück nach Wien fahre. Sophies Gesicht in strahlender Erinnerung. Wir haben ein Kino besucht, wir haben viel geredet, ein langer Spaziergang, wie immer. Ich habe sogar in ihrem Zimmer geschlafen. Es ist aber nichts passiert. Dabei hätte so viel passieren können damals. Lange lag ich wach, und sie auch. Wir redeten jedoch nur. „Du?“, frage ich einmal. „Ja?“, erwidert Sophie neugierig. „Ach nichts“, meine ich dann, worauf ein langes Schweigen entsteht. Dabei hätte ich sie gerne gefragt, ob sie mich heiraten würde, was natürlich Unsinn war, aber vielleicht wäre alles anders gekommen, wer weiß.
Sophie hatte einen Freund, aber ich bin