EINS
An Ninas rechtem Knie knistert der Golf von Thailand. Bastian richtet sich auf und küsst sie, schmeckt erst Mango, dann Tabak, und sinkt wieder aufs Papier zurück, die Andamanensee im Rücken und die Ellenbogen im Nichts. Ninas Sommersprossen werden unsichtbar, ihre Wangen glänzend und rot. Das Duschen hätte sie sich sparen können. Im Hotelzimmer ist es noch genauso stickig wie vor einer halben Stunde. Nach vier Wochen ohne Nina hätte Bastian am liebsten gleich mit ihr geschlafen. Als sie endlich aus dem Bad kam, musste es darum schnell gehen, schneller jedenfalls, als sie die Landkarte vom Bett werfen konnte. Sie beugt sich zu ihm hinunter und atmet in sein Ohr, streift mit ihren nassen Haaren immer wieder seinen Hals. Anders als sonst versucht Nina nicht, den Orgasmus hinauszuzögern, sondern schläft mit ihm, wie sie Sport treibt, ergebnisorientiert, verbissen. Bastian will auf sie warten, kann sich aber nicht länger zurückhalten. Er greift ihr an den Po und verkrallt sich in die Karte, kommt dann mit einer Wucht, die ihn fast erschreckt. Nina legt eine Hand auf seine Brust und lächelt.
»Danke«, flüstert er.
»Schon gut.«
Sie stützt sich auf, um aus dem Bett zu steigen. Bastian hält sie noch einen Augenblick fest und merkt erst, als er loslässt, dass er mit seiner anderen Hand ganz Bangkok zerknüllt hat.
Kaum hat sich Nina ihr Duschhandtuch umgebunden, ist sie schon in Eile. Sie zieht die Karte vom Bett, faltet sie zusammen und streicht die Kanten glatt, damit sie wieder in den Plastikbeutel passt. Demonstrativ kehrt sie Bastian den Rücken zu, als sie den kleinen Beutel mit der Karte zurück in den großen Beutel mit den anderen Dokumenten legt und diesen dann mit einem Clip verschließt. Er hat sich oft genug über ihren Ordnungstick lustig gemacht. Ihre Packliste, deren neueste Version sie ihm regelmäßig per Mail zukommen ließ, hat er immer wieder um Posten wie Laminiergerät oder Pudelmütze ergänzt. Bastian muss jetzt nichts sagen. Während Nina mit vorwurfsvoller Hektik ins Bad eilt, liegt er noch immer regungslos im Bett, quer zur holzvertäfelten Wand und mit einem Bein am Boden. Das ist Kommentar genug. Sie kommt nur wenige Sekunden später mit leeren Händen zurück und öffnet das Fahrradschloss an ihrem Rucksack. Zuhause hatte sie ihre Kleidung platzsparend zusammengerollt und nach Farbe sortiert. Genauso akkurat packt Nina auch wieder aus. Sie klemmt sich nacheinander T-Shirts unters Kinn, mustert sich im Spiegel und faltet sie zu Rechtecken. Ein olivgrünes Top landet auf der Kommode, alles andere im Schrank.
Bastian muss grinsen. Morgen um diese Zeit sitzen sie bereits im Nachtzug nach Surat Thani.
»Gib’s zu: Jetzt ärgerst du dich, dass das Büge