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Drei Wochen später
Sie sind fast den ganzen Tag mit dem Zug gefahren. Nein, falsch. Mit vier Zügen! Und eigentlich sind sie die meiste Zeit nur umgestiegen. Also von einem Bahnsteig zum nächsten gerannt, um den Anschlusszug noch zu erwischen. Weil natürlich gleich der erste Zug Verspätung hatte. Voll der Stress!
Aber wahrscheinlich war es trotzdem schlau, dass sie nicht mit dem Auto gefahren sind. Weil sie da garantiert jetzt noch irgendwo im Stau stecken würden. Und morgen wahrscheinlich auch noch. Oder sie würden im Krankenhaus liegen, weil irgendein Vollidiot zu schnell gefahren ist und sie einen Unfall hatten.
So sind sie jetzt wenigstens schon mitten in den Alpen. Jedenfalls sind da um sie herum lauter Berge. Hohe Berge. Auf manchen liegt sogar noch Schnee!
»Fast da«, sagt Lucas Mutter. »Jetzt müssen wir nur noch mit dem Linienbus in das Bergdorf.«
Aber dann sitzen sie noch kaum im Bus, als Lucas Vater ihn plötzlich mit dem Ellbogen anstößt und behauptet, dass er noch eine Überraschung für ihn hätte. Etwas ganz Besonderes hätte er sich mit Lucas Mutter ausgedacht!
»Pass auf, Luca, wir beide fahren nur ein kleines Stück mit, dann steigen wir aus. Du und ich.«
»Hä?«, macht Luca und kapiert gar nichts.
»Ich fahre mit dem Bus weiter«, erklärt Lucas Mutter, »und Papa und du …«
»Ja?«, fragt Luca, als seine Mutter mitten im Satz aufhört zu reden. Er ahnt plötzlich, dass gleich etwas kommt, was ihm nicht gefallen wird.
»Wir laufen bis zu dem Bergdorf«, sagt sein Vater. »Ein echtes Männerabenteuer! Freust du dich? Ich freu mich, Junge, das wird bestimmt klasse, wenn wir dann heute Nacht im Schlafsack liegen und über uns die Sterne funkeln.«
»Was?«, ruft Luca so laut, dass sich ein paar andere Fahrgäste neugierig zu ihnen umdrehen. »Wieso liegen wir heute Nacht im Schlafsack und gucken uns die Sterne an? Ich denke, wir wohnen bei Tante Luzie!«
»Tun wir ja auch. Aber bis nach Dunkeltal hoch schaffen wir es heute nicht mehr. Deshalb übernachten wir draußen, unter freiem Himmel. Sonst wäre es ja auch gar kein richtiges Abenteuer.«
Und bevor Luca noch irgendwas erwidern kann, hält der Bus auch schon an. Der Busfahrer hilft ihnen, ihre Rucksäcke aus dem Gepäckkasten zu wuchten. Mit den Isomatten und den Schlafsäcken. Und mit dem Kochtopf und der Bratpfanne. Was sie ja angeblich alles nur mitgenommen hatten, falls sie mal eine kleine Wanderung machen würden. Genauso wie die Angelrute, die ihnen der Busfahrer jetzt noch in die Hand drückt.
Von wegen »kleine Wanderung«, haha! Jetzt ist die Sache ja wohl klar – Luca ist reingelegt worden. Von seinen eigenen Eltern! Das war alles von Anfang an so geplant. Das mit dem Draußenschlafen und der ganze Quatsch.
Typisch Eltern, denkt Luca, als ob sie nicht einfach sagen können, was sie vorhaben! Aber wahrscheinlich hatten sie Angst, dass sie dann mit ihm dis-ku-tie-ren müssten!
Stimmt ja auch! Dann hätte er ihnen nämlich gleich gesagt, dass sie sich ihre Idee mal ganz schnell wieder abschminken sollten.
Weil erAUFGARKEINENFALL