1. Kapitel
New York
25. Dezember 2010
Wäre das kitschige Keramikschaf im Souvenirladen nicht gewesen, hätte Sarah nie von Thornwood gehört, geschweige denn sich in ein Flugzeug nach Irland gesetzt, um dort Weihnachten zu verbringen.
„Hast du alles, was du brauchst?“, hatte Jack schließlich gefragt, nachdem er eine Stunde schweigend zugesehen hatte, wie sie ihre weltlichen Besitztümer zusammensammelte.
„Äh, ja, ich glaube, das ist alles“, sagte Sarah und schaute sich noch einmal in dem leeren Raum um, den sie zurücklassen würde. Die meisten ihrer Habseligkeiten waren bereits verpackt und verschickt worden und warteten nun in einem Schwebezustand in einem Lagerraum in Massachusetts. „Tja, jetzt kannst du dir wenigstens den Snooker-Tisch kaufen, den du immer haben wolltest“, fügte sie in dem Versuch an, fröhlich zu klingen, bereute die Worte aber, sobald sie ihren Mund verlassen hatten. „Es tut mir leid. Ich wollte nicht …“
„Ist schon gut.“ Er berührte sie sanft am Arm und schenkte ihr ein schiefes Lächeln. „Ich weiß auch nicht, was ich sagen soll, aber du musst mir nichts vorspielen, Sarah.“
Das Leichteste wäre gewesen, ihm in die Arme zu fallen und ihren Schmerz irgendwo zu vergraben, wo keiner von ihnen ihn finden würde. Aber das hatte sie bereits versucht, und zwei Jahre später funktionierte es immer noch nicht. Sie lebten in einem Haus voller unausgesprochener Bedürfnisse und erstickter Emotionen.
„Bist du sicher, dass du heute gehen willst? Ich meine, immerhin ist Weihnachten“, sagte er und nickte in Richtung des glanzlosen Baums, der optimistisch in der Ecke blinkte. „Du könntest bis zum neuen Jahr warten …“
„Was würde das für einen Unterschied machen? Wir würden das Unvermeidliche nur unnötig hinauszögern. Ich muss jetzt gehen, sonst werde ich es nie tun. Außerdem erwartet dich deine Familie für das großeNatale Zaparelli, also machst du dich besser auch auf den Weg.“
Er stieß einen langen, erschöpften Seufzer aus und steckte die Hände in die Hosentaschen. Sarah fragte sich verbittert, was ihn mehr störte: ihr Fehlen bei der Weihnachtsfeier der Zaparellis, oder dass er dieses Fehlen seiner Familie würde erklären müssen.
„Ich wünschte, es müsste nicht so sein.“ Jack verlagerte das Gewicht von einem Fuß auf den anderen. Er wusste nicht, wohin mit sich, und lehnte sich schließlich, wie ein ungewolltes Objekt in seiner Galerie, gegen die nächstbeste Wand.
„Komm schon, Jack. Ich muss meine ganze Kraft aufbringen, um das hier durchzuziehen. Bitte werde jetzt nicht emotional, sonst breche ich womöglich zusammen“, bat Sarah und griff nach ihrer Handtasche und dem Mantel.
„Okay, dann Abmarsch, junge Lady, und pass auf, dass dir die Tür nicht in den Rücken fällt. Besser?“, fragte er mit einem leichten Lächeln.
„Sehr viel besser.“ Sie umarmte ihn kurz, aber fest, dreh