Dad umarmte mich so fest, er brach mir beinahe die Rippen.
Ich konnte es immer noch nicht fassen.
Hunderte Schüler und Schülerinnen tummelten sich mit ihren Eltern im Eingangssaal von Olumo Haven. Sie unterhielten sich aufgeregt, es wimmelte von Schultaschen und Gesichtern, und auch die Luft roch danach. Ich atmete sie ein, ließ mir den seltsam vertrauten Geschmack auf der Zunge zergehen. Es war wie ein Déjà-vu. Ich wollte die verzierten Säulen berühren, meine Hände über die Wand und die leeren Ecken gleiten lassen, in denen einst Statuen standen.
Alles, um diesem lang verlorenen Gefühl ein Stück näher zu kommen.
Aber Dad hielt mich fest.
Nur die Kinder, die heute ihren ersten Tag in der Mittelstufe hatten, klebten an ihren Eltern wie Kletten.
Ich löste mich aus Dads Umarmung.
»Und du willst das auch ganz sicher durchziehen?«, flüsterte er.
»Ja, Dad!«
Seit Tagen führte er sich so seltsam auf, ständig schaute er verloren in der Gegend herum und schwieg.
Bevor ich noch etwas sagen konnte, wandte er sich ab.
Ich schaute ihm hinterher, überrascht von seinem plötzlichen Abgang.Das war’s dann wohl, dachte ich seufzend. Ich war allein, genau wie ich es gewollt hatte.
Die letzten drei Tage waren eine einzige Shoppingtour gewesen. Wir kauften alles, was ich für meine Zeit am Internat brauchte: Schulhefte, Waschzeug, schwarze Baumwollunterwäsche, schlichte braune Schuhe und die paar persönlichen Gegenstände, die man hier besitzen durfte. Uniform, Bettwäsche und alles andere wurden vom Internat gestellt.
»Handys bitte hier rein«, befahl eine stämmige Frau, die für das Gepäck zuständig war.
Mit einem dumpfen Schlag landete mein Handy in der Kiste. Damit war die letzte Verbindung zu meinen Eltern erloschen. Jedes Gefühl von Geborgenheit zerrann wie Sand zwischen meinen Fingern.
Bald kannst du sie anrufen, beruhigte ich mich. Eigentlich waren Handys verboten, aber Dad hatte ausgehandelt, dass ich meins an den Wochenenden von der Internatsleiterin zurückbekam.
Die Gepäckfrau sah meine Finger zittern. »Alles in Ordnung, Liebes?« Sie legte einen Stapel gebügelter grauer Uniformen auf die Theke. Auf ihrem Namensschild stand:Mrs. Abimbola – Internatsleitung.
Ich nickte.
»Heute ist dein erster Tag.« Sie lächelte – jedenfalls blitzten ihre Zähne auf, aber ihre Stirn regte sich nicht.
»Ja«, antwortete ich.
»Für dich immer noch ›Ja, Ma‹«, korrigierte sie mich und durchwühlte meine Sachen.
»Die hier ist nicht erlaubt.« Sie hielt meine Jogginghose hoch. »Sie verstößt gegen die Schulordnung. Ist das de