Es war eine Unruhe im Haus, wie am Tag vor einer Hochzeit oder einer Kindstaufe. Die beiden Männer waren in die Brauerei geflüchtet, weil sie nicht dauernd über Putzeimer, Staubsauger und aufgerollte Teppiche stolpern wollten. Die Fenster in der Halle im Erdgeschoss standen sperrangelweit offen, und mittendrin in dem Chaos stand Angelika und dirigierte die Putzkolonnen: das Hausmädchen, die Köchin und zwei Arbeiterinnen aus der Brauerei, die Angelika für den Großreinemachtag ihrem Vater abgeschwatzt hatte.
Roberta Meisinger, Angelikas Mutter, beteiligte sich nicht an der Putzerei. Von Zeit zu Zeit kam sie aus ihrem Zimmer im ersten Stock, um nachzusehen, ob das Wüten der dienstbaren Geister beendet war.
Sie blieb auf der breiten Treppe, die in den Oberstock führte, stehen und betrachtete kopfschüttelnd, aber auch lächelnd das Durcheinander.
»Jetzt sag bloß, Kind, was in dich gefahren ist? Veranstaltest du das ganze Theater wegen dem Prinzregenten oder wegen deiner Freundin Gretel?«
»In Bayern gibt’s keinen Prinzregenten mehr«, antwortete ihre Tochter. Sie trug ausgewaschene Jeans und eine ebenso verwaschene Bluse, was ihren Bruder Hannes schon beim gemeinsamen Frühstück zu der Bemerkung veranlasst hatte: »Wenn ein Mann dich so sieht, geht er lieber nach Altötting zum Wallfahren als mit dir an den Traualtar.«
»Ich brauch keinen Mann«, lautete Angelikas schnippische Antwort. »Mir langen schon du und der Papa. Ihr zwei habt mir die Gedanken an eine Heirat gründlich ausgetrieben.«
Josef Meisinger lächelte, wie er eigentlich meistens lächelte, wenn seine heiß geliebte Angelika etwas sagte.
Er war in jeder Beziehung ein typischer Brauereibesitzer, groß, fast gewaltig, mit einem mächtigen Bauch und einem roten Gesicht, aus dem zwei vergnügte Augen lachten.
Seine Kinder, die dreiundzwanzigjährige Angelika und der sechsundzwanzig Jahre alte Hannes, sahen sich so ähnlich wie ein Ei dem anderen. Sie kamen auf die Mutter, die immer noch, obwohl sie die Fünfzig überschritten hatte, eine gut aussehende Frau war.
Hanne