: Sven Rühl
: Ich bin Chris! Roman
: R.G. Fischer Verlag
: 9783830193975
: 1
: CHF 14.40
:
: Erzählende Literatur
: German
: 234
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wie findet man den Mut, man selbst zu sein? Chris fühlt sich gefangen - in den Erwartungen anderer, in den Ängsten, die ihn nachts wachhalten, und in einer Welt, die ihn nicht so akzeptiert, wie er ist. Auf einer Party begegnet er Tobi, einem Jungen, der etwas in ihm verändert. Zum ersten Mal fühlt sich alles leicht an. Doch die Dämonen der Vergangenheit lassen sich nicht so einfach abschütteln. Während Chris mit seinen Gefühlen kämpft, zieht ihn die falsche Freundschaft mit Tom immer tiefer in einen Strudel aus Selbstzweifeln und Drogen. Zwischen dem Wunsch nach Zugehörigkeit und der Angst vor Ablehnung beginnt für Chris eine Reise - eine, die ihn zu sich selbst führen könnte. Doch wie viel Schmerz muss er ertragen, bevor er endlich den Mut findet, für sich einzustehen? Eine Geschichte über Liebe, Freundschaft, Selbstfindung - Mobbing und Outing.

Kapitel 2: Kiffen


Jenny und ich saßen im Mathekurs wie immer nebeneinander. Jenny war gut in Mathe, ich hingegen hasste es. Zahlen hatten für mich etwas Unberechenbares, etwas Kaltes. Ich konnte nie einen Zugang zu ihnen finden. Sie hatte diese unglaubliche Fähigkeit, andere zu motivieren, selbst, wenn sie selbst am Verzweifeln war. Mathe war ihr Lieblingsfach, und sie sah es als Herausforderung, mir zu helfen, obwohl sie wusste, dass ich Zahlen hasste. Ich bewunderte ihre Geduld, ihren Optimismus und wie sehr sie sich bemühte, mich nicht aufzugeben, selbst wenn ich mich in meinen eigenen Gedanken verlor. Sie redete schon die ganze Zeit von der nächsten Klausur, die wir nächste Woche schreiben würden.

»Du musst einfach mehr üben, Chris«, flüsterte sie und stupste mich an. »Ich helfe dir auch dabei. Wir schaffen das!«

»Schon klar«, murmelte ich und kritzelte mit meinem Stift irgendwelche Strichmännchen in mein Heft. Ehrlich gesagt war Mathe das geringste meiner Probleme. Der Unterricht zog sich dahin, bis Jenny sich plötzlich zu mir beugte und grinsend flüsterte: »Hast du den Neuen gesehen?«

»Wen?«, fragte ich desinteressiert.

Sie deutete mit einem Nicken nach hinten. Ich drehte mich leicht um und sah ihn. Da saß er: groß, blond, blaue Augen, kurze Haare, ein breites, ansteckendes Lächeln und legere Kleidung. Seine Arme ließen erahnen, dass er regelmäßig Sport machte. Es war schwer, ihnnicht anzusehen.

»Du meinst ihn?«, flüsterte ich.

Jenny grinste noch breiter. »Ja, genau den. Tom heißt er, glaube ich. Er ist mir in den letzten Tagen aufgefallen. Sieht echt nicht schlecht aus. Findest du nicht auch?«

Bevor ich antworten konnte, setzte sich Lisa, Jennys beste Freundin, zu uns. »Worüber tuschelt ihr beiden denn da?« »Über Tom«, sagte Jenny und grinste mich schelmisch an. Lisa lachte. »Der sieht schon gut aus, oder? Und ist total freundlich. Gestern hat er einem Typen aus der Oberstufe geholfen, der seine Bücher fallen gelassen hat.« Sie schaute mich neugierig an. »Was sagst du, Chris? Findest du ihn auch nett?«

Mein Herz begann schneller zu schlagen. »Ich … keine Ahnung. Ich kenne ihn doch gar nicht.« Ich blickte wieder nach vorne, fühlte aber Jennys und Lisas Blicke auf mir.

Jenny stupste mich an. »Du bist ja ganz rot, Chris. Na los, gib’s zu: Du findest ihn