KAPITEL 2
Hallie
»Und du weißt noch, wo die Waschküche ist?«
»Wren.« Ich kichere. »Es ist erst ein paar Monate her, dass ich an deinem Haus gearbeitet habe. Natürlich weiß ich noch, wo die Waschküche ist.«
»Du hast recht. Ich weiß selbst nicht, weshalb ich mich so komisch benehme. Ich habe nur irgendwie echt lange mit niemandem mehr zusammengewohnt und möchte ganz sicher sein, dass du dich wohlfühlst.«
Wenn sie meine alte Wohnung sehen würde, würde sie sich keinen Kopf darum machen. Schon bevor es renoviert wurde, wäre dieses Haus ein Riesenfortschritt gegenüber meiner vorherigen Bleibe gewesen, und jetzt nach der Renovierung … Tja, für so eine schöne Bleibe berechnet mir Wrens Bruder viel zu wenig Miete.
»Fühlstdu dich denn wohl mit der Sache?«, frage ich und lege meinen Seesack auf mein neues Bett. »Ich weiß ja, dass du keinen Mitbewohner brauchst und wahrscheinlich auch eigentlich gar keinen willst. Also wenn es dich stört …«
»Ich freue mich, dass du hier bist. Ganz ehrlich. Es wird bestimmt super.«
Dankbar lächle ich sie an und mache mich daran, meine Sachen auszupacken. »Das glaube ich auch. Und falls wir uns doch am Ende hassen sollten, ist es wenigstens nur vorübergehend. Ab Mai kannst du vergessen, dass es mich je gab.«
Sie lacht. »Ich glaube nicht, dass das passieren wird. Und außerdem will ich unbedingt Tyler Braden kennenlernen, also werde ich im schlimmsten Fall einfach so tun, als würde ich dich weiterhin mögen.«
»Das passt. Ich habe das Gefühl, du wirst die allerbeste Fake-Freundin und Mitbewohnerin sein, die ich je hatte.«
In Wirklichkeit ist absolut nichts an Wren fake, sie ist durch und durch liebenswürdig und fürsorglich. Den Handwerkern, die den Sommer über am Haus gearbeitet haben, hat sie stets Kaffee und selbst gemachte Desserts hingestellt. Und wenn mein Auto mal wieder nicht wollte, hat sie mir immer angeboten, mich zu fahren – was mir anfangs peinlich war, weil ich zwar für eine Luxus-Innenausstattungsmarke arbeite, aber mein schrottiger Wagen ganz sicher nicht nach Extravaganz und Stil aussieht. Und als sie von meinem Zweitjob erfahren hat, den ich brauche, um über die Runden zu kommen, hat sie mir ein Zimmer zur Miete angeboten, viel günstiger als meine Bude in der Innenstadt.
Im Laufe der Monate haben wir übereinander erfahren, dass wir beide Brüder haben – sie drei, ich einen. Wir haben uns darüber ausgetauscht, dass wir beide Zugezogene sind – sie stammt von der Westküste, ich von der Ostküste beziehungsweise aus einem anderen Teil des Mittleren Westens, je nach Perspektive. Und wir haben schnell gelernt, dass wir beide so beschäftigt sind – sie mit der Uni, ich mit der Arbeit – , dass wir wahrscheinlich nicht viel voneinander mitbekommen werden.
Also nein, an unserer Freundschaft ist nichts fake. Und außerdem stärkt es mein Selbstvertrauen, dass ich mit 25 in einer neuen Stadt eine neue Freundin gefunden habe. Früher ging das immer schnell, aber als Erwachsene, so musste ich feststellen, ist es nicht mehr ganz so einfach.
Allerdings möchte Wren nach ihrem Abschluss zurück in ihre Heimatstadt ziehen, während ich vorhabe, langfristig in Chicago zu bleiben, und ich hoffe, dass sie einfach nur die erste in einer langen Reihe neuer Freundschaften ist, die ich hier schließen werde.
»Sag mal, hat sich mein Nachbar eigentlich schon an die Firma gewandt, um dich für einen Auftrag anzufragen?«, fragt sie.
»Hat er! Vielen Dank für die Empfehlung. Ich brauche nämlich noch ein großes Projek