»Willst du einen Schnaps?«
In Henriks Stimme schwangen gleichermaßen Bosheit und Erwartung mit. August hob den Blick von der Erdbeertorte, die er gerade dekorierte, und sah seinen besten Freund an. Es war kurz vor 17 Uhr, und draußen herrschten über 25 Grad.
»Ich nehme gerne später in der Bootshütte einen Schnaps, bevor die Gäste kommen«, erwiderte er. »Im Moment hätte ich am liebsten bloß Wasser. Es ist so verdammt heiß.«
Henrik grinste.
»Entschuldige bitte, aber ich weiß eben nicht, wie das hier funktioniert«, sagte er. »Ich war schließlich noch nie in meinem Leben auf einem richtigen Krebsfest.«
»Ich meine mich zu erinnern, dass wir zwei zusammen auf mindestens einem Dutzend Krebsfeste waren«, entgegnete August.
Henrik schüttelte den Kopf.
»Das war doch nur Trockenschwimmen«, widersprach er. »In Stockholm gibt es keine richtigen Krebsfeste. Die feiert man nur hier, wo es auch richtige Krebse gibt.«
August lächelte.
Nur wenige Menschen waren von seinem Umzug an die Westküste so betroffen gewesen wie Henrik, der immer noch in Stockholm wohnte. Zwei Jahre waren vergangen, seit August seine Arbeit in der Finanzbranche in der königlichen Hauptstadt verlassen hatte, um sich den Traum zu verwirklichen, in Kungshamn einen Secondhandladen zu eröffnen – nur drei Kilometer entfernt vonHovenäset, wo er sich niedergelassen hatte. Die Kindheitserinnerungen aus der Zeit, als seine Großeltern ein Sommerhaus aufHovenäset besaßen, hatten ihn darauf gebracht, ausgerechnet diesen Ort für sein neues Leben auszusuchen. Und dann hatte sich alles atemberaubend schnell ergeben. Er hatte sogar wenige Wochen nach dem Umzug die große Liebe seines Lebens getroffen.
Maria.
Sie wohnten in einem charmanten Haus an der romantischsten Adresse des Universums: dem Kärleksvägen. Und viel besser als Liebe am »Liebesweg«, das ging gar nicht. Im Februar waren sie Eltern eines kleinen Mädchens geworden, und seither befand sich August in einer Art Glücksblase.
Er war verliebt, und er war Vater. Und er hatte einen Freund, der in Stockholm wohnte und ihn sooft er konnte im Paradies besuchte.
»Es freut mich wirklich, dass du das Krebsfest als etwas Einzigartiges betrachtest«, sagte August und wandte seine Aufmerksamkeit der Tochter Sofia zu, die auf der anderen Seite der Kücheninsel in einem Kinderstuhl saß.
Das Größte, was ihm geschehen war. Das Wichtigste und das Schönste. Und das, was das Leben am meisten umgewälzt hatte. Nach dem Tod seiner Eltern war die Sehnsucht nach Kindern wie aus dem Nichts aufgetaucht und hatte ihn dann mit voller Kraft umgehauen, als er sich später in Maria verliebte. Sie war früher schwanger geworden, als sie geplant hatten – wahrscheinlich, weil sie überhaupt nichts geplant hatten –, doch als die Schwangerschaft Tatsache war, hatte keiner von ihnen auch nur einen Gedanken darauf verschwendet, sie abzubrechen.
Sofia beobachtete alle Bewegungen von August mit konzentriertem Blick.
»Es ist unglaublich, was für einen wählerischen Patenonkel du hast«, sagte er mit sanfter Stimme. Auf dem runden Gesicht von Sofia zeigte sich ein breites, fast zahnloses Lächeln.
»Uhhhhh«, sagte sie.
»Uhhhhh«, echote August. »Hörst du, Henr