: Ruth Kvarnström-Jones
: Stockholm - Freundinnen im Kaufhaus der Träume Roman
: Blanvalet Verlag
: 9783641324193
: Die Stockholm-Saga
: 1
: CHF 10.80
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 576
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Stockholms prächtigstes Kaufhaus und eine Gruppe mutiger Frauen, die gemeinsam einen Weg durch dramatische Zeiten finden ...

1912: Stockholm ist eine Stadt im Aufschwung, mitten im Zentrum an der Hamngatan wurde soeben das prunkvollste Kaufhaus Nordeuropas errichtet. Märtas Freude über ihre dortige Anstellung wird getrübt, als ihr deutscher Verlobter inmitten der aufziehenden Kriegswirren nach Hause zurückkehren muss, um seinem Land zu dienen. Doch sie gibt die Hoffnung nicht auf: Denn in der Nordiska Kompaniet, dem Kaufhaus der Träume, findet sie neue Freundinnen, die alle ihre eigenen Geheimnisse mit sich herumtragen. Gemeinsam trotzen sie so manchem Sturm – und führen das Kaufhaus zu glänzenden Erfolgen…
Lesen Sie auch »Stockholm – Die fabelhaften Frauen des Grand Hôtel«, Gewinner des begehrten schwedischen Feelgood-Awards.

R th Kvarnström-Jones ist im Vereinigten Königreich geboren und aufgewachsen, lebt aber seit vierzig Jahren in Stockholm. Die Stadt und ihre berühmten Gebäude faszinieren sie bereits seit ihrer Jugend. Viele Jahre später, nachdem sie als eine von nur fünfzehn Student*innen für den renommierten Schreibkurs von Curtis Brown Creative ausgewählt wurde, war die Zeit reif für eine Romanreihe. Nach »Stockholm – Die fabelhaften Frauen des Grand Hôtel« ist »Stockholm – Freundinnen im Kaufhaus der Träume« ihr zweiter Roman bei Blanvalet.

Kapitel vier

Märta putzte sich die vom Staub verstopfte Nase und stieg die Treppe in den zweiten Stock des Hauses Sibyllegatan 21 hinauf. Vor der Tür mit der Aufschrift»Nyblaeus« blieb sie stehen, denn hier wohnte Toruns Schwester Ottilia mit ihrer Familie. Vor zehn Jahren hatten sich Ottilia, Torun, Beda und Märta zusammen mit Karolina, dem fünften Mitglied ihrer Bande, mit vereinten Kräften gegen die unter Mitarbeitern und Gästen des Grand Hôtel, ihres damaligen Arbeitgebers, gleichermaßen verbreitete Frauenfeindlichkeit zur Wehr gesetzt. Und dank der Unterstützung und des Einsatzes vonseiten der Hoteldirektorin Wilhelmina Skogh hatte man in dieser Hinsicht einige Fortschritte erzielt.

Nach einer Weile hatten Märta und Torun ihre Stelle dort aufgegeben und sich einen anderen Wirkungskreis gesucht, während Frau Skogh inzwischen ein Restaurant auf der nahe gelegenen Insel Lidingö betrieb. Doch Ottilia, Beda und Karolina hatten beschlossen, im Hotel zu bleiben. Ottilia, dieälteste der vier Ekman-Schwestern und zweifellos die eleganteste, bekleidete inzwischen die gehobene Position einer Leiterin des Grand Royal und des berühmten Wintergartens. Ihr Mann Fredrik war als Bankettleiter tätig, und so sorgte der freundschaftliche Wettstreit zwischen den beiden dafür, dass das Grand Hôtel in Stockholm auch weiterhin als erste Adresse galt, ob es nun um hochwertige Gastronomie oder das Ausrichten prunkvoller Veranstaltungen ging. Der Freundschaft der fünf Frauen hatten all diese Veränderungen nichts anhaben können.

Wie immer freute Märta sich darauf, einen Nachmittag mit ihren guten Freundinnen zu verbringen. Eigentlich war Blanch’s Café schon seit vielen Jahren ihr Stammlokal. Doch seit Ottilia und Karolina verheiratet und Mütter kleiner Kinder waren, versammelten sie sich in der Sibyllegatan, und zwar deshalb, weil die Familie Nyblaeus die größte Wohnung hatte. Außerdem wäre Blanch’s Café heute ohnehin kein geeigneter Treffpunkt gewesen. Seit fünf Tagen schon plagten die dichten Staubwolken von der Abrissstelle das gesamte Stadtzentrum. Angeblich konnte man durch die Fenster der anliegenden Häuser das Tageslicht nicht mehr sehen. Das hatte Märta zumindest irgendwo aufgeschnappt. Nachdem sie sich noch einmal kräftig die Nase geputzt hatte, drückte sie auf den Klingelknopf.

Ein Mädchen mit hübschem Elfengesichtöffnete die Tür.»Tante Märta!«

»Hallo, Isabella. Bin ich die Letzte?«

Ottilias Stieftochter Isabella grinste, denn diese Frage hatte sie schonöfter gehört.»Wie immer.« Verlegenheit malte sich auf ihr Gesicht, als befürchte sie, zu keck gewesen zu sein.»Aber du hast ja auch den weitesten Weg.«

Märta lachte leise auf.»Kungsholmen ist nicht am anderen Ende der Welt.«

Isabellas Miene erhellte sich.»Ist es nicht scheußlich draußen? Mamma will, dass wir so wenig wie möglich rausgehen.«

Märta grinste. Es war wieder einmal typisch Ottilia, ihre Kinder vor allem schützen zu wollen, was ihrem Wohlbefinden auch nur im Entferntesten gefährlich zu werden drohte.»Da hat deine Mamma ganz recht. Ich bin nur von Strandvägen hierher zu Fuß gegangen und habe schon den Hals voller Staub. Die Fenster der Straßenbahn waren ganz schmutzig. Wenn der Schaffner nicht die Haltestellen ausgerufen hätte, wäre ich wahrscheinlich auf der Insel Djurgården gelandet.«

Sie folgte Isabella den Flur entlang zum Wohnzimmer, wo Stimmengewirr ihr verriet, dass die Feier von Philip Nyblaeus’ erstem Geburtstag – wenn auch mit zwei Tagen Verspätung – bereits angefangen hatte.

Ottilia stand auf, um Märta zu begrüßen.

Diese küsste sie auf beide Wangen.»Wilhelm lässt sich entschuldigen. Er ist mit Halsschmerzen aufgewacht. Schwer festzustellen, ob es an dem verdammten Staub oder an einer aufziehenden Erkältung liegt. Aber er wollte nicht riskieren, die Kinder anzustecken.«

Beda winkte ihr von der anderen Seite des Zimmers aus zu.»Verzeih uns, dass wir sitzen bleiben, aber wir haben die Hände voll.«

Der kleine Philip kuschelte sich auf Bedas Schoß, während Torun ihre liebe Not hatte, zu verhindern, dass Julian, Karolinas Sohn und gerade ebenfalls ein Jahr alt geworden, sich am Couchtisch hochzog und herunterkippte.»Der kleine Kerl fängt sicher bald zu laufen an. Seine Beinchen scheinen schon recht kräftig zu sein.«

Karolina errötete stolz.»Ich kann ihn keine Sekunde aus den Augen lassen. Er stellt sich hin, und dannplumps! Heute Morgen hat er sich schon siebenmal den Kopf gestoßen.«

»Es scheint ihm nicht geschadet zu haben«, erwiderte Märta undüberreichte beiden Babys ihr Geschenk. Beda und Torun halfen dabei, eine Blecheisenbahn für Philip und ein Blechauto für Julian auszupacken. Beide Jungen lächelten so breit, dass ihre Zähne blitzten. Torun und Beda setzten sie auf den Boden, damit sie spielen konnten.

»Wie ich zugeben muss, erleichtert es die Sache beträchtlich, dass ihr die zwei in derselben Woche bekommen habt. So ist es einfacher, gerecht zu sein«, stellte Märta fest.»Und hier ist etwas für mein Lieblingsmädchen.« Sie griff in die Tasche und holte ein kleines Päckchen für Isabella heraus.

Die Augen der Kleinen leuchteten, als sie das dunkelrote Seidenband durch die Finger gleiten ließ.»Danke. Es ist wunderschön.« Sie gab das Band an Ottilia weiter.»Mamma?«

Ottilia fasste links und rechts zwei Strähnen von Isabellas kastanienbraunem Haar zusammen und band es am Hinterkopf mit einer Schleife zusammen.»Sehr hübsch. Du verwöhnst unsere Kinder.«

»Für eine Tante ehrenhalber gehört sich das auch so«, verkündete Beda.»Man kann sie verwöhnen, und dann gibt man sie wieder zurück.«

Torun und Märta stimmten lautstark zu.

Ottilia bemühte sich zwar um eine missbilligende Miene, konnte sich aber ein Lachen nicht verkneifen. Dann wies sie auf die Anrichte, wo ein verlockendes Büfett aus Sahnetorten, Teekuchen und gezuckerten Plätzchen neben einer