Umfragen bedeuteten nichts, versuchte er sich zu beruhigen. Er hämmerte es sich in den Schädel und sagte es sich laut vor dem Spiegel vor: »Umfragen bedeuten nichts! Jeder weiß das!«
Aber er konnte sich selbst nicht überzeugen. Sie machten ihn nervös, diese verdammten Umfragen, die seit zehn Tagen in den Keller gegangen waren wie Aktienkurse an einem schwarzen Freitag. Bei 16 Prozent hatten sie schon gelegen! Sensationelle 16 Prozent, die niemand der kleinen Partei zugetraut hätte und die klar eine Regierungsbeteiligung verhießen. Die großen Parteien begannen zu schwitzen. Siegessicher war der Spitzenkandidat der FSDU durch die Lande gereist, hatte eine Kundgebung nach der anderen bravourös bewältigt, und das alles, weil seine Strategie aufgegangen war. Er war es, der diesen Kandidaten aufgebaut hatte. Er hatte die Mosaiksteinchen des Kandidaten-Images zusammengefügt zu einem Gesamtkunstwerk: Mann in den besten Jahren, gut aussehend, staatsmännisch, korrekt gekleidet, ohne bieder zu wirken. Mit attraktiver Ehefrau; immer noch die erste. Keine Affären. Weltmännisch und doch mit liebenswerter Familie im trauten Heim. Erfolgreich und entscheidungsfreudig, gleichzeitig kumpelhaft locker und sportlich. Erfahren und seriös und doch jung geblieben. Am Puls der Zeit, was durch die Tochter symbolisiert wurde. D