: James Islington
: The will of the many Ausgabe ebook
: Adrian& Wimmelbuchverlag
: 9783985852932
: Hierarchy Reihe
: 1
: CHF 8.90
:
: Fantasy
: German
: 792
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
AUDI. VIDE. TACE. Die Catenische Republik - die Hierarchie - mag die Welt regieren, aber sie weiß nicht alles. Ich lasse sie glauben, mein Name sei Vis Telimus. Ich lasse sie glauben, ich sei nach einem tragischen Unfall vor drei Jahren verwaist und nur durch reines Glu?ck an ihrer angesehensten  Schule angenommen worden. Ich lasse sie glauben, ich wu?rde nach meinem Abschluss bereitwillig der zivilisierten Gesellschaft beitreten und meinen Willen abgeben, wie es bereits Millionen vor mir getan haben.  Ich lasse sie glauben, ich gehöre dazu - und sie glauben mir. Doch die Wahrheit ist, ich wurde auf die Akademie geschickt, um Antworten zu finden. Um einen Mord aufzuklären. Um nach einer uralten Waffe zu suchen. Um Geheimnisse zu enthu?llen, welche die Republik auseinanderreißen könnten. Und ich werde meinen Willen niemals an das Imperium abtreten, das meine Familie hingerichtet hat. Um zu u?berleben, muss ich in den Rängen der Akademie aufsteigen. Ich muss lächeln, Freundschaften schließen, vorgeben, einer von ihnen zu sein - und gewinnen. Denn wenn ich das nicht schaffe, werden diejenigen, die mich kontrollieren wollen und meinen wahren Namen kennen, keine Verwendung mehr fu?r mich haben. Und wenn die Hierarchie herausfindet, wer ich wirklich bin, werden sie mich töten. 'Islington hat eine Welt erschaffen, die alle wichtigen Elemente des Genres vereint: komplexe Magie, bedrohliche Gefahren, politische Intrigen und große Charaktere mit undurchsichtigen Motiven. Fans epischer Fantasybu?cher werden nicht enttäuscht sein.' -Publishers Weekly 'Erinnert an Robert Jordan oder Brandon Sanderson: Islingtons Schreibstil ist erfrischend rasant, mit einer leichten und cleveren Note.' - Booklist ' #1 Fantasy des Jahres. ' - petrik leo

I


ICH BAUMLE HIN UND HER, NUR DER BLUTGETRÄNKTE GRIFF meines Vaters um mein Handgelenk verhindert, dass ich falle.

Er liegt auf dem Bauch, gestreckt über den felsigen Vorsprung, seine Muskeln angespannt. Klebriges Rot bedeckt sein Gesicht, seine Arme, seine Kleidung, einfach alles. Doch ich weiß, er kann mich hochziehen. Ich tue alles, um nicht zu zappeln. Ich vertraue darauf, dass er mich rettet.

Er blickt über meine Schulter. In die tintenschwarze Dunkelheit. In die Finsternis, die wartet.

»Mut«, flüstert er. Er legt Kummer und Hoffnung in das Wort.

Er lässt los.

■ ■ ■

»ICH WEISS, ICH SAG DIR IMMER, DU SOLLST NACHDENKEN, bevor du handelst«, murrt der Mann mit dem zerklüfteten Gesicht, der mir gegenüber am Brett lümmelt, »aber damit das Spiel vorankommt, Vis, musst du einen verdammten Stein bewegen.«

Ich löse meinen abschweifenden Blick von dem kalten Silber, das durch das einzige vergitterte Fenster im Wachraum strömt. Meinem Gegner werfe ich meinen bestmöglich genervten Blick zu, um die krankmachende Welle der Erinnerung zu verbergen, und zwinge meine Aufmerksamkeit wieder auf die polierten weißen und roten Dreiecke zwischen uns. Die Steine glänzen matt im Licht der schwach brennenden Laterne auf dem Regal, die unser Spiel kaum besser beleuchtet als das frühabendliche Glühen von draußen.

»Alles in Ordnung bei dir?«

»Bestens.« Ich sehe, wie Hrolfs buschige graue Augenbrauen am Rande meines Blickfelds zucken. »Es geht mirgut, alter Mann. Ich denke nur nach. Die Sapper haben mich noch nicht erwischt.« Keine Schärfe in den Worten. Ich weiß, die Art, wie sich seine verblassten braunen Augen vor Sorge kräuseln, ist aufrichtig. Und ich weiß, er muss fragen.

Ich arbeite schon fast ein Jahr länger als er hier, also fragt er sich abermals, ob mein Verstand seine Schärfe verliert. So wie es seiner schon seit einer Weile tut.

Seine Sorge ignorierend begutachte ich das Foundation-Brett, berechne, was die neue rote Formation auf der gegenüberliegenden Seite bedeutet. Eine Finte, erkenne ich sofort. Ich übergehe sie. Verschiebe drei meiner weißen Steine in schneller Folge und sichere mir den Sieg. Hrolf prahlt gerne damit, er hätte einmal einen Magnus Quartus besiegt, aber gegen mich ist der Wettkampf nie ein fairer. Schon bevor die Hierarchie – oder die Catenische Republik, wie ich mich immer noch schmerzlich erinnern muss, sie so zu nennen – die Welt beherrschte, galt Foundation weithin als die perfekte Methode, abstraktes strategisches Denken zu lehren. Mein Vater sorgte dafür, dass ich mich früh, oft und gegen die allerbesten Spieler messen konnte.

Hrolf starrt finster auf das Brett, dann auf mich, dann wieder auf das Brett.

»Hab die Konzentration verloren. Du hast zu lange gebraucht. Praktisch Betrug«, murmelt er angewidert, als er das Spiel aufgibt. »Weißt du, dass ich einmal einen Magnus Quartus geschlagen habe?«

Meine Antwort wird von einem Hämmern am dicken steinernen Eingangstor unterbrochen. Hrolf und ich stehen auf, das Spiel ist vergessen. Unsere Schicht soll eigentlich erst in Stunden wechseln.

»Identifizieren Sie sich«, ruft Hrolf scharf, während ich ans Fenster trete. Der durch die Gitter sichtbare Mann ist gut gekleidet, groß und breitschultrig. Ende zwanzig, vermute ich. Mondlicht scheint auf die dunkle Haut seines kurzgeschorenen Schädels.

»Sextus Hospius«, kommt die gedämpfte Antwort. »Ich habe ein Zugangssiegel.« Hospius blickt zum Fenster und bemerkt meinen beobachtenden Blick. Sein Bart ist schwarz, kurz geschnitten, und seine ernsten, dunkelbraunen Augen verleihen seinem Gesi