Sie stand ganz oben auf dem abgeflachten Gipfel des zwölfhundert Meter hohen Berges. Die Chronik der herrlichen Barockkirche berichtete von einem Wunder, das der heilige Martin im Jahre 1704 bewirkt haben sollte.
Zwei kleine Mädchen im Alter von sieben und neun Jahren waren damals von einem Bären angegriffen worden, von einem der mächtigen Tiere, die es damals noch in den oberbayerischen Bergen gegeben hatte. In ihrer Not waren die Kinder auf die Knie gesunken und hatten den heiligen Martin, der ein Ritter gewesen war, um Hilfe angefleht.
Ein Reiter war daraufhin zwischen den Bäumen hervorgesprengt und hatte den Bären mit einem wohlgezielten Lanzenwurf erlegt. Bär und Lanze waren von den Bewohnern des kleinen Bergdorfes gefunden worden, und der mächtige Kopf des Bären sowie die Lanze waren auch heute noch in der Wallfahrtskirche zu besichtigen.
In den Jahren 1712 bis 1714 hatten die Bauern des Bergdorfes mit Unterstützung des Bischofs die Kirche erbaut und ihr Dorf nach dem heiligen Martin benannt.
Seit dieser Zeit kamen die Wallfahrer, und die zahlreichen Votivtafeln berichten von den vielen Heilungen und den erfüllten Bitten, die die Gläubigen auf dem Berg an den Heiligen gerichtet hatten.
In späteren Jahren hatten sich Franziskanermönche hier angesiedelt und ein kleines Kloster gebaut, das wie ein Burghof die Kirche umgab.
Gleich neben dem mächtigen Klostertor befand sich ein kleiner Andenkenladen, in dem der alte Rochus Zollner seine Andenken verkaufte. Bilder vor allem vom Sankt Martin, Rosenkränze und geweihte Kerzen, Ansichtskarten und tausend andere Dinge, die in irgendeinem, manchmal nur recht losem Zusammenhang zum Wallfahrtsort standen.
Rochus Zollner war ein echtes oberbayerisches Original. Selbst so groß und mächtig von Gestalt wie ein Grizzlybär, weißhaarig und mit hellen, zeitweise ärgerlich blitzenden Augen, wenn die Wallfahrer den Laden stürmten und jeder als Erster bedient sein wollte.
Wie eine Festung stand er dann in der Schlacht, die um ihn tobte, gab Antworten auf die vielen Fragen, nannte die Preise und gab auch mal Anekdoten zum Besten, wenn er besonders gut aufgelegt war.
Heute war es ruhig in seinem Laden, denn seit drei Tagen ging ein Dauerregen über den Bergen nieder, der die meisten Gläubigen davon abhielt, den beschwe