Kapitel 1
Diesmal segelte Caesar nach Osten. Eutychus, der Verwalter seiner Mutter – eigentlich war es sein Verwalter, aber Caesar beging niemals den Fehler, das zu denken –, war verweichlicht und hatte Rom kaum jemals verlassen. Nun mußte er die Erfahrung machen, daß das Reisen mit Gaius Julius Caesar keine geruhsame Angelegenheit war. An Land – vor allem wenn die Straße so respektabel war wie die Via Appia – legte er am Tag vierzig Meilen zurück, und jeder, der nicht Schritt halten konnte, wurde zurückgelassen. Nur die Angst, Aurelia zu enttäuschen, ließ Eutychus durchhalten, besonders während der ersten Tage, als die dicken Beine und das verwöhnte Hinterteil ihn ungeheuer schmerzten.
»Du bist wundgeritten«, sagte Caesar lachend und ohne jedes Mitgefühl zu dem jämmerlich weinenden Eutychus, als sie an einer Herberge in der Nähe von Beneventum haltmachten.
»Meine Beine schmerzen am meisten«, schniefte Eutychus.
»Natürlich tun sie das! Auf einem Pferd haben sie keine Stütze, sie baumeln nur herunter und schwingen hin und her – vor allem deine, Eutychus! Aber Kopf hoch! Wenn wir erst in Brundisium sind, geht es ihnen sicher schon viel besser. Und dir auch. Das kommt von dem bequemen Leben in Rom.«
Der Gedanke an Brundisium konnte die Stimmung des Verwalters nicht heben. Vielmehr brach er bei der Aussicht auf ein wogendes Ionisches Meer erneut in Tränen aus.
»Caesar ist ein Kerl«, meinte Burgundus grinsend, nachdem Caesar gegangen war, um sich zu vergewissern, daß ihr Quartier sauber war.
»Er ist ein Unmensch!« jammerte Eutychus. »Vierzig Meilen am Tag!«
»Du hast Glück. Das ist erst der Anfang. Aber er wird schonend mit uns umgehen, vor allem wegen dir.«
»Ich will nach Hause!«
Burgundus klopfte dem Verwalter plump auf die Schulter. »Du kannst nicht nach Hause, Eutychus, das weißt du.« Er erschauerte und verzog das Gesicht; in seinem leicht abwesenden Blick lag Abscheu. »Komm, trockne die Tränen ab und versuche ein bißchen herumzulaufen. Es ist besser, mit ihm zu leiden, als zu seiner Mutter zurückzugehen – brrr! Außerdem ist er nicht so herzlos, wie du denkst. In diesem Moment läßt er ein schönes heißes Bad für deinen netten wunden Arsch vorbereiten.«
Eutychus überlebte es, obwohl er nicht sicher war, ob er auch die Fahrt mit dem Schiff überstehen würde. Caesar und sein kleines Gefolge benötigten für die dreihundertsiebzig Meilen von Rom nach Brundisium genau neun Tage. Noch ehe einer seiner Begleiter Luft holen und ihn um ein paar Tage Ruhe bitten konnte, verfrachtete der unerbittliche junge Mann die unglückliche Schar auf ein Schiff, das sie zur Insel Korfu brachte. Von dort ging es mit einem anderen Schiff nach Buthrotum in Epirus und anschließend auf dem Landweg über Akarnanien und Delphi nach Athen. Es war ein griechischer Eselspfad, keine römische Straße; er führte die hohen Berge rauf und runter, durch feuchte Wälder mit glitschigen Böden.
»Offenbar lassen nicht einmal wir Römer Armeen auf diesem Weg marschieren«, bemerkte Caesar, als sie das furchteinflößende Tal von Delphi erreichten, das eher an einen Garten auf einem Massiv erinnerte. Der Gedanke mußte ausgereift sein, bevor er sich umsehen konnte. »Das sollte man sich merken. Eine Armee könnte diesen Weg benutzen, wenn die Soldaten tapfer genug sind. Und niemand würde es wissen, weil niemand es glauben würde. Hm.«
Caesar mochte Athen, und Athen mochte ihn. Im Gegensatz zu seinen noblen Zeitgenossen hatte er noch nirgends die Besitzer großer Häuser oder Güter um Gastfreundschaft ersucht; er gab sich durchaus mit Wirtshäusern oder mit einem Lager an der Straße zufrieden. In Athen hatte er eine ganz passable Herberge unterhalb der Akropolis ausfindig gemacht und sich dort einquartiert. Kurz darauf wurde er in das Haus von Titus Pomponius Atticus eingeladen. Caesar kannte den Mann nicht, obwohl er – wie jeder in Rom – von dem finanziellen Desaster wußte, das Atticus und Crassus in dem Jahr nach Gaius Marius’ Tod erlitten hatten.
»Ich bestehe darauf, daß du bei mir wohnst«, sagte der kultivierte Mann von Welt, der trotz dieser früheren Fehlkalkulation ein guter Menschenkenner war. Ein Blick auf Caesar bestätigte ihm, was Gerüchte bereits angedeutet hatten: Da war einer, der einmal eine w