: Colleen McCullough
: Günstlinge der Götter Historischer Roman | Masters of Rome 3 - Der Aufstieg des Julius Caesar
: dotbooks
: 9783989525351
: Masters of Rome
: 1
: CHF 3.60
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 692
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Er wird zum mächtigsten Mann der römischen Geschichte - dies ist sein Anfang. 83 v. Chr.: Ihre Vorfahren erhoben den kleinen Stadtstaat Rom zum strahlenden Mittelpunkt eines mächtigen Weltreichs. Nun sehen der junge Julius Caesar und sein Kumpane Pompeius einer glänzenden Zukunft entgegen - sie müssen sich nur noch beweisen. Während die Diktatur des Sulla und die brutalen Machtkämpfe der Adelsfamilien Rom von innen heraus erschüttern, sucht Pompeius auf dem Schlachtfeld seinen Weg zur Konsulwürde. Derweil ist der kluge und ehrgeizige Julius gefangen im Amt des Priesters, das sein eifersüchtiger Onkel Sulla ihm auferlegte, um seinen unvermeidlichen Aufstieg zu verhindern ... Band 3 der glorreichen historischen Saga »Masters of Rome« für Fans von Robert Harris und Simon Scarrow.

Colleen McCullough (1937-2015) wurde in Wellington geboren und wuchs in Sydney auf. Nach einem Studium der Neurologie arbeitete sie in verschiedenen Krankenhäusern in Australien und England, bevor sie einige Jahre nach Amerika ging, um an der Yale University zu forschen und zu lehren. Hier entdeckte sie auch ihre Liebe zum Schreiben, wobei ihre ersten beiden Romane, »Eine Liebe an der roten Küste« und »Die Dornenvögel«, direkt zu internationalen Bestsellern aufstiegen. Colleen McCullough veröffentlichte bei dotbooks Ihre Romane »Die Frauen von Missalonghi«, »Die Stadt der Hoffnung« und »Eine Liebe an der roten Küste«. Außerdem erschien von der Autorin das mitreißende Historienepos »Masters of Rome« mit den Einzeltiteln »Adler des Imperiums«, »Die Krone der Republik«, »Günstlinge der Götter«, »Das Blut des Spartacus«, »Caesars Frauen«, »Tochter des Adlers« und »Die Wasser des Rubikon«.

Kapitel 1


Der Verwalter hielt die Öllampe mit den fünf brennenden Dochten empor, bis sie die beiden Schlafenden auf dem Bett erleuchtete, aber er wußte, daß das Licht nicht hell genug war, um Pompeius zu wecken. Dazu brauchte er dessen Frau.

»Domina!«

Verwirrt schlug Antistia die Augen auf – es war nicht üblich, daß Diener Pompeius’ Schlafzimmer betraten. Sie vergewisserte sich, daß das Laken ihren Körper züchtig bedeckte, dann setzte sie sich auf.

»Was gibt es? Was ist denn los?«

»Eine dringende Nachricht für den Herrn«, sagte der Verwalter grob. »Weckt ihn und sagt ihm, er solle ins Atrium kommen!« Die Flammen seiner Lampe flackerten und rauchten, als er auf dem Absatz kehrtmachte. Die Tür schloß sich, und Antistia blieb im Dunkeln zurück.

Dieser schreckliche Mensch! Das hatte er absichtlich getan! Zum Glück wußte sie noch, daß ihr Unterkleid am Fußende des Bettes lag. Sie zog es an und rief laut nach Licht.

Pompeius störte das alles nicht. Als Antistia mit einer Lampe in der Hand und eingewickelt in eine warme Decke wieder an das Bett trat, schlief er noch immer. Nicht einmal die Kälte schien er zu spüren, obwohl er bis zur Hüfte nackt dalag.

Bei anderen Gelegenheiten – und aus anderen Gründen – hatte Antistia versucht, ihn wachzuküssen, doch stets vergeblich. Pompeius mußte gerüttelt und geschüttelt werden.

»Was ist denn?« fragte er, setzte sich auf und fuhr mit den Händen durch sein dichtes gelbes Haar. Die Stirnlocke über dem hohen Haaransatz stand keck nach oben, seine blauen Augen musterten Antistia aufmerksam. So war Pompeius: im einen Augenblick wie tot, im nächsten hellwach – ein typischer Soldat. »Was ist los?« fragte er nochmals.

»Im Atrium wartet ein Bote mit einer wichtigen Nachricht auf dich.«

Antistia hatte ihren Satz noch nicht beendet, als Pompeius schon aufgesprungen und in Pantoffeln und Tunika geschlüpft war, ohne darauf zu achten, daß ein Ärmel der Tunika ihm über die sommersprossige Schulter rutschte.

Antistia blieb einen Augenblick unentschlossen stehen. Pompeius hatte den Leuchter nicht mitgenommen – er sah im Dunkeln wie eine Katze –, nichts hinderte sie also, ihm zu folgen. Zwar wußte sie, daß er darüber kaum erfreut sein würde, aber Frauen hatten schließlich ein Anrecht darauf, zu erfahren, was so wichtig war, daß ihre Männer geweckt werden mußten! Also tastete Antistia sich mit ihrer kleinen Lampe durch die Dunkelheit des großen Korridors entlang. Sie bog um eine Ecke und stieg eine Treppe hinunter, und schon war sie der furchteinflößenden gallischen Festung entronnen und befand sich in einer zivilisierten römischen Villa, inmitten freundlicher Farben und schön verputzter Wände.

Diener eilten geschäftig hin und her und hatten überall helle Lichter angezündet. Und da war auch Pompeius. Obgleich nur mit einer Tunika bekleidet, sah er aus wie Mars persönlich. Eine herrliche Gestalt!

Auch er hatte sie bemerkt und hätte ihre Frage vielleicht sogar beantwortet, wäre in diesem Augenblick nicht sichtlich verstört Varro eingetreten. Damit war Antistias Gelegenheit vorüber, von Pompeius zu erfahren, was die ganze Aufregung bedeutete.

»Varro!« rief Pompeius. »Varro!« Er stieß einen Schrei aus, markerschütternd und schauerlich und ganz und gar unrömisch. Genau so hatten einst die Gallier geschrien, als sie über die Alpen geströmt waren und weite Teile Italiens erobert hatten, darunter Picenum, wo Pompeius herstammte.

Antistia zuckte zusammen. Sie sah, daß auch Varro erschrak.

»Was gibt es?«

»Sulla ist in Brundisium gelandet!«

»Brundisium! Woher weißt du das?«

»Das spielt keine Rolle!« Pompeius packte den kleinen Varro bei den Schultern und schüttelte ihn. »Endlich, Varro! Das Abenteuer hat begonnen.«

»Abenteuer?« Varro starrte ihn an. »So werde doch endlich erwachsen, Magnus! Das hier ist kein Abenteuer, sondern ein Bürgerkrieg, und zwar schon wieder auf italischem Boden!«

»Das ist mir egal!« rief Pompeius wild. »Für mich ist es ein Abenteuer. Wenn du wüßtest, wie sehr ich auf diese Nachricht gewartet habe, Varro! Seit Sullas Abreise ist Italien so zahm wi