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Heute war der große Tag. Heute würden sie tatsächlich nach Maulberg in den Nordosten Sachsens umziehen.
Der Umzugswagen war pünktlich und das Verladen all ihrer Sachen verlief schnell und problemlos.
Nun hatten sie genug Zeit, sich von ihrer Dortmunder Wohnung zu verabschieden und in aller Ruhe im Laufe der nächsten zwei Stunden loszufahren. Sie würden ohnehin früher als der Umzugswagen da sein.
Peter und Beate Sendler streiften ein letztes Mal durch die Räume ihrer alten Wohnung, in der sie so lange gelebt hatten. Ein merkwürdiges Gefühl, die Zimmer nun so leer und verlebt zu sehen. So ganz ohne Möbel wirkte die Wohnung viel größer, aber auch irgendwie traurig.
Peter hatte die meiste Zeit seines Lebens in Dortmund verbracht, aber nun, mit fast Ende fünfzig, schien es Zeit für ein neues Kapitel zu sein.
Beate hatte die Annonce in der Zeitung gelesen, dass die Kita in Maulberg auf der Suche nach einer neuen Leitung sei. Peter, der Dokumentarfilmer, unterstützte seine Frau sofort und sagte zu, denn er witterte in ihrem neuen Domizil Stoff für einen Film, der ihm wieder die Anerkennung bringen könnte, nach der er so sehr lechzte.
Ihr Sohn Philipp studierte seit ein paar Jahren Germanistik in Berlin. Ihm hatten sie als Erstem am Telefon von ihrem Plan erzählt. Erst reagierte er gar nicht und meinte schließlich nach kurzem Zögern, dass er das gut fände. Gerade, weil sie »nach Sachsen zu den Drecksnazis« gehen würden. In die Höhle der Löwen sozusagen. Dorthin, wo es brennt. »Vielleicht könnt ihr sie bekehren, um sie