: Alex Gfeller
: Suite zwei
: Books on Demand
: 9783769396157
: 1
: CHF 8.80
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 664
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Dieses Land braucht keine Künstler; es hasst und verachtet sie von ganzem Herzen, weil es ihnen ihre innere Freiheit missgönnt, denn es ist einfach nicht gemacht für Kultur, das Land der Schweden oder der Swaziländer im Herzen Europas, das man in Amerika drüben ständig mit Switzerland oder mit der Slowakei oder Slowenien verwechselt, weil es nämlich selber gar keine hat, Kultur nämlich; das ist das ganze, dunkle Geheimnis dieses komischen, extrem künstlichen Rand- und Restgebietes, das nach langen Verhandlungen des Wiener Kongresses 1815 einfach übrig geblieben ist, als man den großen Kuchen endlich neu verteilt hatte, und eigentlich gar nicht aus sich selber existiert, noch jemals selbständig existieren kann, denn nicht einmal ernähren kann es sich selber. Es ist nichts als eine völlig kulturlose Steinwüste, die allmählich zugeschüttet wird, ein übler Steinhaufen bloß, der sich selber andauernd bescheisst, ohne wesentliche eigene Verdienste, ohne eigene Attraktivität oder besondere Leistungen, besessen und beherrscht von einem sehr kleinen Klüngel von Überhunden und ihren vielen gekauften, also willfährigen Unterhunden, bestenfalls getragen vom Kitsch und Schrott der Jahrhunderte und einzig geleitet vom alleinseligmachenden Profit, das ist alles.

Alex Gfeller, Schriftsteller und Landschaftsmaler, geboren 1947 in Bern, lebt in Biel.

Man kann noch gar nicht schlüssig sagen, was sie eigentlich daran finden, die überfressenen Haushunde und die lethargischen Hofhunde in ihrem ganzen, antiquierten Philosophenwahn, denn es ist heute offensichtlich, dass sich nur noch die verlausten Straßenköter um die klassische Philosophie kümmern, weil es vorangehend oder gleich anschließend auch nur noch die eigenhändig ausgeführte Selbstbefleckung ist, die sie wirklich und richtig fundamental interessiert. Hunde sind nämlich die treuesten Organisten der Welt und eindeutig auch die zerquältesten Inkubatoren derselbigen, denn nur noch sie kümmern sich noch wirklich um einen anständigen, gepflegten Bienenstich in aller Eigenlust bei aller Selbstbefeuchtung in aller erotischer Selbstverantwortung.

Das müssen alle wissen, die sich einen Hund halten wollen, und sie dürfen nicht erschrecken, wenn sie ihre Töle beim Schlecken erwischen. Das ist natürlich und normal, denn auch Köter haben ein Gefühlsleben. Man darf sie nicht davon abhalten, denn sonst verfallen sie gleich in ein völlig gestörtes Verhältnis zu ihrer eigenen Kulinarik und können keine gesunde Beziehung mit anderen Hunden mehr eingehen. Warum sie das tun müssen, bleibt allerdings ihnen überlassen, doch