Die Pazzi-Verschwörung von 1478, die sich gegen die in Florenz herrschende Familie Medici richtete, gehört zu den berühmtesten Mordkomplotten der italienischen Renaissance. Das bedeutende europäische Handels- und Finanzzentrum Florenz war zur Zeit der Verschwörung eine im Niedergang befindliche Republik. Die Geschicke der Arnostadt wurden von einer kleinen Interessengruppe bestimmt, an deren Spitze die Bankiersfamilie Medici stand. Dank erfolgreichem Taktieren und geschickter Wahlmanipulationen hatten die Medici innerhalb weniger Jahrzehnte die Vorherrschaft in Florenz errungen und bestimmten trotz der republikanischen Struktur der Stadt weitgehend die Richtlinien der Politik. Ihr wachsender Machtanspruch stieß in den 1470er Jahren auf Widerstand, löste zunehmend Unzufriedenheit unter den dadurch Benachteiligten aus und kulminierte schließlich in der Verschwörung, die durch ihr Fehlschlagen die aufkeimende Fürstenherrschaft der Medici begünstigte.
Als Giuliano de’ Medici am 25. Oktober 1453 in Florenz geboren wurde, waren die Medici dank weitreichender Handelsbeziehungen und Geldgeschäfte die reichste Familie der Stadt. Ihr Bankhaus mit seinen zahlreichen Filialen gehörte zu den führenden Geldinstituten Europas. Giuliano war der zweite Sohn von Piero de’Medici, den man wegen seines angegriffenen Gesundheitszustands auch »il Gottoso« (= den Gichtigen) nannte, und dessen kultivierter Ehefrau Lucrezia Tornabuoni. Giuliano erhielt wie sein vier Jahre älterer Bruder Lorenzo eine humanistisch geprägte Ausbildung. Nachdem sein Vater am 2. Dezember 1469 verstorben war, wurde Giuliano de’ Medici quasi zum Mitregenten seines älteren Bruders Lorenzo, dem seine Zeitgenossen den Beinamen »il Magnifico« (= der Prächtige) verleihen sollten. Lorenzo besaß zwar von Rechts wegen keine Amtsgewalt, fungierte aber tr