: Walter Pitt
: Deutsche Parkettgeschichte Parkett im Wandel der Zeiten
: Holzmann Medien GmbH& Co. KG
: 9783778309315
: 1
: CHF 48.80
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: Sonstiges
: German
: 144
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der Boden der Könige bleibt König der Bodenbeläge! Die 'Deutsche Parkettgeschichte' startet mit der beginnenden Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts und dem Wandel von individueller Werkstattfertigung hin zur Vorfertigung in allmählich entstehenden Fabrikanlagen. Auftraggeber sind zunächst Besitzer von Schlössern oder Palästen. Reiche Privatpersonen, Adlige wie aufstrebende Fabrikanten holen sich zunehmend Tafel- und Stabfußböden in ihre Räumlichkeiten. Die Sonderstellung des Parketts bleibt auch über beide Weltkriege erhalten. Die Entwicklung von Massenprodukten wie Mosaikparkett sorgt für eine Verbreiterung in den Wohnungsbau hinein. Parallel dazu entstehen Handwerksorganisationen oder Produzentenverbände. Auch die Herstellung macht immer wieder technische Fortschritte, die Konstruktionen ändern sich, die Verlegung muss sich anpassen, neue Klebstoffe und Oberflächenmaterialien müssen beherrscht werden. Die Ausbildung wird mithilfe der entstehenden Innungen, die ihr Gewerk schützen und qualitativ sowie quantitativ voranbringen wollen, ein immer größeres Thema. Längst sind es jedoch nicht mehr allein ausgebildete Parkettverleger, die Parkett verlegen. Die Parkettindustrie sucht neue Vermittler und kreiert einen wahren Boom mit allen positiven und negativen Begleiterscheinungen. Gegenwärtig steht die Branche wie schon so oft unter Druck, sowohl Hersteller und Handel als auch die verlegenden Handwerker. Parkett wird jedoch seine Geschichte weiterschreiben - genauso erfolgreich und vielfältig wie eh und je. Autor und Branchenkenner Walter Pitt beleuchtet mit eindrucksvollem Bildmaterial die 'Deutsche Parkettgeschichte' und gibt einzigartige Einblicke in die Parkettwelt im Wandel der Zeit.

II. Hochachtungsvoll ganz ergebenst


Um das Jahr 1900 soll es in Deutschland 700 Parkettfabriken gegeben haben. Der damit verbundene Druck am Markt spiegelt sich nicht zuletzt in den Angebotsschreiben, die aus dieser Zeit überliefert sind.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging die Entwicklung der Parkettbranche zunächst noch langsam voran. Die neu entstandenen Parkettverlege- und Herstellbetriebe mussten sich erst einmal einrichten, im Markt zurechtfinden und auch aneinander gewöhnen. So hatten die Parkettfabriken auch schon damals Sorgen, dass das von ihnen gelieferte Parkett auch ihren Vorstellungen entsprechend verarbeitet wurde.

Die Parkettfabrik Wrede in Freilassing mit Bahnanschluss für Lieferungen in alle Welt galt um die Jahrhundertwende als die größte in Deutschland (historische Ansichtskarte aus dem Jahr 1899).Foto: Pitt

Das Handwerk des Parkettlegens gewinnt an Bedeutung. Die Parketttischlereien bilden ihre Mitarbeiter nach und nach zu Spezialisten aus, obwohl sie mit Parkettarbeiten nicht immer ausgelastet sind.„Dabei verfügen die meisten Parketttischlereien über bestimmte Leger, die im Falle, dass Legearbeiten nicht vorliegen, in der Werkstatt zum Anfertigen von Blindtafeln, zum Abputzen der Teilflächen oder zu anderen Arbeiten verwendet werden. Auch ist das Verlegen keine zu zeitraubende Arbeit, als dass die eigentlichen Gehilfen bei einigermaßen nicht zu entfernten Legeplätzen nicht dazu benutzt werden könnten. Dem Grundsatze Theilung der Arbeit würde dieses Verfahren allerdings widersprechen und daher nur in Noth zu dieser Hülfe gegriffen werden sollte. Doch richtet sich das nach der Größe der Werkstatt, nach dem Geschäftsgange, nach der getroffenen Einrichtung u.s.w. Immer dürfte sich aber empfehlen, das Parkettlegen besondere, nur darauf eingerichteten Leuten zu übertragen und solche vielleicht nur für die Dauer des Legens in den Dienst zu nehmen.“ (Kässner)

Pferd und Wagen war damals noch ein sehr übliches Transportmittel.Archiv: Bembé

Eine Parkettfabrik in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Das machte einen guten Hersteller aus

  • Genaues Orientiertsein in den Anforderungen, welche hinsichtlich der Güte und des Geschmacks an die Parketts gestellt werden und die Fähigkeit, nicht nur denselben nach jeder Seite nachzukommen, sondern im Gegenteil dem Publikum auch Neues bieten zu können.
  • Erfahrung in der Beschaffung und Bearbeitung des Materials, um bei möglichster Billigkeit desselben im Ankauf, im Austrocknen, im Zuschneiden, Zusammensetzen und Fertigmachen ein vollkommenes Produkt zu erzeugen.
  • Genaue Kenntnis in der Aufeinanderfolge der Arbeitsmanipulation, in den Betriebseinrichtungen und in der Arbeitsteilung, um in tunlichst kurzer Zeit ein größtes Arbeitsquantum zu erreichen, woraus die Höhe des Verdienstes resultiert.

Quelle: Kässner: Wesen des Parketts