: Tereza Vanek
: Rückkehr in die Fremde Historischer Roman
: Bookspot Verlag
: 9783956692086
: 1
: CHF 7.10
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 464
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ost und West im 17. Jahrhundert Zwei Welten, zwei Frauen, ein gemeinsames Schicksal: Klara, Tochter einer holländischen Mutter und eines spanisch-japanischen Vaters, steht vor der Herausforderung, das Erbe ihrer Familie in einer Welt voller Intrigen und Gefahren zu bewahren. Auf der anderen Seite der Welt kämpft Meihua, die als Floortje in Taiwan aufwuchs, um ihren Platz zwischen den Kulturen. Nach dem tragischen Verlust ihrer Eltern wird sie in die Wirren von Handelskonflikten und Machtspielen gezogen, die sie von Taiwan bis in die Gassen Rotterdams führen. Während Klara und Meihua ihre eigenen Wege in einer sich ständig verändernden Welt suchen, kreuzen sich ihre Schicksale in einem dramatischen Wendepunkt. Beide Frauen müssen herausfinden, wo sie wirklich hingehören, und ob es möglich ist, in der Fremde ein Zuhause zu finden. Ein packender historischer Roman, der die Leser in eine Welt voller Leidenschaft, Mut und der Suche nach Identität entführt - perfekt für Liebhaber epischer Geschichten und starker Frauenfiguren.

Tereza Vanek ist gebürtige Tschechin, in München aufgewachsen und seit 2007 veröffentlichte Autorin. Den Traum vom Schreiben hatte sie schon mit 14, doch musste sehr viel Zeit vergehen, bis er wahr wurde. Vorher ging sie brav zur Schule, studierte Sprachen, lebte einige Zeit im Ausland und schlug sich mehr oder weniger begeistert mit den verschiedensten Jobs durchs Leben. Doch der Drang zu schreiben ließ sie nicht los, so dass sie sich schließlich doch ernsthaft ans Werk machte - und dann viel schneller einen Verlag fand als angenommen. Ihr besonderes Interesse beim Schreiben gilt historischen Ereignissen, ungewöhnlichen Frauengestalten und der Begegnung von Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen, wie sie in den historischen Romanen demonstriert, die in der Edition Carat des Bookspot Verlags erschienen sind: die China-Reihe mit »Das Geheimnis der Jaderinge« und den Nachfolge-Romanen »Die Rebellin von Shanghai« und »Die schöne Insel«, das Maya-Abenteuer »Das sprechende Kreuz« und die Taiwan-Reihe mit dem Auftakt »Sturm über Formosa«. Ansonsten wohnt sie wieder in München mit Mann, Stieftochter, vier Katzen und fünf Papageien. www.tereza-vanek.de

2. Kapitel


Batavia, 1681


Was die Holländer in Formosa nicht geschafft hatten, war ihnen in Batavia gelungen. Sie hatten ihre Heimat über den Ozean in die Fremde getragen, unter gleißender Sonne eine Stadt aus steinernen Häusern und Grachten geschaffen, wie Griet es aus Rotterdam kannte. Eine Mauer trennte die europäisch anmutende Oststadt von dem überbordenden, heißen, von zahllosen Gerüchen geschwängerten Rest Batavias, in dem sich neben den Ureinwohnern auch Chinesen, Japaner und andere Asiaten angesiedelt hatten. Sie wohnten in ihren jeweiligen Vierteln, befolgten Regeln, die sie aus ihrer Heimat mitgebracht hatten, führten Fehden gegeneinander und taten sich auch manchmal zusammen.

Nun war Griet in diese Welt eingedrungen. Sie kämpfte sich durch eine enge, laute, nach Garküchen riechende Gasse der Chinesenstadt, ihr Bündel mit Büchern dicht an sich gepresst. Normalerweise hätte Diego, ihr Gemahl, sie bei solchen Ausflügen begleitet. Er hatte einen spanischen Vater, dem er seinen Namen verdankte, aber seine Mutter war Japanerin gewesen, was ihn hier weniger fremd machte. Trotz dieser asiatischen Wurzeln lag er seit Wochen krank darnieder wie viele Angestellte der holländischen Handelsgesellschaft. Die Hitze tötete Europäer in Scharen. Griet hatte sie nicht geschadet, ihrem Bruder Ruben ebenso wenig. Wieso musste ausgerechnet Diego, der noch niemals in Europa gewesen war, von einem Fieber niedergestreckt werden? Der von Ruben gerufene holländische Arzt vermochte nicht zu helfen. Griet hoffte, dass asiatische Heiler eine rettende Medizin hätten, doch durften sie in der Oststadt nicht praktizieren. Und so musste sie in der Chinesenstadt nach Hilfe suchen.

Emma Hambroek bewohnte ein kleines Haus am Ende der Gasse. Da sie sich geweigert hatte, auf ihre Beziehung mit einem Nichteuropäer zu verzichten, war sie aus der Oststadt verbannt worden. Doch entsprach das ihren Wünschen, denn dort, wo Christen lebten, wurden keine Missionare gebraucht.

Griet wurde von dem einheimischen Jungen vor der Eingangstür höflich begrüßt, dann ins Innere begleitet. Der Raum, in dem Emma ihren Unterricht abhielt, befand sich neben einem kleinen Garten. Zu ihren Schülerinnen gehörten Mädchen, die Männer der holländischen Handelsgesellschaft mit einheimischen Frauen gezeugt hatten und auch einige Töchter asiatischer Christen. Das Schulgeld reichte offenbar, um der Familie ein Auskommen zu verschaffen. Frans, Emmas Ehemann aus Formosa, betrieb irgendwelche Geschäfte, die aber nicht viel abzuwerfen schienen.

»Wie schön, dass du uns besuchst. Ich habe meine Schülerinnen gerade nach Haus geschickt«, sagte Emma und kam Griet mit einem strahlenden Lächeln entgegen.

»Ich habe Bücher mitgebracht«, verkündete diese. »Sie kamen mit dem letzten Schiff aus Holland.«

Emmas Augen leuchteten auf.

»Religiöse Schriften?«

Griet schüttelte den Kopf.

»Gedichte. Aber von Jakob Cats. Es ist nichts unchristliches daran.«

Der Dichter galt als moralisch absolut integer, weshalb Griet seine Werke für Emma ausgesucht hatte. Sie musste ihren Schülerinnen ja nicht ausgerechnet das bekannte Zitat »Kinderen zijn hinderen – Kinder sind ein Ärgernis« vorsetzen.

»Es ist sehr nett, dass du an mich denkst«, redete Emma weiter und winkte sie herein. »Meine Mädchen werden sicher froh sein, einmal etwas anderes zu lesen als immer die Bibel.«

Als Lehrerin war Emma sicher anstrengend, doch geschah dies aus Begeisterung für ihre Aufgabe. Wenigstens schlug sie ihre Schülerinnen nicht, wie ihr Vater es in Formosa mit seinen Untergebenen manchmal getan hatte.

»Möchtest du Tee? Ich habe noch ein bisschen übrig.«

Ein schmales, einheimisches Mädchen in der buntgewebten, leichten Kleidung ihres Volkes brachte ein Tablett mit Früchten und dem Teegeschirr. Griet und Emma hatten an einem kleinen Tisch Platz genommen.

»Was machen deine Kinder?«, fragte Griet. Emmas Gesicht leuchtete auf, denn sie redete sehr gern über ihre Familie.

»Unser ältester Sohn hilft mir mi