PROLOG
Gabriel Greppi stand seit einigen Minuten vor Oakridge House, einem gediegenen Herrenhaus aus der Zeit Königin Viktorias. Kurz blickte er an der mit Efeu bewachsenen Fassade hoch und stellte fest, dass hinter Lauras Fenster kein Licht brannte. Sie war bestimmt noch im Stall und kümmerte sich um die Pferde, obwohl es schon neun Uhr abends und noch dazu eine klirrend kalte Winternacht war.
Ja, Lauras wegen nehme ich auf mich, was mir jetzt bevorsteht, dachte er. Er würde bei ihren Eltern vorsprechen, diesen typischen Exemplaren der britischen Oberschicht, und sie würden ihn höflich, aber kühl abfertigen. Wie einen Bettler! So würde er sich jedoch nicht immer behandeln lassen. Eines Tags würde auch er wohlhabend und angesehen sein, das hatte er sich fest vorgenommen. Er war erst zweiundzwanzig Jahre alt, und der Weg ans Ziel mochte lang und mühsam werden, doch er würde es erreichen!
Energisch drückte er auf die Klingel und lehnte sich wartend an den Türrahmen, bis die Tür vorsichtig einen Spaltbreit geöffnet wurde. Glauben Sie, ein Einbrecher würde vorher klingeln, Mr. Jackson?, hätte Gabriel am liebsten gefragt, tat es jedoch nicht, da Lauras Vater nicht viel Sinn für Humor besaß. Jedenfalls nicht, wenn er es mit ihm zu tun hatte.
„Ach, Sie sind es, Greppi! Was führt Sie zu mir, mein Junge?“
Gabriel riss sich zusammen, um keine Antwort zu geben, die er später bedauern würde. „Könnte ich mit Ihnen sprechen, Mr. Jackson?“
„Was, jetzt? Kann das nicht warten?“ Peter Jackson klang gereizt, aber nach kurzem Zögern öffnete er die Tür und trat einen Schritt zurück. „Wenn Sie gekommen sind, um meine Tochter zu sehen, können Sie gleich wieder umkehren und nach Hause gehen, junger Mann! Laura liegt schon im Bett, und ich denke nicht daran, sie zu dieser nachtschlafenden Zeit zu wecken.“
„Es ist erst neun Uhr, Mr. Jackson!“
„Stimmt genau.“
„Und ich möchte nicht Laura sprechen, sondern Sie und Ihre Frau.“ Gabriel versuchte, Gleichmut zu bewahren, aber unwillkürlich verspannte er sich.
Aus zusammengekniffenen Augen musterte Peter Jackson ihn. „Hoffentlich wollen Sie mich nicht um einen Gefallen bitten, mein Junge, denn die Antwort wäre Nein. Ich greife aus Prinzip niemand finanziell unter die Arme.“
„Ich wollte Sie nicht um Geld bitten“, erwiderte Gabriel so höflich wie möglich, konnte aber einen scharfen Unterton nicht vermeiden.
Mr. Jackson presste kurz die Lippen zusammen, bevor er erwiderte: „Sagen Sie, was Sie zu sagen haben, und dann ab nach Hause mit Ihnen!“
„Könnte ich mit Ihnen und Ihrer Frau sprechen, Mr. Jackson?“
„Na schön, aber machen Sie’s kurz. Meiner Frau geht es nicht gut, und sie sollte früh ins Bett.“ Peter Jackson wandte sich um und ging zum Wohnzimmer voraus. „Lizzie, meine Liebe, wir haben unerwarteten Besuch“, kündigte er an. „Nein, du brauchst nicht aufzustehen. Es ist nur der junge Greppi.“
Elizabeth Jackson saß in einem der hohen Lehnsessel: