: Nicolás Ferraro
: Ámbar Thriller
: Pendragon Verlag
: 9783865329028
: 1
: CHF 18.00
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 280
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein preisgekrönter Roman aus Argentinien! Ein rasanter Coming of Age-Thriller: Ámbar folgt ihrem Vater auf seinem Rachefeldzug durch Argentinien. Die 15-jährige Ámbar lebt zwischen einsamen Landstraßen und heruntergekommenen Motels. An der Seite ihres Vaters Víctor Mondragón, einem gefährlichen Gangster, ist sie Gewalt und kriminalität gewöhnt. Statt am Wochenende zu Rockkonzerten zu gehen und Freunde zu treffen, verarztet sie Víctors Schussverletzungen oder denkt sich neue Tarnidentitäten aus. Was ihr zum Leben genügt, sind ein abgesägtes Gewehr, gefälschte Pässe und das wenige Geld, das sie heimlich für ein Tattoo spart. Doch je tiefer sie in die Welt und die Vergangenheit ihres Vaters eintaucht, desto mehr Zweifel kommen ihr. Kann sie ihm wirklich vertrauen? Und wird sie lange genug überleben, um seinen Geheimnissen auf die Spur zu kommen? Ein intensiver Thriller, der nicht vor Gewalt zurückschreckt. Doch letztendlich ist es Ambars vielschichtige Entwicklung, die wirklich unter die Haut geht. ELLE (The best mystery/thriller books of 2024)

Nicolás Ferraro wurde 1986 in Buenos Aires, Argentinien, geboren und studierte Grafikdesign. Heute arbeitet er in der Abteilung für Kriminalliteratur der Nationalbibliothek. Er entdeckte das Noir-Genre für sich und schrieb daraufhin seinen Debütroman »Dogo«, der 2016 veröffentlicht wurde und Finalist beim Extremo Negro Award war. Mit »Ámbar« (2023) gewann er den renommierteren Premio Hammett. Seine Romane wurden ins Portugiesische, Englische, Italienische und Französische übersetzt.

2


Ich dachte immer, das Schwierigste wäre, im Sturm Auto zu fahren. Das war es auch, bis ich nachts mit einer geborstenen und blutbespritzten Windschutzscheibe fahren musste.

Papá bestand darauf, dass ich fuhr. Er sagte, er müsse seine Wunde schonen, aber ich glaube, er machte es, damit ich nicht auf der Sauerei sitzen musste, die der Tote hinterlassen hatte. Bevor wir einstiegen, wischte er den Beifahrersitz mit einem Stück Zeitungspapier halbwegs sauber. Die festen Bestandteile – hauptsächlich Knochen und Hirnmasse – fegte er einfach raus, aber das Blut war hartnäckig, es klebte an der Windschutzscheibe und sammelte sich auf dem Boden und der Ablage.

Das größte Problem auf meiner Seite sind die Risse in der Scheibe. Es sieht aus, als wäre die Landstraße verpixelt. Ich versuche, durch das große Loch direkt vor mir zu spähen. Meine Rückenlehne ist komplett von Kugeln zerfetzt und ich frage mich, wo er gesessen hat, dass er nicht durchsiebt wurde. Vom Fahrtwind laufen mir Tränen über die Wangen. Manchmal knallt mir eine Mücke ins Gesicht und ich habe Angst, dass sie mir ins Auge gerät. Ich hätte gerne eine Brille. Wenn das hier vorbei ist, sage ich ihm, er soll mir eine kaufen.

»Wohin?«

»Es ist nicht mehr weit.«

Er rutscht auf seinem Sitz hin und her. Das Blut auf seinem Hemd bleibt am Ledersitz kleben und macht ein schmatzendes Geräusch. Er hält seine 38er zwischen den Knien wie eine alte Frau in der Kirche ihren Rosenkranz.

Ich warte auf eine Erklärung, will eine Erklärung. Ich wüsste gerne, wie es kommt, dass jemand als Lastwagenfahrer losfährt und mit dem Tod auf dem Beifahrersitz zurückkommt. Aber Papá ist ein Mann für Lösungen, nicht für Erklärungen, und das wird sich nicht ändern, nur weil ich es gern so hätte. Sein Blick ist hellwach, die Augen zusammengekniffen, als würde er auf etwas zielen oder es misstrauisch betrac