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Ich dachte immer, das Schwierigste wäre, im Sturm Auto zu fahren. Das war es auch, bis ich nachts mit einer geborstenen und blutbespritzten Windschutzscheibe fahren musste.
Papá bestand darauf, dass ich fuhr. Er sagte, er müsse seine Wunde schonen, aber ich glaube, er machte es, damit ich nicht auf der Sauerei sitzen musste, die der Tote hinterlassen hatte. Bevor wir einstiegen, wischte er den Beifahrersitz mit einem Stück Zeitungspapier halbwegs sauber. Die festen Bestandteile – hauptsächlich Knochen und Hirnmasse – fegte er einfach raus, aber das Blut war hartnäckig, es klebte an der Windschutzscheibe und sammelte sich auf dem Boden und der Ablage.
Das größte Problem auf meiner Seite sind die Risse in der Scheibe. Es sieht aus, als wäre die Landstraße verpixelt. Ich versuche, durch das große Loch direkt vor mir zu spähen. Meine Rückenlehne ist komplett von Kugeln zerfetzt und ich frage mich, wo er gesessen hat, dass er nicht durchsiebt wurde. Vom Fahrtwind laufen mir Tränen über die Wangen. Manchmal knallt mir eine Mücke ins Gesicht und ich habe Angst, dass sie mir ins Auge gerät. Ich hätte gerne eine Brille. Wenn das hier vorbei ist, sage ich ihm, er soll mir eine kaufen.
»Wohin?«
»Es ist nicht mehr weit.«
Er rutscht auf seinem Sitz hin und her. Das Blut auf seinem Hemd bleibt am Ledersitz kleben und macht ein schmatzendes Geräusch. Er hält seine 38er zwischen den Knien wie eine alte Frau in der Kirche ihren Rosenkranz.
Ich warte auf eine Erklärung, will eine Erklärung. Ich wüsste gerne, wie es kommt, dass jemand als Lastwagenfahrer losfährt und mit dem Tod auf dem Beifahrersitz zurückkommt. Aber Papá ist ein Mann für Lösungen, nicht für Erklärungen, und das wird sich nicht ändern, nur weil ich es gern so hätte. Sein Blick ist hellwach, die Augen zusammengekniffen, als würde er auf etwas zielen oder es misstrauisch betrac