: Oystein Wiik
: Linges Mission Roman
: Pendragon Verlag
: 9783865329059
: 1
: CHF 18.00
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 384
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein geschickt komponierter Roman Nach einer wahren Begebenheit 1940: Der norwegische Schauspieler Martin Linge wird von der britischen Armee angeworben, um ein geheimes Spezialeinsatzkommando anzuführen. Gemeinsam mit seiner handverlesenen Einheit zieht er nach Norwegen, um die dort stationierten Deutschen auszuspionieren und ihre Pläne zu vereiteln. Es ist nicht nur seine tollkühne Art, die ihn zu dem perfekten Mann für die Mission macht, sondern auch sein Charisma und seine Bühnenerfahrung. Mit der »Kompanie Linge« macht er den Deutschen das Leben schwer. Doch sein wohl größter Clou ist der Diebstahl der ?Enigma-Maschine?, mit der verschlüsselte Nachrichten der Deutschen dechiffriert werden können. Martin verzeichnet einen Erfolg nach dem anderen, doch je höher er fliegt, desto tiefer droht er zu fallen. Wird ihm sein Wagemut letztendlich zum Verhängnis? Øystein Wiik verdichtet das Leben des Schauspielers und norwegischen Nationalhelden Martin Linge zu einem mitreißenden Spionageroman.

Oystein Wiik wurde 1956 in Ås bei Oslo geboren. Er hat zahlreiche Romane und Kriminalromane geschrieben, die auch auf Deutsch veröffentlicht wurden. Wiik ist Operntenor, Schauspieler und Komponist. Als Sänger und Schauspieler trat er in zahlreichen Musiktheater-, Film- und Fernsehproduktionen auf. Im Genre Musical spielte er die Hauptrollen u. a. in »Les Misérables«, »Jesus Christ Superstar«, »Sweeney Todd« und »Evita«. Wiik lebt in Oslo.

2


Dombås,
15. April 1940

Es war das totale Chaos.

Panik griff um sich, und die Abwesenheit einer klaren Führung vermittelte Leutnant Martin Linge ein Gefühl absoluter Verlassenheit. Auch die anderen Soldaten in der Gegend litten darunter. Die Verlorenheit drang ihnen wie Kälte bis ins Knochenmark, weil nirgendwo eine klare Linie zu erkennen war. Ihm wurde bewusst, dass er sterben würde und seine Handlungen für den Ausgang des Kampfes vermutlich keine Rolle spielten. Er fürchtete den Tod nicht, wollte aber nicht sterben, ohne sich wenigstens gewehrt oder die Chance bekommen zu haben, etwas von Bedeutung zu tun. Er wollte nicht ohne Hoffnung draufgehen, nicht mit der Gewissheit, dass Norwegen verloren und alles nutzlos war.

Am Himmel über Dombås kreuzten Junker 52. Einige von ihnen flogen so tief, dass sie die Bäume zum Schwanken brachten. Die Flugzeuge spuckten unzählige deutsche Fallschirmjäger aus, aber Nebel, Regen und Dämmerung machten es nahezu unmöglich, sie vom Himmel zu schießen.

Es war ein Sprung ins kalte Wasser, derart unvorbereitet in den Krieg geschickt zu werden, schließlich war er erst vor wenigen Tagen mit dem Zug nach Setnesmoen gefahren, um sich als Soldat zu melden. Jetzt war er ein Stück Fleisch mit einer Waffe, an den Ort verfrachtet, wo er am dringendsten gebraucht wurde. Die Kontrolle über sein eigenes Handeln war ihm genommen worden, was sich für ihn unnatürlich anfühlte. Es schien niemand auch nur die leiseste Ahnung zu haben, wie sie weiter vorgehen sollten.

Die Situation war so frustrierend wie ungewohnt, obwohl er den Großteil seines erwachsenen Lebens damit verbracht hatte, Regieanweisungen umzusetzen und vorgeschriebene Rollen zu spielen. Aber vielleicht wartete er ja genau deshalb auf Anweisungen oder den Befehl, vorzurücken, während immer mehr deutsche Soldaten an dem Waldrand vor der Bergflanke landeten. Sollte er selbst die Regie übernehmen? Ein verlockender Gedanke, denn ihre Aufgabe wurde umso schwerer, je länger sie warteten.

Martin hatte sich Kriegshandlungen immer schnell und voller Elan vorgestellt. Jetzt sah er enttäuscht ein, dass das Gegenteil der Fall war. Ein Krieg bestand aus qualvoll in die Länge gezogenen Augenblicken. Es war wie bei einer Filmaufnahme, wenn man ungeduldig darauf wartete, dass der Regisseur endlich „Action“ rief.

Aus einem Anflug von Langeweile feuerte er eine Salve auf die Fallschirmjäger, die ihm am nächsten waren. Schüsse ins Blaue, die nichts erreichten. Martin hatte hinter einer abgeschossenen Junker 52 Deckung gesucht. Das Flugzeug war mit der Schnauze im Dickicht vergraben, während das Heck mit dem Hakenkreuz nach oben ragte.

„Worauf warten wir?“

„Auf die hohen Herrschaften“, lautete die Antwort. Sergeant Eilertsen, ein untersetzter Kraftprotz, spuckte braunen Tabaksaft in den Schnee, wischte sich mit dem Handrücken den Mund ab, schüttelte sich und legte die Hand wieder an das Maschinengewehr. „In Åndalsnes werden Regierungsvertreter erwa