[49]3 Anthropozän und Deutschunterricht: Sprache
Inwiefern sind Anthropozän und Sprache eng verbunden? Was bedeutet dies für den Deutschunterricht, seine Themen und Inhalte?
Die Überlegungen zum Anthropozän sind ein Ausgangspunkt, um Potenziale des Deutschunterrichts zur ökologischen Krise umfassend zu umreißen. Die monumentale Herausforderung der Krise stößt etwa permanent Veränderungen in der Art und Weise des Sprechens über sie an. Deutschunterricht zur ökologischen Krise ist derart in vielen Hinsichten Unterricht, der sich mit der Frage nach krisenadäquaten Formulierungen und in diesem Zusammenhang auch mit Sprachwandel befasst oder der die Frage stellt, wie im Anthropozän sachangemessen gesprochen zu werden vermag (hier–siehehier). Dies kann eine kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff der ökologischen Krise – oder Ökologie – durchaus einschließen und neue Begriffe und Redeweisen mit Fragezeichen versehen. Grundlegend aber geht es um eine Sensibilisierung für Sprachbedeutung und -gebrauch. Diskutiert werden kann z. B., »wie wir richtig übers Klima sprechen«, Thema einesMDR-Interviews, dessen Diskussion in der fortgeschrittenen Sekundarstufe I denkbar ist (vgl. Patlan/Roth 2021).
Schon die Fokussierung auf den Begriff des Anthropozäns kann zugleich die Bereiche Sprachreflexion und Kommunikation bedienen und im Sinne desdouble purpose learning (vgl. siehehier) außerdem ökologische Information in[50]den Unterricht einlassen. Dabei ist zunächst relevant, dass Anthropozän etymologisch ›das Neue des Menschen‹ bedeutet und semantisch ein neues Zeitalter bezeichnen soll. Pragmatisch zeichnet den Begriff aus, dass er eine Reihe von Beobachtungen und Krisendiagnosen bündelt. Sehr rasch hat sich um ihn jedoch eine Sprachdebatte entspannt, die den Begriff kritisiert und ergänzende sowie alternative Bezeichnungen einführen will. Die Alternativen haben gemein, als Komposita nach dem Vorbild von »Anthropozän« gebildet zu sein, von dessen Prominenz zu zehren und dennoch den Anspruch zu erheben,