: Sebastian Susteck
: Der Deutschunterricht und die ökologische Krise Literatur und Medien im Anthropozän. [Reclam Bildung und Unterricht]
: Reclam Verlag
: 9783159623917
: Reclams Universal-Bibliothek
: 1
: CHF 7.10
:
: Schulpädagogik, Didaktik, Methodik
: German
: 176
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die ökologische Krise im Unterricht - Perspektiven für das Fach Deutsch Wie soll das Fach Deutsch auf die ökologische Multi-Krise reagieren? Dass der Deutschunterricht einen wesentlichen Beitrag zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), mehr noch: zur Ausbildung einer umfassenden ecological literacy leisten kann, zeigt Sebastian Susteck in diesem Band. Er verbindet grundsätzliche Überlegungen zur Funktion und den Zielen eines neuen Deutschunterrichts mit Hinweisen und Anregungen zu den zentralen Unterrichtsgegenständen: Sachtexten und literarischen Texten, Kommunikation, Sprache und Medien. Wegweisend für die Zukunft des Fachs in der Schule. Mit vielen Tipps für die Schulpraxis! E-Book mit Seitenzählung der gedruckten Ausgabe: Buch und E-Book können parallel benutzt werden.

Sebastian Susteck ist Professor für Neugermanistik und Didaktik der Literatur an der Ruhr-Universität Bochum.

[49]3 Anthropozän und Deutschunterricht: Sprache


Inwiefern sind Anthropozän und Sprache eng verbunden? Was bedeutet dies für den Deutschunterricht, seine Themen und Inhalte?

 

Die Überlegungen zum Anthropozän sind ein Ausgangspunkt, um Potenziale des Deutschunterrichts zur ökologischen Krise umfassend zu umreißen. Die monumentale Herausforderung der Krise stößt etwa permanent Veränderungen in der Art und Weise des Sprechens über sie an. Deutschunterricht zur ökologischen Krise ist derart in vielen Hinsichten Unterricht, der sich mit der Frage nach krisenadäquaten Formulierungen und in diesem Zusammenhang auch mit Sprachwandel befasst oder der die Frage stellt, wie im Anthropozän sachangemessen gesprochen zu werden vermag (hier–siehehier). Dies kann eine kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff der ökologischen Krise – oder Ökologie – durchaus einschließen und neue Begriffe und Redeweisen mit Fragezeichen versehen. Grundlegend aber geht es um eine Sensibilisierung für Sprachbedeutung und -gebrauch. Diskutiert werden kann z. B., »wie wir richtig übers Klima sprechen«, Thema einesMDR-Interviews, dessen Diskussion in der fortgeschrittenen Sekundarstufe I denkbar ist (vgl. Patlan/Roth 2021).

Schon die Fokussierung auf den Begriff des Anthropozäns kann zugleich die Bereiche Sprachreflexion und Kommunikation bedienen und im Sinne desdouble purpose learning (vgl. siehehier) außerdem ökologische Information in[50]den Unterricht einlassen. Dabei ist zunächst relevant, dass Anthropozän etymologisch ›das Neue des Menschen‹ bedeutet und semantisch ein neues Zeitalter bezeichnen soll. Pragmatisch zeichnet den Begriff aus, dass er eine Reihe von Beobachtungen und Krisendiagnosen bündelt. Sehr rasch hat sich um ihn jedoch eine Sprachdebatte entspannt, die den Begriff kritisiert und ergänzende sowie alternative Bezeichnungen einführen will. Die Alternativen haben gemein, als Komposita nach dem Vorbild von »Anthropozän« gebildet zu sein, von dessen Prominenz zu zehren und dennoch den Anspruch zu erheben,