Kapitel 2: Der Fremde
Frankfurt
Das schrille Piepen des Weckers riss ihn aus dem Schlaf. Marten rollte sich widerwillig auf die andere Seite und warf einen Blick auf die Digitalanzeige. In roten Leuchtzahlen zeigte der Wecker 7:41 Uhr. Unmotiviert setzte er sich auf. Die schlaflose Nacht hatte ihre Spuren hinterlassen. Es half nichts, er war mit einem Freund in etwa einer Stunde auf dem Campus verabredet. Er musste aufstehen, wenn er nicht viel zu spät kommen wollte. Eng würde es so oder so werden, deshalb beschloss er, auf sein Frühstück vorerst zu verzichten. Cäsar würde sich ohnehin schon genügend aufregen, wenn er wie immer nicht auf die Minute pünktlich kam. In Wirklichkeit hieß sein Freund Julius Tolazi, allerdings hatte ihm sein Vorname in Kombination mit seiner italienischen Abstammung sehr schnell den Spitznamen Cäsar eingebracht. Marten schaltete die Kaffeemaschine ein, zog eine Kaffeetasse, natürlich extra groß, aus dem Schrank und postierte sie unter dem Auslauf der Maschine. Er kramte in der Hose vom Vortag nach seinem Handy und öffnete seinen Facebook-Account. Er war stolzer Besitzer eines iPhones der 2. Generation. Auch wenn er noch nicht alle Funktionen kannte, so war es doch ein nützlicher Begleiter. Der vertraute Dreiklang verkündete, dass eine Nachricht eingegangen war. Marten hätte die Nachricht nicht einmal öffnen müssen, um zu wissen, von wem sie stammte.
7:45 Uhr, neue Nachricht von Cäsar: Morgen. Bist du schon unterwegs? Smiley.
Hastig tippte Marten seine Antwort. 7:46 Uhr: Bin seit fünf Minuten unterwegs. Daumen hoch.
Während sich der Kaffeeautomat mit einer Reihe von Summ- und Klickgeräuschen vorbereitete, sprintete Marten ins Bad und verschwand unter der Dusche. Keine fünf Minuten später war er angezogen, stand erneut in der Küche und ließ seinen Kaffee einlaufen. Mit ein wenig Mühe widerstand er der Versuchung dem Kaffee, mit einem Schuss Jägermeister, der verdächtig nahe bei der Kaffeemaschine stand, eine besonders würzige Note zu verleihen. Es versprach, abgesehen von dem Treffen mit Julius, ein langweiliger Tag zu werden. Vielleicht war noch ein wenig Erspartes übrig, dann könnte er am Abend eventuell in einen Club verschwinden oder eine der zahllosen Verbindungsfeiern besuchen. Ein Summen verkündete, dass der Kaffee fertig war. Marten schaltete das Gerät aus und schnappte sich seine Tasse. Er warf erneut einen Blick auf seine Uhr. 7:52 Uhr. Mit ein wenig Glück würde er noch den