Versprechungen
Wir brechen auf«, sagte der Alpha.
Ox stand neben der Tür, er hatte dunkle Ringe unter den Augen und wirkte kleiner, als ich ihn je gesehen hatte.
Das würde nicht gut laufen. Das taten Überfälle aus dem Hinterhalt nie.
»Was?«, fragte er mit zusammengekniffenen Augen. »Wann?«
»Morgen.«
Er sagte: »Du weißt, dass ich noch nicht wegkann.«
Ich berührte den Raben auf meinem Unterarm, spürte, wie er mit den Flügeln schlug, spürte das Pulsieren seiner Magie. Es brannte.
»Ich muss in zwei Wochen mit dem Anwalt Moms Testament durchgehen. Und dann ist da noch das Haus und …«
»Nicht du, Ox«, erwiderte Joe Bennett, der hinter dem Schreibtisch seines Vaters saß.
Thomas Bennett war nur noch Asche.
Ich sah den Moment, in dem die Bedeutung der Worte einsank. Es war brutal. Ein Verrat an einem bereits gebrochenen Herzen.
»Auch nicht Mom und Mark.«
Carter und Kelly Bennett standen Seite an Seite neben Joe und traten unbehaglich von einem Fuß auf den anderen. Ich gehörte nicht zum Rudel, und das schon sehr, sehr lange nicht mehr, doch selbst ich konnte die Wut spüren, die in ihnen brodelte. Aber nicht auf Joe. Auch nicht auf Ox. Auf niemanden in diesem Raum. Rachedurst kochte in ihren Adern, das Verlangen zu packen und zu zerfetzen. Sie konnten an nichts anderes mehr denken.
Und ich auch nicht. Ox wusste nur noch nichts davon.
»Aber du«, sagte Ox. »Und Carter und Kelly.«
»Und Gordo.«
Ox sah mich nicht an. Es war, als wären er und Joe allein im Raum. »Und Gordo«, wiederholte er. »Warum?«
»Um zu tun, was richtig ist.«
»Nichts von dem, was hier passiert, ist richtig«, widersprach Ox. »Warum hast du mir nichts davon erzählt?«
»Ich tue esjetzt«, erwiderte Joe in vollem Wissen, dass das nicht gut …
»Weil es das Richtige ist … Was habt ihr vor?«
»Richard aufspüren.«
Als Ox noch ein Junge war, ist sein beschissener Vater eines Tages einfach abgehauen. Es dauerte Wochen, bis Ox zum Telefon gegriffen und mich angerufen hat, aber schließlich hat er es getan. Er sprach langsam, und ich hörte den Schmerz in jedem Wort, als er sagte, dass es ihnen nicht gut ging, dass Briefe von der Bank gekommen waren, in denen davon die Rede war, ihm und seiner Mutter das Haus an der alten, unbefestigten Straße wegzunehmen, in dem sie lebten.
Könnte ich einen Job haben? Wir brauchen Geld, und sie darfdas Haus nic