: Eric Berg
: Der Küstenpfad Kriminalroman
: Limes
: 9783641261795
: Doro Kagel
: 1
: CHF 12.60
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 416
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Das Wandern ist des Möders Lust – Doro Kagels neuester und persönlichster Fall!

Vier Frauen und drei Männer, die sich über ein Online-Portal kennengelernt haben, wollen gemeinsam über den Küstenpfad von Wolgast nach Wismar wandern. Dünenwege, Steilküsten, die blaue Ostsee – was idyllisch beginnt, verwandelt sich in einen Albtraum, denn immer mehr erhärtet sich der Verdacht, dass sie verfolgt werden. Als einer der Wanderer ermordet aufgefunden wird, überschlagen sich die Ereignisse.
Zwei Wochen später: Im Zuge der Ermittlungen begibt sich die Journalistin Doro Kagel auf dieselbe Route, im Schlepptau ihren Sohn Jonas. Gemeinsam befragen sie Kellner, Wirte, Polizisten – und einige Mitglieder der Wandergruppe erscheinen dabei in einem ganz neuen Licht ...

Noch mehr packende Küstenspannung? Dann empfehlen wir Ihnen auch die anderen Krimis um Doro Kagel oder Eric Bergs Stand Alones »Schattenbucht« und »Totendamm«.

Darf's etwas mehr Sonne sein? Dann lesen Sie »Roter Sand«, den ersten Band der spannenden Gran-Canaria-Reihe um Kommissar Fabio Lozano.

Eric Berg zählt seit vielen Jahren zu den erfolgreichsten deutschen Autor*innen. Seit seinem spektakulären Krimidebüt »Das Nebelhaus«, das es auf Anhieb auf die SPIEGEL-Bestsellerliste geschafft hat und fürs Fernsehen verfilmt wurde, hat der Erfolgsautor über eine Million Kriminalromane im deutschsprachigen Raum verkauft und seine Leser*innen und Kritiker*innen immer aufs Neue begeistert. Neben seinen Ostsee-Krimis hat er mit »Roter Sand« und »Rote Sonne« das beliebteste Urlaubsziel der Deutschen zu seinem Schauplatz gemacht: die Kanarischen Inseln.

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»Du willst auf Wanderschaft gehen?« Meinem Mann Yim fiel fast der Kochlöffel aus der Hand, und er musste die Lippen aufeinanderpressen, um nicht zu lachen.

Ich konnte es ihm nicht übel nehmen. Das Sportlichste an mir war die Geschwindigkeit, mit der ich ein Glas Prosecco leerte. Gelegentlich machten wir Radtouren, die mein Gesäß noch eine Woche danach reflektierte, und als Wanderung bezeichnete ich es bereits, wenn wir von unserem Dorf die paar Kilometer bis zum Wismarer Stadtrand spazierten. Ende Juni, also in etwa zehn Tagen, wollte Yim dort sein neues Fischrestaurant eröffnen.

»Ich habe gerade wenig zu tun«, sagte ich und spähte in den Topf, in dem ein Fischragout schmorte. »Außer, deine künftige Speisekarte rauf und runter zu probieren, was ich bereits dreimal getan habe. Und jedes Mal habe ich ein Kilo zugenommen.«

»Es steht dir gut.«

»Noch zwei solche Wochen, und ich muss mir ein halbes Dutzend neuer Etuikleider kaufen. Übrigens, die Wettervorhersage für die nächsten zehn Tage ist ziemlich günstig. Wenn nicht jetzt, wann dann? Außerdem mache ich es nicht zu meinem Privatvergnügen, sondern für den Job.«

Na ja, Letzteres stimmte nur halbwegs. Als Gerichtsreporterin war es eigentlich nicht meine Aufgabe, Mordfällen nachzuspüren, zumal der, um den es mir ging, erst wenige Tage alt und noch nicht aufgeklärt war.

Sieben Frauen und Männer waren auf eine mehrtägige Wanderung gegangen, nur sechs von ihnen hatten überlebt. Eine Person aus der Gruppe war im Wald ermordet worden. Ein Szenario für einen Gruselfilm – oder für das Buch über wahre Kriminalfälle, das ich zu schreiben gedachte. Gerade die Aktualität hatte meinen Verleger angespitzt, der in unserem letzten Gespräch meinte, ein laufender Fall sorge für den nötigen Pep. Man konnte sicherlich darüber streiten, ob die vierzehn Toten auf zweihundertsiebzig Seiten, die ich bisher in dem Buch versammelt hatte, bereits genug Pep boten. Aber es war mein erstes Projekt dieser Art. Journalistische Artikel hatte ich als Gerichtsreporterin bereits Hunderte veröffentlicht, aber ein Buch zu schreiben, war immer mein heimlicher Traum gewesen. Die diffuse Gefahr, im letzten Moment daran zu scheitern, waberte beständig durch meinen Körper, mal nah am Herzen, mal in der Magengrube, die meiste Zeit jedoch in den Windungen meines Gehirns. Ich wollte meinen Verleger glücklich sehen, und mein Verleger wollte sich auch glücklich sehen, also war es beschlossen.

»Normalerweise lieferst du mir nicht drei Argumente, bevor du etwas tust«, scherzte Yim. »Kommt mir so vor, als wolltest du eher dich selbst überzeugen und weniger mich.«

Ich schmunzelte. »Da ist was dran, leider. Ich habe so etwas noch nie gemacht, noch dazu alleine.«

»Ich würde gerne mitkommen.«

Ich schmiegte mich an Yim, der nach Kokos und Zitronengras duftete. »Wir wissen beide, dass das nicht geht. Die Eröffnungsfeier ist in weniger als vierzehn Tagen, und du hast bis dahin allerhand um die Ohren.«

Seine Hände streichelten meinen Rücken auf und ab. »Was ist das überhaupt für ein Fall?«

»Na, der Pilgermord drüben in Neuburg, fünfzehn Kilometer hinter Wismar.«

»Pilgermord« – so dramatisch hatte der Boulevard den Fall getauft. Allerdings nicht hundertprozentig zutreffend. Pilgerfahrten hatten eigentlich religiöse Ziele, etwa die Wanderung auf dem Lutherweg nach Worms, auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela oder auf dem Paulusweg in die Türkei. Der Wanderweg, dem die Bürokratie den romantischen Namen E 9 gegeben hatte, war durch und durch weltlicher Natur. Er war Teil einer zwölftausend Kilometer langen europäischen Fernwanderstrecke vom Baltikum bis nach Portugal und verlief auf deutschem Boden zwischen Usedom und Ostfriesland. An de